Genuß , welchen es mir gewähren würde , in tiefer Einsamkeit , fern von jedem Geräusch der Welt , nur mir und meinen Gedanken leben zu können . Das Geschick hatte es anders beschlossen , ich sollte nicht allein sein . – In kurzen Märschen hatte ich mich allmälig der Stelle genähert , auf welcher die letzten Spuren des Dorfes des einstmals so mächtiges und schönen Stammes der Mandanen-Indianer noch sichtbar waren . Seit wenigen Jahren erst war das Dorf verödet , und dennoch sah es aus , als ob schon ein Jahrhundert über die zerfallenen Hütten fortgerollt wäre . Die Bauart war zu leicht , als daß sie den atmosphärischen Einflüssen lange Widerstand zu leisten vermocht hätte . Jetzt schlichen Wölfe über die mit Rasen bewachsene Stätte , auf welcher einst braune Kinder sich , in der Handhabung der Waffen übten , schwarzäugige Squaws Mocassins und Leggins mit den gefärbten Stacheln vom Stachelschwein und mit Riemenwerk sinnig schmückten , und furchtbar bemalte Krieger mit wildem Geheul ihren tollen Reigen um die rauchenden Kopfhäute erschlagener Feinde aufführten . Wo waren , die tapfern Krieger , wo waren die Mütter von muthigen Herzen , wo die jungen Keime und Blätter des schönen Mandanen-Stammes geblieben ? Sie waren dahin gegangen , wo keine Arbeit mehr den Rücken des Weibes beugt ; wo die Jäger die Sehne mit dem befiederten Pfeil nur an ' s Ohr zu ziehen und zurückzuschnellen brauchen , um die junge Bisonkuh oder den Elkhirsch zu erlegen ; wo die Kinder , ähnlich den Schmetterlingen , im ewigen Sonnenschein spielen , dahin , wo der große gute Maniton seine rothen Lieblingskinder ruft ; sie waren nach den glückseligen Jagdgefilden gegangen . – Maniton hatte ihnen gezürnt , jetzt aber war er versöhnt , und die Mandanen Weilten in seiner nächsten Nähe . Er hatte ihnen gezürnt , oder er hätte nicht zugegeben , daß die vereinigten Stämme der Siouxs um sich für den Verlust vieler Pferde und Skalpe zu rächen , in dunkler Nacht das stark bevölkerte Dorf der Mandanen überfielen und Männer , Weiber und Kinder im Schlafe würgten . Er hatte ihnen gezürnt , oder er hätte nicht , nachdem die wenigen überlebenden Familien sich wieder auf ihrer alten Stätte gesammelt , jene furchtbare verheerende Krankheit gesendet , welche auch noch diesen letzten Rest dahinraffte und die einzelnen verschont gebliebenen Mitglieder in alle Winde zerstreut . Der Stamm der Mandanen war seit jener Zeit verschwunden , und die wenigen , zum Theil nicht , mehr unvermischten Familien mieden die Stätte , auf welcher augenscheinlich ein schrecklicher Fluch lastete . Und der Fluch lebte ja noch fort , denn bald hier , bald dort , gleichviel bei welchem Stamme , tauchten die von den . Weißen eingeführten Blattern plötzlich wieder auf , um erst , nachdem sie unbarmherzig eine genügende Anzahl von Opfern gefordert , sich nach einer andern , bis dahin noch unberührten Richtung hinzuwenden . – Es war in der Frühe eines klaren , lieblichen Sommertages , als ich , meine beiden schwer beladenen Pferde am Zügel führend , langsam durch das verödete Mandanendorf wanderte . Meine Aufmerksamkeit bald den das Missourithal einfassenden Hügelketten , bald dem gelben , um gebleichte Treibholzklippen herumschäumenden Strome selbst zuwendend , gedachte ich des traurigen Geschickes , welches die Eingeborenen des amerikanischen Kontinentes , im Allgemeinen verfolgt . Auf den Sandbänken und den gestrandeten Treibholzstämmen saßen weiße und blaue Reiher ; den gekrümmten Hals eingezögen und den einen Fuß erhoben , nahmen sie sich aus , als ob auch sie über den Wechsel des Schicksals grübelten und über das harte Loos , welches die Mandanen betroffen , trauerten . Hin und wieder erblickte ich auch einen schillernden Königsfischer , der , ebenso regungslos , wie die Reiher , von einem über die Fluchen emporragenden Zweige aus nach seiner sich etwa der Oberfläche des Wassers nähernden Beute spähte . Auch Prairiewölfe bemerkte ich , die , gleich mir , stromaufwärts schlichen , und als ich mit den Augen der von ihnen inne gehaltenen Richtung folgte , gewahrte ich in der Ferne einen Schwärm Raben und Krähen , die unruhig über einem bestimmten Punkt umherflatterten , während hoch über ihnen gierige Aasgeier ihre regelmäßigen Kreise zogen oder sich auch träge senkten , um auf den zerstreut umherstehenden Bäumen zu rasten . Anfangs beachtete ich diesen Umstand kaum ; ich vermuthete daselbst eben nur die Ueberreste einen verunglückten Bisons , welche von den Wölfen den Vögeln streitig gemacht wurden . Erst als ich von einer Bodenanschwellung aus im Schatten einiger dicht belaubten Cottonwood-Bäume mehrere indianische Zelt entdeckte , wurde ich aufmerksamer , und nicht ohne Argwohn beobachtete ich die Thiere , die , ganz gegen ihre Gewohnheit sich in die unmittelbarste Nähe von menschlichen Wohnungen wagten . Bekannt mit allen Stämmen , welche jene Gegend nomadisirend durchstreiften , brauchte ich für meine Person kaum etwas zu fürchten , doch versäumte ich nicht , für unvorhergesehene Fälle mich vorzubereiten und meine Waffen zum schnellen Gebrauch zur Hand zu nehmen . Es hatte nämlich ganz den Anschein , als ob hier wieder einmal indianische Rache gewüthet habe und eine sorglos lagernde Jagdabtheilung von ihren tückischen Feinden hinterlistig überfallen und aufgerieben worden sei . Leben war noch in den Zelten , darüber belehrte mich das scheue Wesen der Vögel und Wölfe ; ob das Leben aber verborgenen Feinden , oder einzelnen noch mit dem Tode ringenden Opfern angehörte , hätte der erfahrenste Prairiejäger nicht zu errathen vermocht . Jedenfalls schwankte ich keinen Augenblick , mich an Ort und Stelle von dem Vorgefallenen zu überzeugen , und hegte ich auch nicht Lust , mich mit den etwa noch anwesenden Räubern in ernstlichen Zwist einzulassen , so wollte ich doch wenigstens versuchen , ob dem Einen oder dem Andern der von dem Unglück Heimgesuchten noch Hülfe geleistet werden könne . In weitem Bogen näherte ich mich den Zelten . Die Wölfe betrachteten mich Wohl mißtrauisch , allein in dem Glauben , daß ich vorüberziehe , wichen sie nicht