fließen ; Dann wird die Erde Christi Kirche sein Und wieder eins von Gottes Paradiesen ! « Er schaute uns der Reihe nach an , um zu sehen , welchen Eindruck die Vorlesung auf seine Zuhörer gemacht habe . Dann fuhr er fort : » Mir kommt es vor , als habe ich den Dichter jetzt entdeckt , oder vielmehr die Dichterin , nämlich unsere Shen , die Menschlichkeit , welcher der Friede auf Erden höher steht als jedes andere , vergängliche Interesse . Aber der Verfasser ist jedenfalls ein Deutscher , welcher von dem Vorhandensein der Shen nicht die geringste Ahnung hat . Oder doch ? Gibt es auch für ihn eine Shen ? Eine unsichtbare , überirdische , in deren Geist die unserige , die irdische hier waltet ? « Indem er das Blatt jetzt wieder zusammenfaltete , schien es , als ob sein Gesicht ein ganz anderes geworden sei . Es gibt seelische Feinheiten , zu deren Bezeichnung oder Beschreibung selbst das zarteste Wort noch zu plump sein würde . Mir fehlt der Ausdruck für das , was aus dem Gesichte dieses jungen Chinesen jetzt zu uns sprach . Es war eine Klarheit , eine Innigkeit , ein Enthusiasmus , eine Glückessehnsucht und zugleich schon Glückesahnung , es war - - - wahrscheinlich doch er selbst , sein ganzes Wesen , sein Fühlen und sein Denken , aber verklärt , verschönt und vergeistigt durch etwas Anderes , was nicht zu ihm gehörte , sondern von außen her zu ihm gekommen war . » Ich bin so froh , « sagte er weiter , » so herzlich froh über das , was ich Ihnen da vorgelesen habe . Wären doch wir es nicht allein , wir wenigen Personen , die es kennen lernen ! Könnte es doch von jedem Munde zu jedem Ohre klingen ! Möchte es doch nicht nur allein gehört , sondern auch verstanden und beachtet werden ! « Da antwortete John , indem ein halb verstecktes Lächeln um seinen Mund spielte : » Das ist freilich zu wünschen , und ich denke auch , daß wir nicht die Einzigen sein werden , die es kennen lernen . Es hat schon Mancher weit schlechtere Gedichte gemacht , als dieses ist , und dann sofort den Drucker aufgesucht , um sich in einer Auflage von Zweihundert zu verewigen . Es soll auch Dichter gegeben haben , welche diese Auflage nicht selbst zu bezahlen brauchten , sondern sogar noch Honorar dafür bekamen . Um so weniger brauchen wir uns in Beziehung auf den Mann zu sorgen , um den es sich hier in diesem Falle handelt . Wer seine Gedichte auf so ganz ungewöhnlich schwierigen Wegen in Aegypten , Indien und sogar hier auf den Sundainseln an den richtigen Mann zu bringen weiß , der findet wohl auch anderwärts die gewünschte Zahl von Lesern , wenn er will . Wie es scheint , dichtet er nicht , um seinen kleinen , irdischen Namen bekannt zu machen oder gar zu verewigen , sondern um Gedanken zu verbreiten , die er aus den geistigen Strömungen der Gegenwart herausgreift . Was er sagt , hat er also nicht etwa sich selbst zu verdanken ; aber wie und wem er es sagt , das ist von ihm erdacht . Habe ich da Recht , lieber Charley ? « » Gewiß ! Vollständig recht ! « antwortete ich . » Wer da glaubt , der Dichter sei eine kompakte , imporöse Persönlichkeit , die von nichts Fremdem berührt und durchdrungen werden dürfe , der hat vielleicht einmal gereimt , aber sicher nie gedichtet . Selbst der edelste der Steine , der Diamant , strahlt nicht in seinem eigenen , sondern in geliehenem Lichte , und wer eine Biographie über irgend einen berühmten Dichter schreibt , sollte vor allen Dingen nach den jeweiligen Quellen der Ausstrahlungen dieses Edelsteines suchen und weder den Geburts- oder Fundort und die Fabrik , in welcher er geschliffen wurde , in der Weise betonen , wie es fast stets geschieht . Es stammt gar manche Geistesgröße aus so geistig winzig kleinen Verhältnissen , und es hat so mancher hochberühmte Mann auf Gymnasium und Universität so wenig geleistet , daß man die Wege , auf denen der Genius zu ihm kam und ihn an jedem Tage von neuem besucht , doch endlich einmal nicht mehr in sein Heimatsdörfchen oder in die später durchlaufenen Semester verlegen sollte ! Darum wird jeder wahre Dichter viel mehr nach oben als nach unten dankbar sein . Er weiß recht wohl , daß er durch die äußeren Verhältnisse zwar Harfe mit so und so viel Saiten geworden ist , daß es aber wohl keine Harfe gibt , die sich selbst zu spielen vermag . « Da sah Tsi , der Chinese , mich ganz eigentümlich an . » Harfe ! « sagte er . » Dann kommt der Genius , der jede Zeit hoch überragt , mit seinen tausend Engeln und läßt bald hier , bald dort , bald diese und bald jene Saite rühren . Darum kann das geheimnisvolle Gedicht , von dem wir sprachen , und dessen Quell in Deutschland zu liegen scheint , fast ganz genau dieselben Gedanken haben und desselben Sinnes sein wie das , was der Oberpriester der Malaien schrieb ! Wären es doch überall nur solche Engelshände und leider nicht auch andere ! - - Doch , ich muß mich verabschieden . Ich habe heut zu wachen , bis morgen früh , bei Waller . « » Ist das unbedingt nötig ? « fragte ich . » Jetzt noch , ja . Wir wechseln ab , Miß Mary und ich . « » Darf Keiner von uns sich beteiligen ? Es würde mir nichts , wirklich gar nichts tun , einmal eine Nacht nicht zu schlafen . Bitte , lassen Sie mich heut Ihre Stelle einnehmen ! « Mein Wunsch schien ihm nicht ganz unwillkommen zu sein , doch entschied er erst nach einigem Zögern : » Ich nehme