kein Traum , daß sie wirklich eine Hausfrau sei , und den Namen , den sie achtzehn Jahre getragen , gegen den Namen Sturmfeder vertauscht habe ; sie lächelte , sooft sie ihn ansah , denn es kam ihr vor , als gebe er sich , seit er aus der Kirche kam , eine gewisse Würde . » Er ist mein Haupt « , sagte sie lächelnd zu sich ; » mein Herr , mein Gebieter , o der gute Herr ! das liebe Haupt ! « Und es war so wie Marie zu bemerken glaubte ; Georg fühlte sich gehobener , mit einer neuen Würde umgeben ; es schien ihm , als zeigen ihm die Junker mehr Ehrfurcht , als ziehen ihn die älteren Ritter freundlicher zu sich heran , seit er nicht mehr allein in der Welt stand , sondern wie sie , ein Hausvater , vielleicht der Stifter eines glänzenden Geschlechtes geworden war . Denn in den guten alten Zeiten waren die Begriffe noch anders als heutzutag , und man dachte sich den Edelmann und den Bürger nicht anders , als mit Weib und Kindern und überließ das Zölibat den Mönchen . In die Nähe des Herzogs war der Ritter von Lichtenstein , Marx Stumpf von Schweinsberg und der Kanzler gezogen worden , und auch der Ratsschreiber von Ulm saß nicht ferne , weil er heute als Geselle des Bräutigams diesen Ehrenplatz sich erworben hatte . Der Wein begann schon den Männern aus den Augen zu leuchten und den Frauen die Wangen höher zu färben , als der Herzog seinem Küchenmeister ein Zeichen gab . Die Speisen wurden weggenommen , und im Schloßhof unter die Armen verteilt ; auf die Tafel kamen jetzt Kuchen und schöne Früchte , und die Weinkannen wurden für die Männer mit besseren Sorten gefüllt ; den Frauen brachte man kleine silberne Becher mit spanischem , süßem Weine . Sie behaupteten zwar keinen Tropfen mehr trinken zu können , doch nippten und nippten sie von dem süßen Nektar immer wieder , bis man die Nagelprobe hätte machen können . Jetzt war der Augenblick gekommen , wo nach der Sitte der Zeit dem neuen Ehepaar Geschenke überbracht wurden . Man stellte Körbe neben Marien auf , und als die Geiger und Pfeifer von neuem gestimmt hatten und aufzuspielen anfingen , bewegte sich ein langer glänzender Zug in die Halle . Voran gingen die Edelknaben des fürstlichen Hofes , sie trugen goldene Deckelkrüge , Schaumünzen , Schmuck von edlen Steinen als ein Geschenk des Herzogs . » Mögen euch diese Becher , wenn sie bei den Hochzeiten eurer Kinder , bei den Taufen eurer Enkel kreisen , mögen sie euch an einen Mann erinnern , dem ihr beide im Unglück Liebe und Treue bewiesen , an einen Fürsten , der im Glück euch immer gewogen und zugetan ist . « Georg war überrascht von dem Reichtum der Geschenke ; » Euer Durchlaucht beschämen uns « , rief er , » wollet Ihr Liebe und Treue belohnen , so wird sie nur zu bald um Lohn feil sein . « » Ich habe sie selten rein gefunden « , erwiderte Ulerich , indem er einen unmutigen Blick über die lange Tafel hinschickte , und dem jungen Mann die Hand drückte , » noch seltener , Freund Sturmfeder , hat sie mir Probe gehalten , drum ist es billig , daß wir die reine Treue mit reinem Golde , und edle Liebe mit edlen Steinen zu belohnen suchen . Doch wie , Eure schöne Frau vergießt Tränen ? Ich weiß die Quelle dieses klaren Taues , es ist die Erinnerung an unser bitteres Geschick , die wir selbst heraufbeschworen haben . Hinweg mit diesen Tränen , schöne Frau . Am Hochzeittag ist es kein gutes Zeichen . Doch mit Verlaub Eures Eheherrn will ich jetzt eine alte Schuld einziehen , Ihr wißt noch welche ? « Marie errötete , und warf einen forschenden Blick nach Georg hinüber , als fürchte sie , jenes alte Übel , das sie oft kaum zu beschwören vermochte , möchte wiederkehren . Georg wußte recht wohl , was der Herzog meine , denn jene Szene , die er hinter der Türe belauschte , war ihm noch immer im Gedächtnis ; doch er fand Gefallen daran , den Herzog und Marien zu necken , und antwortete als diese noch immer schwieg : » Herr Herzog , wir sind jetzt zusammen ein Leib und eine Seele , wenn also meine Frau in früheren Zeiten Schulden gemacht hat , so steht es mir zu sie zu bezahlen . « » Ihr seid zwar ein hübscher Junge « , entgegnete Ulerich mit Laune , » und manche unserer Fräuleins hier am Tische möchte vielleicht gerne einen solchen Schuldbrief an Euren schönen Mund einzufordern haben ; mir aber kann dies nicht frommen , denn meine Urkunde lautet auf die roten Lippen Eurer Frau . « Der Herzog stand bei diesen Worten auf und näherte sich Marien , die bald errötend bald erbleichend ängstlich auf Georg herübersah ; » Herr Herzog « , flüsterte sie , indem sie den schönen Nacken zurückbog , » es war nur Scherz ; - ich bitte Euch . « Doch Ulerich ließ sich nicht irremachen , sondern zog die Schuld samt Zinsen von ihren schönen Lippen ein . Der alte Herr von Lichtenstein sah bei dieser Szene finster bald auf den Herzog , bald auf seine Tochter , vielleicht mochte ihm Ulerich von Hutten beifallen , denn seine Blicke streiften auch ängstlich auf seinen Schwiegersohn . Der Kanzler Ambrosius Volland aber schaute mit höhnischer Schadenfreude aus den grünen Äuglein auf den jungen Mann ; » Hi , hi « , rief er ihm zu ; » ich leere meinen Becher auf gutes Wohlsein . Eine schöne Frau ist eine gute Bittschrift in aller Not ; wünsche Glück , liebster , wertgeschätzter Herr ; hi ! hi ! ' s ist ja auch was Unschuldiges , solange es vor den Augen des Ehemanns