hören , die der alten Sage nach da unten in der schweigenden Tiefe ruhte . Voll und mächtig klingen , als flehte sie um Erlösung – sie hatte vergebens gefleht . Die nächsten Tage vergingen in Restovicz in gewohnter Weise . Frau Almers hütete sich , ihrem Neffen zu verraten , was sie gegen seinen Willen zur Sprache gebracht hatte , denn Ulrich war vielleicht der einzige Mensch auf Erden , den sie scheute . Aber auch Paula gegenüber berührte sie jenen Punkt mit keiner Silbe . Sie wollte ihr Zeit lassen , » zur Vernunft zu kommen « , und das so auffallend schweigsame und gedrückte Wesen des jungen Mädchens bestärkte sie in ihrer Voraussetzung , daß dies bereits geschehen wäre . Sie ahnte weder , daß Ulrich Zeuge jenes Gespräches gewesen war , noch daß er selbst mit Paula gesprochen hatte . Unter anderen Verhältnissen würde die stolze Frau diese Verbindung ihres Neffen mit einer armen Waise , der Gesellschafterin seiner Tante , für höchst unpassend erachtet und scharf bekämpft haben . Sie hatte in früheren Zeiten ganz andere und sehr hochfliegende Pläne für ihn gehegt . Aber wie die Dinge nun einmal lagen , hielt sie es für ein Glück , wenn er sich überhaupt noch zu einer Heirat entschloß . Den jungen Damen ihrer Kreise , die » Ansprüche machen konnten « , wäre der Reichtum des Freiers allerdings sehr willkommen gewesen , aber keine einzige hätte sich mit ihm in die Einsamkeit von Restovicz vergraben und seine finsteren Eigentümlichkeiten hingenommen . Also wurde Paula Dietwald ausersehen , die für das ihr gebotene Glück dankbar sein mußte . Daß sie es nicht war und sich sogar zu einer energischen Weigerung aufraffte , zog ihr die volle Ungnade ihrer Beschützerin zu . Berneck hatte recht , seine Tante verzieh es nicht , wenn man ihr gegenüber einen eigenen Willen zeigte , das durfte er allein sich erlauben . Er selbst hatte sein Benehmen gegen Paula nicht im geringsten geändert , er war ernst und schweigsam wie sonst , aber kein Wort , kein Blick erinnerte sie an jene Stunde , wo er ihr sein Innerstes erschlossen hatte , das schien versunken und vergessen . Sie sollte ja auch seine » Thorheit « vergessen , und er ging ihr mit dem Beispiel dazu voran . Aber die peinliche Spannung , die über dem ganzen kleinen Kreise lag , wurde doch von jedem empfunden , und jeder atmete auf , als sich eine unerwartete Ablenkung fand in Gestalt eines Besuches , der den Schloßherrn überraschte . Der ehemalige Hauslehrer Ulrichs , der vier Jahre lang in dieser Eigenschaft in Auenfeld gelebt hatte , jetzt ein Mann in Amt und Würden , tauchte urplötzlich in Restovicz auf . Er hatte jahrelang nicht einmal brieflich mit seinem einstigen Zöglinge verkehrt , der alle Beziehungen mit der Heimat abgebrochen hatte , jetzt aber , wo eine Ferienreise ihn zufällig in die Gegend führte , wo Bernecks Besitzungen lagen , suchte er diesen wieder auf , und Ulrich schien sich wirklich über den Besuch zu freuen , denn er lud ihn zum Bleiben ein . Professor Rosner , der gegenwärtig ein Gymnasium in Dresden leitete , war einer jener jovialen , warmherzigen Menschen , die sich und aller Welt das Beste gönnen und von aller Welt das Beste glauben . Von der gnädigen Frau , die er noch von Auenfeld her kannte , und die auch heute noch etwas herablassend gegen ihn war , hielt er sich einigermaßen fern und beschränkte sich auf die nötige Artigkeit , dagegen schloß er sich gleich im Anfange mit vollster Vertraulichkeit an Paula an . Er plauderte mit ihr , ging mit ihr spazieren und war ungemein offenherzig in seinen Mitteilungen . Er lebte in angenehmen Verhältnissen , führte eine äußerst glückliche Ehe und besaß ein ganzes Häuflein Kinder , die er zärtlich zu lieben schien . Es wurde dem jungen Mädchen manchmal wehe um das Herz bei diesen Erzählungen . Sie that da Blicke in ein Haus und eine Familie , wo Glück und Sonnenschein , Liebe und Freude heimisch waren – das alles kannte sie längst nicht mehr . Es war auf einem dieser Spaziergänge , als der Professor , anscheinend ganz harmlos , fragte , ob sie sich denn auch glücklich fühlte in ihrer Stellung bei der alten , sehr anspruchsvollen Dame , die so gar kein Verständnis für die Jugend habe . Paula schwankte einen Augenblick lang , dann aber gestand sie , daß sie im Begriff wäre , Frau Almers zu verlassen , und knüpfte daran die schüchterne Frage , ob der Herr Professor in seinem großen Bekanntenkreise vielleicht irgend jemand wüßte , der eine ähnliche Stellung zu vergeben hätte . Er ließ sie kaum ausreden , » Aber liebes Fräulein , das trifft sich ja prächtig ! « rief er , » Wir suchen ja gerade eine junge Dame zur Stütze für meine Frau und zur Aufsicht für unsere Kleinsten , die noch nicht schulpflichtig sind ! Kommen Sie zu uns , wir nehmen Sie mit tausend Freuden auf ! « Das junge Mädchen verstummte vor freudiger Ueberraschung . Das Anerbieten bedeutete ja für sie ein ganz unverhofftes Glück . Es nahm die bange Sorge um die nächste Zukunft von ihrem Herzen und befreite sie von der bitteren Notwendigkeit , im Hause ihres Vormundes ein lästiger Gast sein zu müssen und herbe Vorwürfe anzuhören . Professor Rosner aber schien ihr Schweigen für Bedenken zu halten und drang förmlich in sie , seinen Vorschlag anzunehmen . » So vornehm und glänzend wie bei Ihrer Gnädigen ist es ja freilich nicht bei uns , « sagte er in einem halb entschuldigenden Tone . » Wir sind nur einfache Professorleute und haben nicht eine Million zur Verfügung . Aber dafür scheint bei uns auch die Sonne , und bei der gnädigen Frau ist ewige Nordpolstimmung , Ich kenne das noch von Auenfeld her , sie brachte immer so eine gewisse Eistemperatur mit , ich