leiseste Atemzug stiehlt sich durch die auf ewig geschlossenen Lippen ! Eingefallen sind die Augen , die sonst bald sanftes Liebesfeuer , bald vernichtenden Zorn strahlten in grüngleißendem Gold ! Totenblässe überzieht das Antlitz , schlaff hängen die Ohren , hängt der Schweif herab ! - O Bruder Muzius , wo sind nun deine lustigen Sprünge , wo ist deine Heiterkeit , deine gute Laune , dein klares fröhliches Miau ! das alle Herzen erfreute , dein Mut , deine Standhaftigkeit , deine Klugheit , dein Witz ? - Alles , alles hat dir der bittre Tod geraubt , und du weißt vielleicht nun nicht einmal genau , ob du gelebt hast ? - Und doch warst du die Gesundheit , die Kraft selbst , gerüstet gegen alles körperliche Weh , als solltest du ewig leben ! Kein Rädchen des Uhrwerks , das dein Inneres trieb , war ja auch schadhaft , und der Todesengel hatte sein Schwert nicht über dein Haupt geschwungen , weil das Räderwerk abgelaufen und nicht mehr wieder aufgezogen werden konnte . - Nein ! ein feindliches Prinzip griff gewaltsam hinein in den Organismus und zerstörte frevelnd , was noch lange hätte bestehen können . - Ja ! - Noch oft hätten diese Augen freundlich gestrahlt , noch oft wären lustige Einfälle , fröhliche Lieder diesen Lippen , dieser erstarrten Brust entströmt , noch oft hätte dieser Schweif , frohen Mutes innere Kraft verkündend , sich in Wellenlinien geringelt , noch oft hätten diese Pfoten Stärke und Gewandtheit bewiesen in den mächtigsten gewagtesten Sprüngen - und nun - - O , kann es die Natur zulassen , daß das , was sie auf lange Dauer mühsam konstruiert hat , vor der Zeit zerstört werde , oder gibt es wirklich einen finstren Geist , Zufall genannt , der in despotischer frevelnder Willkür hineingreifen darf in die Schwingungen , die alles Sein dem ewigen Naturprinzip gemäß zu bedingen scheinen ? - O du Toter , könntest du das hier der betrübten , jedoch lebendigen Versammlung sagen ! - Doch , werte Anwesende , wackre Brüder , laßt uns solchen tiefsinnigen Betrachtungen nicht nachhängen , sondern uns ganz der Klage um den viel zu früh verlornen Freund Muzius zuwenden . - Es ist gebräuchlich , daß der Trauerredner den Anwesenden die ganze vollständige Biographie mit lobpreisenden Zusätzen und Anmerkungen vorträgt , und dieser Gebrauch ist sehr gut , da durch einen solchen Vortrag auch in dem betrübtesten Zuhörer der Ekel der Langeweile erregt werden muß , dieser Ekel aber nach der Erfahrung und dem Ausspruch bewährter Psychologen am besten jede Betrübnis zerstört , weshalb denn auf jene Weise der Trauerredner beide Pflichten , die , dem Verewigten die gehörige Ehre zu erweisen , und die , die Hinterlassenen zu trösten , auf einmal erfüllt . Man hat Beispiele , und sie sind natürlich , daß der Gebeugteste nach solcher Rede ganz vergnügt und munter von hinnen gegangen ist ; über der Freude , erlöst zu sein von der Qual des Vortrags , verschmerzte er den Verlust des Hingeschiedenen . - Teure , versammelte Brüder ! wie gern folgte auch ich dem löblichen bewährten Gebrauch , wie gern trüge ich euch die ganze ausführliche Biographie des erblaßten Freundes und Bruders vor und setzte euch um aus betrübten Katern in vergnügte , aber es geht nicht , es geht wahrhaftig nicht . - Seht das ein , teure , geliebte Brüder , wenn ich euch sage , daß ich von dem eigentlichen Leben des Verblichenen , was Geburt , Erziehung , weiteres Fortkommen betrifft , beinahe gar nichts weiß , daß ich daher euch lauter Fabeln auftischen müßte , wozu der Ort hier bei der Leiche des Erblaßten viel zu ernst und unsere Stimmung viel zu feierlich ist . - Nichts für ungut , Bursche , aber ich will statt alles weitern langweiligen Sermons nur mit wenigen schlichten Worten sagen , was für ein schmähliches Ende der arme Teufel , der hier starr und tut vor uns liegt , nehmen mußte , und was es für ein wackrer , tüchtiger Kerl im Leben war ! - Doch , o Himmel ! ich falle aus dem Ton der Beredsamkeit , unerachtet ich derselben beflissen und , will es das Schicksal , Professor poeseos et eloquentiae zu werden hoffe ! « - ( Hinzmann schwieg , putzte sich mit der rechten Pfote Ohren , Stirn , Nase und Bart , betrachtete lange unverwandten Blicks die Leiche , räusperte sich aus , fuhr nochmals mit der Pfote übers Gesicht und sprach dann mit erhöhtem Tone weiter . ) » O bittres Verhängnis ! - o grauser Tod ! mußtest du auf solch grausame Weise den verewigten Jüngling hinraffen in der Blüte seiner Jahre ? - Brüder ! ein Redner darf dem Zuhörer nochmals sagen , was dieser schon erfahren bis zum Überdruß , darum wiederhole ich , was ihr schon alle wißt , daß nämlich der dahingeschiedene Bruder fiel als ein Opfer des wütenden Hasses der Spitzphilister . - Dorthin auf jenes Dach , wo sonst wir uns ergötzten in Friede und Freude , wo fröhliche Lieder schallten , wo Pfot ' in Pfot ' und Brust an Brust wir ein Herz , eine Seele waren , wollte er hinaufschleichen , um in stiller Einsamkeit mit dem Senior Puff das Andenken jener schönen Tage , wahrer Tage in Aranjuez , die nun vorüber , zu feiern , da hatten die Spitzphilister , die auf jede Weise , jede Erneuerung unsers frohen Katerbundes hintertreiben wollten , in die dunklen Winkel des Bodens Fuchseisen hingestellt ; in eins derselben geriet der unglückliche Muzius , zerquetschte sich das Hinterbein und - mußte sterben ! - Schmerzhaft und gefährlich sind die Wunden , die Philister schlagen , denn sie bedienen sich jederzeit stumpfer schartiger Waffen , doch stark und kräftig von Natur , hätte der Dahingeschiedene , der bedrohlichen Verletzung unerachtet , wieder aufkommen können , aber der Gram , der tiefe Gram , sich von schnöden Spitzen