ich konnte nicht begreifen , wie ? bis ein Paar Tage darauf Quintus durch denselben Centurio , der ihm die Geschichte zuerst erzählt hatte , erfuhr , daß Agathokles in größter Eile von Synthium gekommen , und bei Marcius abgestiegen war , daß man sie sehr lebhaft streiten gehört habe , daß Marcius sogleich seine Pferde zu satteln , und den Sclaven , sich reisefertig zu machen , befohlen habe , und noch denselben Abend , wenige Stunden nach Agathokles , der sogleich wieder auf seine Villa zurückgekehrt war , die Stadt verlassen habe . So war denn die Rettung meines guten Namens Agathokles Werk , so bin ich ihm dafür verpflichtet ! Und er äußert nichts gegen mich , er entzieht sich meinem Dank , er weiß vielleicht gar nicht , daß mir die ganze Sache bekannt ist . O mein Lucius ! Ist es möglich , dies zu denken , ein fühlendes Herz , und einst so lachende Hoffnungen gehabt zu haben , und jetzt ruhig oder kalt zu seyn ? Was wird noch aus mir werden ? Ein Entschluß steht fest in meiner Seele . Wenn mein Schicksal fortfährt , Qual auf Qual , Beschämung auf Beschämung über mich zu häufen , so will ich seinen Launen weichen , ich will den Ort verlassen , an den ich unter so unglücklichen Vorbedeutungen gekommen bin , und meinen Vater bitten , daß er mich nach Rom zu dir und meiner Tante Sempronia zurückschicke . Hier kann ich es nicht länger aushalten . 81. Marcius Alpinus an Lucius Scribonianus . Cäsarea , im Mai 303 . Haben die Eumeniden mir diesen Agathokles zur Strafe meiner Vergehungen gesandt ? Lebt der Mensch nur , um mir überall , wo ich ihn am wenigsten vermuthe , in den Weg zu treten ? Sein Fanatismus , die Eitelkeit des Einen , die Schwäche des Andern , Alles muß sich vereinigen , um Plane zu zerstören , die weit klüger angelegt waren , als diese schwachen Seelen es je auch nur träumen konnten . Sein Vater hat ihm verziehen , und Alles , was ich seit Monaten mit Verstand und Vorsicht bereitete , wird nun an dem langsamen Feuer häuslicher , kindlicher Zärtlichkeit schmelzen . Wer hätte auch an die ungeheuere Thorheit glauben sollen , daß ein Mensch , der fünf gesunde Sinne hat , um die Einwilligung seines Vaters zum Besitz eines Weibes , das ihm jederzeit gewiß war , zu erhalten , ein Vermögen von mehr als hundert Talenten ausschlagen würde ! Als ich sicher war , daß Theophania nicht blos in Nikomedien , daß sie unter einem Dache mit ihm lebte , und mir den Schluß der Tragicomödie an den Fingern abzählen konnte , war es natürlicher Weise nothwendig , Alles vorzukehren , was diese Verbindung entweder gleich trennen , oder wenigstens auf so lange Zeit verschieben konnte , daß mir Muße und Gelegenheit übrigte , allerlei andere Hindernisse herbeizuführen . Hegesippus ist schwach , eitel - und darum sehr lenkbar . Er hatte im ersten Anfall des Zorns seinem Sohne den Fluch gegeben , als er von ihm hörte , daß er ein Christ sey ; ich durfte also nur auf diesem Grund fortbauen , und that es mit Klugheit und gutem Erfolg . Bei der Nachricht von der Gefahr seines Sohnes bekam zwar der schwache Alte eine Art Rückfall , aber ich machte ihm begreiflich , wie sehr er sein Ansehen vor der Welt und bei Hofe auf ' s Spiel setzen würde , wenn er jetzt nachgäbe , und den Sohn anerkannte , der sich geradezu als Rebell gegen den kaiserlichen Befehl gezeigt hatte , und ich brachte es dahin , daß er wenigstens öffentlich sich gar nicht um ihn zu bekümmern schien . Aber freilich , wie das bei Menschen dieser Art geht , ich konnte nicht hindern , daß nicht täglich ein Sclave heimlich in das Wittwenhaus abgefertigt wurde , der sich unter fremdem Namen nach allen Umständen des Sohnes erkundigen mußte . Ich ließ die Thorheit hingehen , weil ich sie für unschädlich hielt ; aber man soll keinen , auch nicht den unbedeutendsten Umstand außer Acht lassen , besonders wenn man mit unzusammenhängenden Gemüthern zu thun hat . Ein Paar Wochen waren still vergangen , da erschien plötzlich Constantin , und wandte sich im Namen seines Freundes an Hegesippus , und bat ihn um seine Einwilligung , und seinen Segen zur Heirath . Der Alte war bestürzt , geschmeichelt , gerührt . Er hatte auf dies Zeichen von Liebe und Unterwerfung gar nicht mehr gerechnet , und Agathokles hätte den Botschafter nicht besser wählen können . Der Sohn des Abendländischen Cäsars , der als Client im Namen seines Sohnes , seines innigsten Freundes vor ihm stand ! Zum Glück besann sich der schwachsinnige Greis noch so viel , daß er nicht auf der Stelle Ja sagte , sondern die Antwort den folgenden Tag zu geben versprach . Er ließ mich rufen , ich war selbst überrascht . - Wer hätte diese neue Thorheit von Agathokles vermuthen sollen ? Da er mir aber so gutmüthig die Waffen gegen ihn in die Hand gab , wäre es Wahnsinn gewesen , sie nicht zu brauchen . Ich stimmte dem Alten , was überhaupt nicht schwer ist , und ließ ihn in der Ferne eine Aussicht sehen , vor der ihm graute , sein Vermögen zum Nutzen und zur Emporbringung einen Secte angewendet , die er haßte und verachtete , die ihm schon so viel Herzeleid gemacht hatte . Der Entschluß war bald gefaßt , Hegesippus gab seine Einwilligung , aber nur bedingungsweise - nur dann nämlich , wenn Agathokles allen Ansprüchen auf sein Vermögen entsagte . Ich konnte mir nicht denken , daß er diese Bedingungen eingehen würde , und eben so wenig , daß die andächtige Theophania , deren Einwirkung ich in jenem Schritte deutlich erkannte , sich entschließen würde , ihm wider oder ohne des Vaters Einwilligung ihre Hand zu geben . Es war