sein Glück , mußte es opfern , weil eine andere Stimme noch lauter sprach . – Ich kann Arno nicht vergessen . “ „ Vergessen ? “ wiederholte Brunnow mit schwerer Betonung . „ Nein , das können Sie nicht , und so wie ihn können Sie auch keinen Anderen lieben . – Ich glaube es Ihnen . “ „ Nein , “ sagte Gabriele fest . „ Und eben deshalb kann ich nicht Georg gehören . “ „ Muß man denn immer selbst glücklich sein ? “ fragte Brunnow düster . „ Es ist ja ein Großes , glücklich zu machen . Winterfeld ist bei meinem Sohne . Ein Zufall führte ihn her ; er ahnte nichts von Ihrer Nähe , bis ich ihm Nachricht davon gab . Da brach sein Schweigen und seine Zurückhaltung , und ich habe einen Blick gethan in die Tiefe seiner Liebe , die Ihnen noch immer so heiß und voll entgegenströmt wie einst . Er wird nie in anderen Banden Ersatz finden ; ich kenne ihn . Er wird einsam durch das Leben gehen , und mitten in all den Erfolgen , die seiner warten , nur die Leere fühlen , welche jene Abschiedsstunde zurückließ . Sie sind noch so jung , Gabriele , Sie haben noch ein ganzes Leben einzusetzen . Setzen Sie es für ihn ein ! Er verdient es . “ Sie wandte sich heftig ab . „ Nicht weiter , Herr Doctor ! Verschonen Sie mich mit diesen Erinnerungen ! Wenn Sie in Georg ’ s Namen sprechen – “ „ Er weiß nichts von meinem Hiersein , “ unterbrach sie der Doctor . „ Er würde mich im Gegentheil zurückgehalten haben . Glauben Sie nicht , daß Georg Ihnen je wieder freiwillig nahen wird ! Er wies den Gedanken daran mit vollster Heftigkeit zurück , und er hat Recht . Sie haben ihn damals gehen heißen – Sie müssen ihn auch wieder zurückrufen . “ Gabriele preßte im heftigsten Kampfe beide Hände gegen die Brust , als müsse sie dort etwas niederzwingen . „ Ich kann nicht , kann nicht ! – Und Georg wird die Liebe nicht wollen , die ich ihm jetzt noch bieten kann . “ „ Er wird es , denn er ist einer von den selbstlosen Charakteren , die stets mehr geben als sie empfangen . “ Gabriele hob das Auge zu dem Sprechenden empor – es stand ein ernster , trauriger Vorwurf darin . „ Und das alles sagen Sie mir ? Sie , der Freund Arno ’ s , wollen einen Andern an seine Stelle setzen ? “ „ Nein , beim Himmel , das will ich nicht , “ rief Brunnow auflodernd . „ Die Stelle bleibt ihm , und die kann ihm kein Winterfeld rauben . Jene edlen idealen Menschen , die so ruhig ihre Bahnen gehen , denen kein Schatten und kein Makel anhaftet , die bewundert man und stellt man hoch . Naturen wie die Arno Raven ’ s können kein Glück geben ; sie bedrohen selbst das Geliebte mit dem Schatten , der auf ihnen liegt , und doch ist es mehr werth , mit ihnen und für sie zu leiden , mit ihnen unterzugehen , als an der Seite jener Anderen glücklich zu sein . Nicht wahr , Gabriele , das haben Sie auch erfahren ? “ Die alte Gluth loderte wieder aus der Asche empor . Die gebeugte Gestalt Brunnow ’ s hatte sich aufgerichtet , als er leidenschaftlich die Worte herausschleuderte , und in seinen Augen flammte einen Moment lang wieder das Feuer der Jugend . Gabriele hatte den Kopf an seine Schulter gelehnt und weinte – weinte , als ob ihr das Herz brechen sollte . „ Und nun lassen Sie mich nicht ohne Antwort gehen , “ sagte der Doctor nach einer Pause . „ Ich habe so selten in meinem Leben Glück bringen können ; ich möchte es noch einmal thun , ehe ich – gehe , und ich werde bald gehen . Darf ich Georg eine Hoffnung bringem ? Wollen Sie ihn wiedersehen ? “ „ Ich will es versuchen ! “ sagte sie leise . – – – In dem Brunnow ’ schen Hause ging es am Nachmittage ein wenig wunderlich zu . Zuerst hatte der Doctor in seinem Studirzimmer eine Unterredung unter vier Augen mit seinem Sohne , die jedenfalls auf Max einen ganz überwältigenden Eindruck machte ; denn er überfiel seinen Vater mit einer ebenso stürmischen Umarmung , wie einst den Papa Hofrath . Darauf hatte der junge Arzt in seinem Wohnzimmer ein Gespräch , ebenfalls unter vier Augen , mit seiner Frau , von dem Beide etwas erregt zurückkamen . Dann verschwand Frau Agnes und kam vorläufig nicht wieder zum Vorschein , während Max sich seines Freundes bemächtigte , dem er jetzt überhaupt nicht mehr von der Seite ging . Unter anderen Umständen würde Georg wohl errathen haben , daß irgend etwas Ungewöhnliches vorgehe , aber die Nachricht von heute Morgen raubte ihm alle Unbefangenheit , er hatte Mühe , seine Fassung zu behaupten . Leider trug Max dieser „ elegische Stimmung “ durchaus keine Rechnung , obgleich er den Grund derselben kannte . Er war im Gegentheil vollständig rücksichtslos , plagte den Freund mit allen möglichen Fragen und Einfällen und schleppte ihn endlich unter allerlei Vorwänden wieder in den Garten . „ Aber was soll ich denn eigentlich in dem Gartenhause ? “ fragte Georg beinahe unwillig . „ Ich war ja schon heute Morgen dort und habe die Aussicht bewundert . “ „ Diesmal sollst Du ein Arrangement meines Papa bewundern , “ erklärte Max . „ Ein Arrangement , das er eigens Dir zu Ehren getroffen hat . Papa ist ausnahmsweise praktisch gewesen . Komm nur mit ! Du wirst erstaunen . “ Das Gartenhaus , ein kleiner Pavillon , lag dicht am See und bot allerdings eine herrliche Aussicht . „ Es sind ja Damen dort , “ sagte Winerfeld ,