Universalerbin . ‹ « Er hielt inne und wandte den Kopf rasch seitwärts – der Tisch mit dem Geschirr klirrte . Gisela hatte jetzt beide Hände auf die Platte gestemmt und starrte in tiefem Schrecken zu ihm hinüber ; sobald aber sein Blick sie berührte , raffte sie sich auf und zwang die bebenden Lippen zu einem schwachen Lächeln . » › Aber die schöne Aspasia hatte auch Abgründe in ihrer Seele , die sie nicht immer vollständig zu verbergen vermochte ‹ « , fuhr der Portugiese mit leicht vibrierender Stimme fort , » › und Dom Enriquez , der bei all seinen Eigentümlichkeiten ein durchaus edler , ehrlicher Charakter war , fand im Laufe der Zeit hie und da Gelegenheit , einen schauernden Blick hineinzuwerfen ... Auf diese Erkenntnis folgten Zerwürfnisse , die oft bedenklich an den Grundfesten des Testaments rüttelten ... Die Frau Marquise mißachtete trotzig diese bedrohlichen Anzeichen , sie vertraute ihrem hinreißenden Zauber , und dann – hatte sie manchen guten Freund in der Umgebung des Dom Enriquez . ‹ « Der Blick des Erzählers glitt vollkommen ruhig über die gespannten Gesichter der lautlos aufhorchenden Menge – er glitt auch über die schlaffen Augenlider des Mannes , der neben dem Fürsten saß ; sie hoben sich nur einen Moment , wie vom Blitz berührt , und ein teuflischer Strahl zuckte nach dem Portugiesen hinüber – dann sanken sie wieder , ohne daß sich auch nur ein Muskel seines Gesichts bewegte . » › Die Frau Marquise gab einst ein glänzendes Fest in ihrem Schlosse ‹ « , erzählte Oliveira weiter , » › Dom Enriquez war nicht zugegen ; wohl aber wurde der schönen Aspasia , während sie wie eine Fee im prachtvollen Maskenkostüm durch ihre Säle rauschte , kurz vor Mitternacht zugeraunt , der ferne Freund liege im Verscheiden . Halb sinnlos vor Angst und Schrecken warf sie sich in einen Wagen und fuhr allein , die Pferde mit eigener Hand lenkend , in die grausigste Sturmnacht hinein , um eine halbe Million zu retten . ‹ « – » Sie war allein , mein Herr ? « rief Gisela mit halberstickter Stimme und streckte dem Portugiesen unterbrechend die Hand entgegen . » Sie war allein . « » Hatte sie keine Tochter , die sie begleitete ? « » Die Tochter blieb auf dem Maskenball zurück « , sagte plötzlich eine tiefe , harte Stimme dumpf , halblaut hinter ihr – der alte Soldat stand im Gebüsch und hob in scheinbar harmloser Geschäftigkeit , aber mit triumphierend lodernden Augen den Juwelenkasten vom Tisch , um ihn fortzutragen . Gleichzeitig fühlte Gisela ihre Hand ergriffen – fünf eisige Finger umklammerten sie mit schmerzlichem Druck ; der Minister stand neben ihr . » Was soll das heißen , mein Kind , daß du das reizende Märchen des Herrn dort unterbrichst ? ... Kannst du die Gewohnheiten der Kinderstube durchaus nicht abschütteln ? « schalt er mit lauter Stimme ; aber diese Stimme hatte einen schauerlichen Klang , es war , als konzentrierte der Mann noch einmal allen Übermut , allen Trotz , alle die gefährlichen Eigenschaften , mit denen er bisher eisern geherrscht hatte , in diesen Lauten ... Er hatte , wenn auch vielleicht nur mit halbem Ohr , die nicht laut gesprochene Antwort des alten Soldaten aufgefangen . Er rügte sie mit keinem Wort , wohl aber deutete er gebieterisch nach der Richtung des Waldhauses – der alte Mann entfernte sich hohnlächelnd . Der Minister hielt die Hand seiner Stieftochter fest und zwang sie , ihm zu folgen . Er warf , indem er mit ihr über die Wiese schritt , einen lächelnden , bedeutungsvollen Blick auf den betroffenen schweigenden Kreis , als wolle er sagen : » Da seht ihr nun , was für ein exaltiertes , unberechenbares Geschöpf sie ist . « » Den Schluß , den Schluß , Herr von Oliveira ! « rief die Gräfin Schliersen dringend , während Seine Exzellenz das junge Mädchen zwischen sich und seine Gemahlin setzte . » Ich habe bereits einen Regentropfen auf der Hand gespürt ; sind wir erst im Ballsaale , dann ist das jedenfalls pikante Ende Ihres – Märchens für uns verloren . « Aus den Zügen des Fürsten war allmählich der harmlose Ausdruck verschwunden . Seine Augen sahen forschend und mißtrauisch nach dem Manne hinüber , der , dort an der Buche lehnend , so ruhig , aber auch so entschlossen die Arme über der Brust kreuzte und den flammenden Blick fest auf das durchlauchtigste Antlitz gerichtet hielt – er schien ihm unheimlich zu werden ... Wie alle schwachen Charaktere , denen der Zufall eine hohe Lebensstellung eingeräumt hatte , war er sehr geneigt , das entschiedene , sichere Auftreten fester Männlichkeit als Mangel an Willfährigkeit zu beargwöhnen , und in dem Punkte vertrug er nichts . Zudem hatte das , was der Mann erzählte , eine verzweifelte Ähnlichkeit mit einer alten dunklen , halbverschollenen Geschichte , die er um des Ministers willen nicht gern vor all diesen sehr wißbegierigen Ohren aufgerührt sehen mochte . Ohne eigentliche Begründung aber konnte er die lebhaft verlangte Pointe der Geschichte nicht unterdrücken : Er winkte deshalb ziemlich eilfertig und mit einer nicht gar gnädigen Handbewegung dem Portugiesen , die Erzählung zu beenden . Oliveira trat vom Baume weg ; seine breite Brust dehnte sich unter einem tiefen Atemholen ; ein erneuter Windstoß kam daher und hob die schwarzen Lockenringel auf seiner finsteren Stirn . » Hier beginnt die Selbstanklage des Mannes , den ich erzählen lasse – er hat schwer gefehlt , aber auch gelitten « , fuhr er mit erhöhter Stimme fort . » › In jener Nacht , da der Tod so jäh und unerwartet an Dom Enriquez herantrat , standen der Visconde , ein schöner , stolzer , tapferer Mann , und ich allein an seinem Bett ‹ – so lautet die weitere Mitteilung des deutschen Arztes . › Der Sterbende benutzte die ihm vergönnte kurze Frist , um sein Testament