» Gelt , Bub , eine liebe Gegend ! « » Schau nur « , sagte Jul mit leisem Beben in der Stimme , » wie goldig schön da draußen das Traid steht ! « Dem Buben wurden die Augen feucht , weil er an die Ramsauer Felder dachte , auf denen der Hafer in diesem Jahr verfaulen mußte . » Schön steht alles , ja ! « Malimmes nickte ernst . » Aber nimmer lang . « Seine Augen spähten wie der Blick eines Falken , mit winzigen Pupillen . Über der Saalach drüben , von Piding gegen Aufham hin , war nichts Ungemütliches zu sehen . Das war der Weg , den Malimmes nehmen mußte . Aber - so leichtsinnig können doch die kriegstüchtigen Salzburger nicht sein , daß sie bei Marzoll sperren und bei Piding die Mausfall offen lassen ? Spürend wanderte sein Blick von Aufham gegen den Waginger See , dann über die Tittmoninger Wälder in den Dunst hinaus hinter dem es nach Raitenhaslach und Burghausen ging . Und wieder zurück - ein Blick , der in Erregung die Ferne trank . Nun zogen sich die Brauen des Spähenden hart zusammen . Zwischen Aufham und dem See von Waging kroch ein langer , grauer Tausendfüßler , von Staub umqualmt . Der Herzog ? Nein ! Das müßte der Seipelstorfer wissen . Also ein Feind ! Wer kann es mit Salzburg und Ingolstadt halten ? Und so flink bei der Saalacher Schüssel sein ? Nur einer . Der Kaspar Törring ! Der mit Herzog Ludwig im Ritterbunde verbrüdert war und sich mit Herzog Heinrich zerschlagen hatte wegen des bayerischen Oberstjägermeisteramtes . Kaspar Törring , bei dessen altem Geschlecht dieses Amt seit vier Jahrhunderten erblich war , begehrte als Oberstjägermeister der bayerischen Herzöge freies Jagdrecht , so weit die bayerischen Berge in den blauen Himmel wachsen . » Aber nicht , so weit meine Wälder grün sind ! « wehrte Herzog Heinrich und schimpfte über die in aller Welt berühmten Leithunde des Törringer Zwingers . Um Hund und Hirsch machen die Herren Krieg , bis die Bauern verbluten , die Häuser brennen und das Traid auf den Feldern verfaulen muß . Der Törring ? Einer mit fester Burg ! Ein Starker bei kleinem Spiel . Bei großem Wurf ein Schwacher für sich allein . So einer reitet nicht gern ohne Freund . Und in dem weiten Lande da drunten hat der Törring nur einen einzigen Bundeskameraden , den Bischof von Chiemsee . Die Augen des Malimmes suchten . Und jetzt fanden sie auch den zweiten graudampfenden Heerwurm . » Nit schlecht ! « In einer Stunde mußte der Törring an der Saalach stehen . Und dann gab ' s zwischen Piding und Marzoll keinen Ausweg mehr . Beim Chiemseer Haufen aber waren geistliche Herren . Die reiten nicht gleich dem Teufel die Ohren weg . Die machen ' s bequemer . Wenn der Kaspar Törring sich schon bei Piding einbeißt , wird ' s noch ein halbes Stündl dauern , bis die Chiemseer aus dem Aufhamer Waldbuckel herauskommen . Und da muß man zwischen durch ! » Komm , lieber Bub ! « Malimmes lachte wunderlich laut . » Jetzt machen wir noch ein lustiges Reiterstückl ! « Sehr flink ging ' s über den steilen Hang hinunter . Und als die beiden zu besseren Wegen kamen , ritt Malimmes in sausendem Trab voran . Immer wieder rief er ein paar lustige Worte über die Schulter zurück . Wo hinter Plaien der Weißbach sein Geschäume in die Saalach schüttete , fanden sie die sechs Speckbrocken . Von denen sah jeder aus , daß man nicht gerne bei Nachtzeit mit ihm allein durch einen Wald hätte reiten mögen . Sehr vergnügt waren sie , hatten die Gäule festgebunden und eine Bäuerin gefangen . Alle sechs waren um das schreiende Weibsbild herum . Da kam der Falbe dem Ingolstädter voraus . Mit brennendem Zorn in den Augen schrie der Bub : » Ihr Sau ! Lasset das Weib in Ruh ! « Die Spreckbrocken wollten aufmucken . Aber da sahen sie den Malimmes . Und Herr Seipelstorfer hatte ihnen geboten : » Der ist euer Fürmann ! Wer ihm Gehorsam weigert , hängt . « Nur ein kurzer Aufenthalt war nötig , bis die Reiter im Sattel saßen . Im Galopp davon . Durch das Wasser der Saalach . Die weißen Tropfengarben spritzten über die Gäule hinauf , Und drüben ging es durch weglosen Wald . Da mußte man mit dem Eisenhut voraustauchen , um die Äste zu brechen . » He , Fürmann « , fragte einer von den sechsen , » zum Teufel , wo geht ' s denn hin ? « » Zum Teufel « , wiederholte Malimmes , » merkst du ' s noch allweil nit ? Hinter Aufham draußen , da ist ein Wirt - der schenkt einen roten Wein - bei dem vergißt man die Not der Zeit . Flink , liebe Gnoten , flink ! « Jetzt gefiel den sechsen dieser unbequeme Ritt . Doch in den Augen des Buben war ein Vorwurf . Er hieh den Falben am » Da laß mich umkehren . So was mag ich nit . « » Geh , sei kein Spielverderber ! « Lachend faßte Malimmes den Falben am Zügel und riß ihn vorwärts . » Ein so fester , junger Reiter wie du , der muß sich ein lützel auch ans Saufen gewöhnen . « Als Jul erwidern wollte , sah er den Ernst in den Augen des Söldners . Erschrocken schwieg er . Und da beugte sich Malimmes zu ihm und tat , als müßte er am Zaumzeug des Falben was ordnen . Kaum hörbar tuschelte er : » Bub ? Hast du kein Vertrauen nimmer ? Zu mir ? « Und gleich wieder schwatzte er lustig über die Schulter gegen die sechse hin : » Aber gelt , das Maul heißt ' s halten ! Der Hauptmann hat mich heut nit zum roten