, einzige Freundin ! Walter bringt Ihnen , wie sonst , diese Zeilen . Ich schreibe Ihnen aus dem Schlafkämmerchen der Tannenhäuserin . Hier ! Hier ! O mein Gott ! was dringt hier alles auf mich ein . Die brave Frau war so gerührt , so überrascht bei meinem Anblick . Ich hielt ein Paar hundert Schritt vom Hause . Es war finstre Nacht . Ich wollte den Wald , die Bäume , den fürchterlichen See nicht sehen . Der Postillon mußte absteigen , die Wirthin herauszurufen . Es währte eine Weile , ehe sie kam . Johanna und ich saßen währenddem stumm neben einander . Das arme Mädchen fürchtete sich . Sie hielt die Leine der Pferde lose und ängstlich in der Hand . Es war todtenstill um uns , wir hörten nichts als den schnaubenden Athem und das Schütteln der müden Gäule in dem lästigen Geschirr . Mir wurde immer beklommner , immer voller ums Herz . Weinen konnte ich nicht , kaum mich regen . Indem ritt Jemand schnell vorüber . Ein Anderer , der ihm folgte , fluchte über das Fuhrwerk , das hier mitten im Wege hielt , und gab dem einen Pferde einen Schlag mit der Faust , daß es seitwärts taumelte . Johanna schrie , jener lachte und sprengte davon . Es war die rohe Stimme und das gemeine Wesen eines Reitknechts , aber wer war sein Herr ? wer war der flüchtige Reiter , der so stürmisch an uns vorüber flog ? O Herz ! Herz ! du nanntest ihn , und gewiß , es war kein Anderer ! Als nun der Postillon mit seiner Begleiterin kam , diese die kleine Handlaterne ein wenig hob , um mir ins Gesicht zu sehen , zitterte ich und konnte nicht sprechen , nicht aussteigen , mich nicht auf den Füßen halten . Ich winkte nur der erschrocknen Frau , auch zu schweigen . Sie seufzte schwer . Mit ihrer und Johanna ' s Hülfe verließ ich den Wagen . » Können Sie ein oder zwei Nächte ? « brachte ich endlich heraus . » Lieber Gott ! warum denn nicht , « erwiederte sie . » Aber beste , gnädige Frau ! Sie sind krank , bei mir ist es unruhig , Sie werden Ihre Bequemlichkeit nicht haben , « bemerkte sie ängstlich . Ich ließ sie reden , und ging , statt aller Erwiederung , auf das Haus zu . » Es ist Gesellschaft drinnen , « sagte sie , und mich behutsam durch die Küche und einen kleinen Vorhof führend , brachte sie mich in ein Zimmer . » Nur so lange Geduld , « bat sie , » bis die Gäste auseinander gehen . Dann werde ich für mehr Bequemlichkeit sorgen . Es ist heute eben recht voll hier , ich habe Alles , bis auf dies Kämmerchen , einräumen müssen , « lächelte sie im Hinausgehen . Ich setzte mich in den hintersten Winkel auf ein Schemelchen nieder . Der Lärm wirrte undeutlich aus den anstoßenden Gemächern herüber . Ich konnte weder Worte noch Stimmen unterscheiden . Ich hätte sie auch in dem Augenblick nicht unterschieden . Wie viel tausend andere Stimmen schrieen jetzt laut in mir auf . Hier war ich nun also , flüchtend , versteckt ! Nacht um mich , Nacht in mir ; nicht der kürzeste Blick über die nächsten Paar Schritte kenntlich , alles dumpf und dunkel wie im Kerker . So sitze ich noch , so schreibe ich Ihnen bei einem Lämpchen . Sie sehen den Worten wohl den Aufruhr der Seele an . Neben mir an braust und tobt es immer wüster . Walter , der alle Gelegenheiten des Hauses kennt , und die Wirthin sprechen wollte , trat vor einer Weile unerwartet hier herein . Die Thür war ungeschickt und nur halb verriegelt , so daß sie bei dem Ruck seines starken Armes aufsprang . Ich fuhr erschrocken in die Höhe . Er blieb betroffen stehen . Dann trat er schüchtern zurück , und zog die Thür leise nach sich . Ich schickte Johanna , ihn um die Besorgung eines Schreibens an Sie zu bitten . Er zeigte sich sehr bereitwillig , fragte theilnehmend nach mir , bat , seines unvorsichtigen Eintritts wegen , um Verzeihung , mit dem Zusatze : daß , wenn er hätte ahnden können , mich zu erschrecken , er ja lieber dem Kämmerchen auf hundert Schritte nicht genahet wäre . Er lächelte gerührt und wischte sich verstohlen die Augen . Er also , Sophie ! und vielleicht noch mancher Andere bewahrten mir ein freundliches Andenken in dieser verödeten , umgewandelten Gegend . Die Tannenhäuserin ist nicht einen Augenblick festzuhalten ! Noch nicht ein Wort von Georg . Hugo ' s Name wage ich nicht zu nennen . In der Nacht . Hören Sie doch , Sophie ! Hören Sie doch ! es ist nun still im Hause . Aber hier , hier in mir ist ein Tumult , eine Angst ! Sie müssen morgen frühe zu mir kommen . Walter wartet auf meinen Brief . Er geht , so wie der Tag grauet , damit zu Ihnen hinüber . Johanna ' s Neugier hat allein Schuld . Ich dankte Gott , nichts von der rohen Unterhaltung meiner Nachbarn zu verstehen . Nun war es vorbei ! Ich hätte ja taub sein müssen . Sie hatte Langeweile . Bald stand sie stille , bald ging sie in der Kammer umher , öffnete Fenster , Schubladen und Schränke . Jetzt zieht sie an einem roth- und weißgewürfelten Vorhange . Ein Fenster wird sichtbar , es ist mit einem Laden versetzt . Sie macht diesen ein klein wenig auf , ihr erster Blick fällt in das anstoßende Gastzimmer . Ich gebe nicht Acht auf sie . Nun stürzt das angelehnte , eichene Brett , das sie aus der Lage gebracht und nicht zu regieren versteht , herab auf den Boden . » Mein Himmel , Johanna ! was machst