Wir unterhielten uns in der Sprache der Apatschen . Wir waren überzeugt , daß dort niemand sie verstehe . Ihr aber verstandet uns doch ? « Ich wollte antworten ; da aber ertönten von der Oberstadt her laute Rufe . Es ging durch die Zeltgassen eine Bewegung , die uns näher kam . Man eilte nach allen Seiten , um eine Botschaft zu verbreiten . Nicht mehr lange , so verstanden wir , was man sich sagte . » Tatellah-Satah kommt ! Tatellah-Satah kommt ! « rief man einander zu . » Ist es möglich ? « fragte Algongka . » Ist es wahr ? « erkundigte sich Athabaska . » Dann müßte ja der hier eingetroffen sein , auf den er wartete ! Wer ist das ? Wer hat ihn gesehen ? « Und da erschienen zwei Reiter oder vielmehr zwei Reiterinnen , die aus der Oberstadt im Galopp herabgeritten kamen . Sie überflogen mit ihren Blicken die Unterstadt , sahen den Menschenhaufen , den wir bildeten , und lenkten ihre Pferde auf uns zu . Es waren die beiden Aschta ' s , Mutter und Tochter . Bei uns angekommen , sprangen sie von ihren Pferden , eilten , ohne eine andere Person anzusehen , auf uns zu und begrüßten uns mit rührender , mir beinahe unverständlicher Freude . Aber das Verständnis kam mir sofort , als die Mutter ihrem Gruße die Worte hinzufügte : » Nun sind wir erlöst ; nun sind wir erlöst ! Und zwar durch Euch , Mr. Burton ! « » Erlöst ? Durch mich ? « fragte ich . » Ja , durch Euch ! Denn nun ist das Warten zu Ende , und Tatellah-Satah wird mit Taten begannen , mit Taten ! Der junge Adler kam hier an und ritt sofort zu ihm hinauf , um Euch zu melden . Vom Wachtturm aus wurde ausgeschaut und , als ihr kamet , das Zeichen herabgegeben . Nun verläßt der größte Medizinmann aller roten Völker zum erstenmal seit langer Zeit sein hohes Felsenschloß , um Euch entgegen zu kommen . Wir sind so froh , so froh ! « Sie drückte mir wieder und wieder die Hand und küßte dann das Herzle . Dann bekam auch unser alter , braver Pappermann den ihm gebührenden Teil des herzlichen Willkomms . So sehr Athabaska und Algongka ihre Gesichtszüge in der Gewalt hatten , jetzt konnten sie doch ihr Erstaunen nicht verbergen ; aber sie fanden keine Zeit , es in Worten auszudrücken , denn es nahte sich von der Oberstadt her ein Reiterzug , der unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm . Voran ritt der » junge Adler « . Dann folgte in zwei Abteilungen die Leibgarde des Medizinmannes , auf kohlschwarzen Rossen , deren Schabracken aus den Fellen von Silberlöwen bestanden . Die Reiter waren auserlesene junge Leute , alle genau so gekleidet wie einst Winnetou sich zu kleiden pflegte , nicht mit Lanzen und Flinten bewaffnet , sondern nur mit Messer und Revolver im Gürtel und den Lasso in Schlingen von der Schulter zur Hüfte herab . Ein jeder trug das Zeichen des Winnetou auf der Brust . Als sie in unsere Nähe gelangten , lenkte der » junge Adler « zu uns herüber , deutete auf unsere Gruppe und hielt dann an . Auch alle anderen hielten . Ihre Reihen lösten sich , und aus ihrer Mitte ritt der Gebieter hervor , langsam auf uns zu , fast bis zu uns heran , parierte da sein Tier und überflog uns mit prüfendem Blicke . Er wurde von einem herrlichen , schneeweißen Maultiere getragen , dessen Mähne in langgeflochtenen Zöpfen fast bis zur Erde niederhing . Die Schabracke bestand aus jenem unvergleichlichen altindianischen Federgeflecht , von dem jeder Quadratdezimeter ein ganzes Vermögen kostet . Die Bügel waren von purem Golde , inkaperuanisch ziseliert . Ein Mantel hüllte ihn ein , so daß man den Anzug , den er darunter trug , nicht sah . Dieser Mantel war von blauer Farbe , aber von einem Blau , wie ich noch niemals eines gesehen habe , und wahrscheinlich auch keines wiedersehen werde . Der Stoff war außerordentlich fein , wie allerfeinste , indische Seide , aber dennoch keine Seide , sondern von jenem längst verschwundenen sagenhaften Gewebe , von dem man erzählt , daß nur die Frauen der alten , südamerikanischen Herrscher es herzustellen verstanden . Sein Kopf war unbedeckt , und dennoch aber wohlbedeckt , und zwar von einem außerordentlich reichen , starken , silberglänzenden Haar , welches zu beiden Seiten in langen Zöpfen bis auf die Steigbügel niederfiel . » Marah Durimeh ! « flüsterte das Herzle mir zu . Sie hatte recht . Genau so trug auch meine alte , herrliche , meinen Lesern wohlbekannte Marah Durimeh ihr Haar . Auch seine Gesichtszüge waren den ihren derart ähnlich , daß es mich beinahe erstaunte . Vor allem die Augen , diese großen , weit offenen , unerforschlichen , selbst aber alles erforschenden Augen , in denen der Ausdruck einer unerbittlichen Strenge und doch auch wieder einer heiligen Güte lag , die alles verstehen und alles verzeihen konnte . Und als er zu sprechen begann , erschrak ich fast . Es überlief mich kalt . Seine Stimme war unbedingt die Marah Durimehs , so voll , so tief , so wirkungsstark , ein klein wenig männlicher gefärbt , aber doch genau dieselbe ! » Wer von euch ist Old Shatterhand ? « fragte er , indem sein Blick uns prüfte . Bei seinem Erscheinen war jedermann verstummt , so tief wirkte seine geheimnisvolle , unwiderstehliche Persönlichkeit . Als er aber diesen Namen nannte , flüsterte es rund um mich her : » Old Shatterhand ? Old Shatterhand ? Ist doch nicht hier ! Kann unmöglich hier sein ! Oder doch , oder doch ? « » Ich bin es , « antwortete ich , indem ich hervortrat und langsam auf ihn zuschritt . Eine Sekunde lang war es , als ob sein Blick