deutlich machen ! Der tiefe Schauder , der mich schüttelt , wenn ich eine Weile der Welt mit zugesehen habe , wenn ich dann hinter mich sehe in die Einsamkeit und fühle , wie fremd mir alles ist . Wie kömmt ' s , daß ich dennoch grüne und blühe in dieser Öde ? - Wo kömmt mir der Tau , die Nahrung , die Wärme , der Segen her ? - Von dieser Liebe zwischen uns , in der ich mich selbst so lieblich fühle . - Wenn ich bei Dir wär , ich wollte Dir viel wiedergeben für alles . - Es ist Beethoven , von dem ich Dir jetzt sprechen will , und bei dem ich der Welt und Deiner vergessen habe ; ich bin zwar unmündig , aber ich irre darum nicht , wenn ich ausspreche ( was jetzt vielleicht keiner versteht und glaubt ) , er schreitet weit der Bildung der ganzen Menschheit voran , und ob wir ihn je einholen ? - Ich zweifle ; möge er nur leben , bis das gewaltige und erhabene Rätsel , was in seinem Geiste liegt , zu seiner höchsten Vollendung herangereift ist , ja , möge er sein höchstes Ziel erreichen , gewiß , dann läßt er den Schlüssel zu einer himmlischen Erkenntnis in unseren Händen , die uns der wahren Seligkeit um eine Stufe näher rückt . Vor Dir kann ich ' s wohl bekennen , daß ich an einen göttlichen Zauber glaube , der das Element der geistigen Natur ist , diesen Zauber übt Beethoven in seiner Kunst ; alles , wessen er Dich darüber belehren kann , ist reine Magie , jede Stellung ist Organisation einer höheren Existenz , und so fühlt Beethoven sich auch als Begründer einer neuen sinnlichen Basis im geistigen Leben ; Du wirst wohl herausverstehen , was ich sagen will , und was wahr ist . Wer könnte uns diesen Geist ersetzen ? Von wem könnten wir ein Gleiches erwarten ? - Das ganze menschliche Treiben geht wie ein Uhrwerk an ihm auf und nieder , er allein erzeugt frei aus sich das Ungeahnte , Unerschaffne , was sollte diesem auch der Verkehr mit der Welt , der schon vor Sonnenaufgang am heiligen Tagwerk ist und nach Sonnenuntergang kaum um sich sieht , der seines Leibes Nahrung vergißt und von dem Strom der Begeisterung im Flug an den Ufern des flachen Alltagslebens vorübergetragen wird ; er selber sagte : » Wenn ich die Augen aufschlage , so muß ich seufzen ; denn , was ich sehe , ist gegen meine Religion , und die Welt muß ich verachten , die nicht ahnt , daß Musik höhere Offenbarung ist als alle Weisheit und Philosophie , sie ist der Wein , der zu neuen Erzeugungen begeistert , und ich bin der Bacchus , der für die Menschen diesen herrlichen Wein keltert und sie geistestrunken macht , wenn sie dann wieder nüchtern sind , dann haben sie allerlei gefischt , was sie mit aufs Trockne bringen . - Keinen Freund hab ich , ich muß mit mir allein leben ; ich weiß aber wohl , daß Gott mir näher ist wie den andern in meiner Kunst , ich gehe ohne Furcht mit ihm um , ich hab ihn jedesmal erkannt und verstanden , mir ist auch gar nicht bange um meine Musik , die kann kein bös Schicksal haben , wem sie sich verständlich macht , der muß frei werden von all dem Elend , womit sich die andern schleppen . « - Dies alles hat mir Beethoven gesagt , wie ich ihn zum erstenmal sah , mich durchdrang ein Gefühl von Ehrfurcht , wie er sich mit so freundlicher Offenheit gegen mich äußerte , da ich ihm doch ganz unbedeutend sein mußte ; auch war ich verwundert ; denn man hatte mir gesagt , er sei ganz menschenscheu und lasse sich mit niemand in ein Gespräch ein . Man fürchtete sich , mich zu ihm zu führen , ich mußte ihn allein aufsuchen , er hat drei Wohnungen , in denen er abwechselnd sich versteckt , eine auf dem Lande , eine in der Stadt und die dritte auf der Bastei , da fand ich ihn im dritten Stock ; unangemeldet trat ich ein , er saß am Klavier , ich nannte meinen Namen , er war sehr freundlich und fragte : ob ich ein Lied hören wolle , was er eben komponiert habe ; - dann sang er scharf und schneidend , daß die Wehmut auf den Hörer zurückwirkte : » Kennst du das Land ? « - » Nicht wahr , es ist schön « , sagte er begeistert , » wunderschön ! Ich will ' s noch einmal singen « , er freute sich über meinen heiteren Beifall . » Die meisten Menschen sind gerührt über etwas Gutes , das sind aber keine Künstlernaturen , Künstler sind feurig , die weinen nicht « , sagte er . Dann sang er noch ein Lied von Dir , das er auch in diesen Tagen komponiert hatte : » Trocknet nicht Tränen der ewigen Liebe . « - Er begleitete mich nach Hause , und unterwegs sprach er eben das viele Schöne über die Kunst , dabei sprach er so laut und blieb auf der Straße stehen , daß Mut dazugehörte zuzuhören , er sprach mit großer Leidenschaft und viel zu überraschend , als daß ich nicht auch der Straße vergessen hätte , man war sehr verwundert , ihn mit mir in eine große Gesellschaft , die bei uns zum Diner war , eintreten zu sehen . Nach Tische setzte er sich unaufgefordert ans Instrument und spielte lang und wunderbar , sein Stolz fermentierte zugleich mit seinem Genie ; in solcher Aufregung erzeugt sein Geist das Unbegreifliche , und seine Finger leisten das Unmögliche . Seitdem kommt er alle Tage , oder ich gehe zu ihm . Darüber versäume ich Gesellschaften , Galerien , Theater und sogar den Stephansturm . Beethoven sagt