zu nutzen und mich von unsern guten Wirtsleuten in die Vorhalle des Webens einführen zu lassen . Beide waren ältliche Leute , in späteren Tagen noch mit zwei , drei Kindern gesegnet ; religiose Gefühle und ahnungsvolle Vorstellungen ward man an ihrer Umgebung , Tun und Reden gar bald gewahr . Ich kam gerade zum Anfang einer solchen Arbeit , dem Übergang vom Spinnen zum Weben , und da ich zu keiner weitern Zerstreuung Anlaß fand , so ließ ich mir das Geschäft , wie es eben gerade im Gange war , in meine Schreibtafel gleichsam diktieren . Die erste Arbeit , das Garn zu leimen , war gestern verrichtet . Man siedet solches in einem dünnen Leimwasser , welches aus Stärkemehl und etwas Tischlerleim besteht , wodurch die Fäden mehr Halt bekommen . Früh waren die Garnstränge schon trocken , und man bereitete sich zu spulen , nämlich das Garn am Rade auf Rohrspulen zu winden . Der alte Großvater , am Ofen sitzend , verrichtete diese leichte Arbeit , ein Enkel stand neben ihm und schien begierig , das Spulrad selbst zu handhaben . Indessen steckte der Vater die Spulen , um zu zetteln , auf einen mit Querstäben abgeteilten Rahmen , so daß sie sich frei um perpendikulär stehende starke Drähte bewegten und den Faden ablaufen ließen . Sie werden mit gröberm und feinerm Garn in der Ordnung aufgesteckt , wie das Muster oder vielmehr die Striche im Gewebe es erfordern . Ein Instrument ( das Brittli ) , ungefähr wie ein Sistrum gestaltet , hat Löcher auf beiden Seiten , durch welche die Fäden gezogen sind ; dieses befindet sich in der Rechten des Zettlers , mit der Linken faßt er die Fäden zusammen und legt sie , hin und wider gehend , auf den Zettelrahmen . Einmal von oben herunter und von unten herauf heißt ein Gang , und nach Verhältnis der Dichtigkeit und Breite des Gewebes macht man viele Gänge . Die Länge beträgt entweder 64 oder nur 32 Ellen . Beim Anfang eines jeden Ganges legt man mit den Fingern der linken Hand immer einen oder zwei Fäden herauf und ebensoviel herunter und nennt solches die Rispe ; so werden die verschränkten Fäden über die zwei oben an dem Zettelrahmen angebrachten Nägel gelegt . Dieses geschieht , damit der Weber die Fäden in gehörig gleicher Ordnung erhalten kann . Ist man mit dem Zetteln fertig , so wird das Gerispe unterbunden und dabei ein jeder Gang besonders abgeteilt , damit sich nichts verwirren kann ; sodann werden mit aufgelöstem Grünspan am letzten Gang Male gemacht , damit der Weber das gehörige Maß wieder bringe ; endlich wird abgenommen , das Ganze in Gestalt eines großen Knäuels aufgewunden , welcher die Werfte genannt wird . Mittwoch , den 17. Wir waren früh vor Tage aufgebrochen und genossen eines herrlichen verspäteten Mondscheins . Die hervorbrechende Helle , die aufgehende Sonne ließ uns ein besser bewohntes und bebautes Land sehen . Hatten wir oben , um über Bäche zu kommen , Schrittsteine oder zuweilen einen schmalen Steg , nur an der einen Seite mit Lehne versehen , angetroffen , so waren hier schon steinerne Brücken über das immer breiter werdende Wasser geschlagen ; das Anmutige wollte sich nach und nach mit dem Wilden gatten , und ein erfreulicher Eindruck ward von den sämtlichen Wanderern empfunden . Über den Berg herüber , aus einer andern Flußregion , kam ein schlanker , schwarzlockiger Mann hergeschritten und rief schon von weitem , als einer , der gute Augen und eine tüchtige Stimme hat : » Grüß ' Euch Gott , Gevatter Garnträger ! « Dieser ließ ihn näher herankommen , dann rief auch er mit Verwunderung : » Dank ' Euch Gott , Gevatter Geschirrfasser ! Woher des Landes ? welche unerwartete Begegnung ! « Jener antwortete herantretend : » Schon zwei Monate schreit ' ich im Gebirg herum , allen guten Leuten ihr Geschirr zurechtzumachen und ihre Stühle so einzurichten , daß sie wieder eine Zeitlang ungestört fortarbeiten können . « Hierauf sprach der Garnbote , sich zu mir wendend : » Da Ihr , junger Herr , so viel Lust und Liebe zu dem Geschäft beweist und Euch sorgfältig drum bekümmert , so kommt dieser Mann gerade zur rechten Zeit , den ich Euch in diesen Tagen schon still herbeigewünscht hatte , er würde Euch alles besser erklärt haben als die Mädchen mit allem guten Willen ; er ist Meister in seinem Geschäft und versteht , was zur Spinnerei und Weberei und dergleichen gehört , vollkommen anzugeben , auszuführen , zu erhalten , wiederherzustellen , wie es not tut und es jeder nur wünschen mag . « Ich besprach mich mit ihm und fand einen sehr verständigen , in gewissem Sinne gebildeten , seiner Sache völlig gewachsenen Mann , indem ich einiges , was ich dieser Tage gelernt hatte , mit ihm wiederholte und einige Zweifel zu lösen bat ; auch sagt ' ich ihm , was ich gestern schon von den Anfängen der Weberei gesehen . Jener rief dagegen freudig aus : » Das ist recht erwünscht , da komm ' ich gerade zur rechten Zeit , um einem so werten , lieben Herrn über die älteste und herrlichste Kunst , die den Menschen eigentlich zuerst vom Tiere unterscheidet , die nötige Auskunft zu geben . Wir gelangen heute gerade zu guten und geschickten Leuten , und ich will nicht Geschirrfasser heißen , wenn Ihr nicht sogleich das Handwerk so gut fassen sollt wie ich selbst . « Ihm wurde freundlicher Dank gezollt , das Gespräch mannigfaltig fortgesetzt , und wir gelangten , nach einigem Rasten und Frühstück , zu einer zwar auch unter-und übereinander , doch besser gebauten Häusergruppe . Er wies uns an das beste . Der Garnbote ging mit mir und St. Christoph nach Abrede zuerst hinein , sodann aber , nach den ersten Begrüßungen und einigen Scherzen , folgte der Schirrfasser , und es war auffallend , daß sein Hereintreten eine freudige