verließ er sein Bette , um an Margarethens Kammerthür zu lauschen , ihre Athemzüge zu zählen , und sich zu überzeugen , daß kein kecker Buhle ihre Einsamkeit theile . Den Ermüdeten hatte kaum ein mitleidiger Morgenschlummer überrascht , und schon weckte ihn eine Botschaft , die ihm vor wenig Tagen noch eine freudige gewesen wäre ; die Kunde von der Ankunft Dagoberts . Der Sohn nicht ahnend , daß er im Vaterhause fremd geworden , stürzte mit dem Jubel ungeheuchelter Liebe an des überraschten Vaters Brust . Ach ! die herzlich gemeinte Freude des Wiedersehens konnte nur auf dürftige Augenblicke den unseligen Wahn von Diethers Bette scheuchen . Ohne Säumen kehrte er wieder zurück . Dem unbefangnen Jüngling sogar konnte die Veränderung nicht entgehen , die sich mit seinem Vater zugetragen , allein er schrieb auf Rechnung des Siechthums , was auf Rechnung eines verblendeten Gemüths kam . Aufrichtig und stürmisch , wie er war , konnte er seine Gedanken nicht lange bei sich behalten . » Sagt mir doch , herzlieber Vater , « sprach er mit jener Zutraulichkeit im Auge , welcher man so selten widersteht : » Sagt mir doch , ob es nur eine Einbildung ist , oder Wahrheit , daß ich Kälte und eine gewisse Fremdheit in Euerm Empfang wahrnehme ; und wenn es wahr seyn sollte , ob das noch von Eurer Krankheit stammt , ob nicht . Sprecht aufrichtig vom Herzen weg , damit es alsdann wieder zwischen uns werde , wie vormals . « - Diether blickte prüfend in des Jünglings redlich Gesicht , aber die Aufrichtigkeit war bei ihm hinter die Wege gezogen . Den Scheingrund schob er ohne langes Überlegen vor . » Wie kommt es , « - fragte er beinahe hart , - » daß mir jetzo erst Dich zu sehen erlaubt ist , während Du bereits seit einigen Tagen hier verweilst ? « » Ich Vater ? « fragte Dagobert betreten , und hätte gerne verneint , unbefangen verneint . Diether ging aber ohne Zögern auf den Grund , und drängte mit neuer strengerer Frage , so daß am Ende der Jüngling den besten Theil erwählte . » So mögt Ihr ' s denn wissen ; « sprach er : » ich verstehe mich schlecht aufs Lügen , besonders wenn Ihr mir in ' s Auge seht , denn vor dem Manne , den ich am meisten ehre und liebe , habe ich kein Falsch . Es sey also darum . Wahr ist ' s ; seit vorgestern Mittag bin ich hier , und habe mich sorgfältig von Euerm Hause fern gehalten , weil - Ihr mögt mir darob nicht zürnen - weil Schwester Wallrade darinnen ein- und ausging . Heut sah ich sie jedoch mit Roß und bepacktem Wagen von dannen ziehen , und säumte länger nicht , hier einzusprechen . Gott gesegne Euch die Ostertage . Die Fladen mit Euch zu verzehren bin ich hier , und will sie mir schmecken lassen , so der Himmel will , und Ihr mich gerne an Euerm Tische seht . « - » Du bringst nicht die Eintracht zu dem Feste ; « antwortete Diether mürrisch : » der Bruder flieht den Ort , wo seine Schwester haust ? « - » Ihr wißt ja , Vater , daß wir ' s von jeher also hielten ; « entgegnete Dagobert mit leichtem Scherz : » Was Hänschen jung gewohnt , das thut es auch im Alter . Doch , weil ich eben seinen Namen nenne , - was macht mein Brüderlein ? Ihr sollt sehen , ob wir nicht besser zusammenhalten , als ich mit Wallraden . « - » Wirklich ? « spöttelte Diether : » Man sollte es kaum glauben . Ein Stiefbruder ist gewöhnlich nicht der Geliebtere . « - » Hm ! « lachte Dagobert : » es hat mit dem Kleinen ein besonder Bewandniß . « - Dem Vater stieg eine dunkle Flamme der Beschämung bis unter die Haare . - » Der arme Junge war stets krank , « fuhr Dagobert fröhlich fort : » nun ist er aber gesundet , wie ich höre . Seht , schon dieses freut mich ungemein . Doppelt lieb muß ich aber den Burschen haben , weil .... « - » Weil ... ? « unterbrach ihn Diether gespannt und heftig . - » Weil ich komme , um mit dem armen Schelm sein Erbe zu theilen . Seht mich nur verwundert an . So wie Ihr mich vor Euch erblickt , habe ich mich mit der Kirche abgefunden , oder sie vielmehr mit mir . Sie kann mich nicht brauchen , und hat der Mutter Gelübde gelöst , als ob es auf ' s Beste erfüllt worden wäre . « - » Wie ? « fragte Diether : » das ist nicht möglich . Wie solltest Du ... ? « - » Wenn Ihr Latein verstündet , « fiel hinwiederum Dagobert ein : » so würde Euch dies Pergament genug sagen , um zu glauben , was ich sage . Ich habe aber der Ursachen mehr , zu staunen ob Euerm seltsamen Betragen , Vater . Brachte ich Euch die frohe Mähr ein Jährlein früher , so lagt Ihr voll Entzücken an meinem Halse . Heute geberdet Ihr Euch just , als wär es Euch zuwider , was ich bringe , und doch habt Ihr selbst mehr denn hundertmal mein Geschick beklagt , da es noch unabwendbar schien . « - » Wie soll ich mich freuen , « brach Diether los , » wenn ich aus Allem entnehmen muß , daß Dein wüster Lebenswandel allein hier den Ausschlag gegeben . Nicht würdig hat man Dich befunden , das Meßgewand zu tragen und zu binden und zu lösen . Ich weiß , was Costnitz und des Conciliums Väter von Dir denken , wie unzähligemal Du Deinen Ohm gekränkt , mißhandelt , daß er am Ende seine Väterhand von Dir abgezogen . « - »