ihnen über Berg und Tal , selbst Rom , bei dessen bloßem Namen sonst schon meine Gedanken weilen , genügt mir nicht ; ich möchte sie sicher in den Armen der herrlichen Schwester wissen , sie einführen in den neuen Kreis ihres neuen Lebens . Wie ein Feenschloß von Demanten winkte Palermo entgegen , das von dem Feste der heiligen Rosalie jauchzte . Es war später Abend als sie landeten , aber die himmelhohe Statue der Heiligen , die ihnen schon im Meer entgegen spiegelte , empfing noch ihr Gebet um Glück und beruhigte sie . Jetzt fahren sie vor den Palast der Herzogin , auf dem größten ihrer Landgüter , drei Meilen von Palermo , die Herzogin weiß nichts von ihrer Ankunft ; sie sind ihren eignen Briefen vorgeeilt ; sie eilen die prachtvollen marmornen Säulentreppen hinauf , durch reich bekleidete Bedienten hindurch , die sie anstaunen und fragen ; aber sie eilen ungeduldig weiter in ein Zimmer , wo die Herzogin sie empfängt . Welche Überraschung ! einfach traurend steht die Herzogin da unter einer Zahl schöner Kinder , die ihre Schreibebücher vorzeigen ; aber wie hat sich Klelia entwickelt , sie , die sonst von niemand bemerkt wurde , steht in ihrer Mitte mit einer sanften Würde , die im ersten Augenblick selbst ihren alten Freund , selbst ihre Schwester zurückschreckt . Aber wie selig überrascht umfaßt sie beide , und die Kinder lächeln froh bei ihrem Anblick , als wenn ein Engel im Schlafe mit ihnen spielte . Wir sind alle gerührt , es geht nun alles recht gut ; wie leicht wird es der Gräfin , ihr alles zu beichten ; schmerzlich ist es der Herzogin , das Andenken des Herzogs , das ihr so teuer war , so ganz in sich auslöschen zu müssen ; aber die Wahrheit ist ihr Leben und die Kinder füllen ihre Gedanken nun wahrhafter und schöner . Alle gewinnen bald einen festen Lebenskreis und Bestimmung ; vor allen findet der Graf in der ökonomischen Verwaltung , die der Herzogin bisher am lästigsten gewesen , ein schönes Feld , seinen wohltätigen Geist über Tausende auszubreiten , der sich bis dahin in der Anordnung weniger Menschen begnügen mußte ; er findet ein dankbares Volk , unter dem ein verständiges Wohlwollen von oben her noch so selten gewirkt , daß beinahe noch alles zu tun übrig war . In dem Rausche des Wiedersehens ist der alte Bediente nicht übersehen worden ; die Herzogin hat ihn wie einen Vater geküßt ; er hatte auch wahrlich mehr für sie getan , als ihr leiblicher Vater . Ohne in seinem Wirkungskreise steigen zu wollen , blieb er wie immer der Oberaufseher des Hauses ; nur die Kinder muß ihm die Gräfin Dolores von Zeit zu Zeit anvertrauen , sonst ist er böse ; sorglich führt er sie in den Gärten umher , sucht ihnen die reifsten Früchte und neckt sich mit ihnen , und wird mit ihnen zum Kinde ; auch wissen sie mit keinem so gut zu spielen , wie mit ihm ; keiner weiß sie so leicht zu beschwichtigen , wenn sie weinen , schreien ; sie treten oft auf ihm herum und tun ihm wehe , aber er beklagt sich nicht ; er sieht auf ihre blonde Locken , wie in einen glodnen Kelch , in ihre blauen Augen , wie in den Himmel . So hätten wir es denn mit den übrigen abgetan und wir könnten nun ruhig über einige Jahre hinblicken , um Dolores , die uns so viel Schmerzen , und Klelien , die uns so viel Freude gemacht , in der Dauer ihrer Verhältnisse zu prüfen . Klelie hatte anfangs alle Mühe , einzelne störende Rückfälle ihrer Schwester in eine zerknirschende Reue zum Guten zu lenken ; doch gelang es ihrem klugen Bemühen , indem sie ihr eine Beschäftigung gab , die ihrer Sinnesart angenehm , aber aus Gewohnheit zu lange von ihr vernachlässigt worden war . Sonst sah sie ihre Kinder nur , wenn sie wachten , reinlich angezogen waren und der Kinderstube entlassen wurden ; höchstens trat sie zuweilen herein , sich an ihrem Schlaf zu ergötzen . Klelie machte es ihr so eindringlich , daß eine Frau nie etwas Größeres tun könne , als wenn sie mit liebevoller geduldiger Sorge die ersten hülflosen Zeiten ihrer Kinder bewache , wenigstens nichts Erfreulicheres , Segenvolleres . » Wie gern « , rief sie , » gäbe ich alle meine Beschäftigungen , so lieb sie mir sein mögen , darum hin , eigne Kinder versorgen zu können ; denn das ist von der Natur eingeboren , nur eigne Kinder verstehen wir ganz , was ihnen fehlt , was sie wollen , und dieses Verständnis kann kein guter Wille , keine reichliche Bezahlung in der Dienerschaft erzeugen . Darum ist jeder Mensch zu beklagen , den seine Mutter nicht großgezogen , denn ihm fehlte sehr viel Liebe « . - Kaum hatte Dolores den ersten Widerwillen überwunden , den die Unreinlichkeit und das Geschwätz der Kinderstuben häufig gibt , so fand sie erst wie vielem sie ihre Kinder unbesorgt ausgesetzt , was sie selbst für widrig hielt ; sie besserte alles mit Ernst und Einsicht , schaffte sich bessere Mägde an , die sie jetzt erst kennen lernte , so wie die Kinder , die schon früh manche Eigentümlichkeit zeigten . Die Kinder lohnten ihr durch Gedeihen und jeder Kreis des heiligen Jahres mehrte ihre Zahl ; was Kindisches in ihr uns töricht gewesen , das wurde in den Kindern ausgeboren , deren Sinnesart sie aus der Tiefe ihrer eignen Brust verstand , und besser zu lenken wußte , als ihr von der eignen nachsichtigen Mutter geschehen . Es war eine schöne Buße , diese Mutterliebe . Fünftes Kapitel Der Herzogin Weisheit , Mut und Güte . Tod des alten Bedienten . Nachrichten von Waller . Geschichte des Prediger Frank und des Fräulein Leona . Schicksal des Lorenz und der Rosalie Klelia tat nur einzelne Blicke in dies Frühlingsreich