saß , und zeigte mir die magische Gewalt der alten Mauern , der man kaum widerstehen kann , wenn sie in seinem Glanze wie erzittern . Ich mußte mich erheben und mit ihm hier herüber . Wie kam es doch , daß er mich grad bis dort zur Ecke führte , wo der Gedanke auf mich wartete , mich in den tiefen Schatten hinzusetzen ? Der Abend war so schön . Er wartete auf seine Mitternacht . Und als sie kam , floß silbern ihr Gewand , und auf dem Haupte trug sie alle Sterne . Doch hinter ihr kroch leise es heran , verstohlen , heimlich , jeden Laut vermeidend , fast so , wie ich mir ein Gewissen denke , das sich durchs Leben nur noch schleichen kann . Es waren Menschen . Sie kamen nicht zusammen , sondern einzeln . Dort von dem breiten Pfad nach hier herüber und huschten alle nach der engen Tür , in welcher sie verschwanden . Der Letzte kam nach einer längern Pause . Sein Angesicht war schwarz ; wovon , das konnte ich nicht sehen , weil ich so fern von seinem Wege saß . Er war sodann der Erste , der , wie mir schien , nach einer halben Stunde den Bau verließ und nach den Brüchen ging . Nach wieder einer Pause erblickte ich den Nächsten , der ihm folgte . Sie kamen allesamt zurück , doch ebenso vereinzelt wie vorher . Ich hatte sie gezählt und schlich dem Letzten nach . Er stieg nicht ganz hinunter . Er wandte sich zur Seite , um den Duar herum , als ob er ihn vermeiden müsse und doch hinüberwolle nach dem See . Das lenkte meinen Blick hinaus ans Wasser . Ich habe scharfe Augen , und günstig war mir meines Freundes Licht . Ich sah , daß Reiter sich von dort entfernten , genau so einzeln wie die Fremden hier . « » Hat sich diese Beobachtung später wiederholt ? « fragte ich . » Nein . Ich sah es nur einmal . « » Wieviel Personen waren es ? « » Sechs , mit dem Letzten . « » Kannst du dich vielleicht auf den Tag besinnen ? « » Sehr genau . So Etwas merkt man sich . Am nächsten Montag werden es vier Wochen . « » Sprachst du mit irgend Jemand schon davon ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Ich schwieg , weil das mit meinem Zweck zusammenhängt , doch dachte ich sehr oft darüber nach . Ich wollte an demselben Mondestag mich wieder dorthin an die Ecke setzen , um zu erfahren , ob sie kommen würden . « » Schakara ! « rief ich da aus . » Was , Effendi ? Worüber bist du so überrascht ? « » Daß du so deutlich ahnst ! Daß das in dir so klar am Tage liegt , was ich aus der Verborgenheit mit aller Mühe zerre ! Du sollst die Seele sein und bist sie wirklich ! Dschanneh , Dschanneh , die sicherer empfindet und überzeugender das Ferne schaut , als es dem Geist , dem stolzen , möglich ist ! « » Dschanneh ? « fragte sie . » Hast du dieses Wort von Marah Durimeh gehört ? Es ist mein Kosename . So nannte sie mich stets , wenn sie mich zärtlich , lobend an sich zog und mir das Haar mit Mutterlippen küßte . « » Wirklich ? Wirklich ? Kosename ? Mein Kind , wenn Marah Durimeh in solchem Augenblick dir einen Namen gibt , so liegt in diesem Kosen tiefste Wahrheit . Man ruft dich Schakara , damit du dankbar seist . Wofür ? Nicht nur Dschanneh zu heißen , es wirklich auch zu sein ! « » Ich verstehe dich nicht , Effendi , und doch fühle ich , daß du nichts Falsches sagst . Ich sprach von meiner Wiederkehr nach jener Ecke dort . Ich wollte gern erfahren , ob sich in dieser Mäjmä-i-Yähud59 vielleicht ein - - - « » Mäjmä-i-Yähud ? « unterbrach ich sie schnell . » Sonderbar , höchst sonderbar ! Wie kommst du auf diesen Namen für grad diese Etage ? « » Ich weiß es nicht . Ich halte sie dafür . Das kommt mir so empor und auf die Zunge ! « » Ja , ich verstehe . So muß es sein ! Du ahnst und darfst nicht ahnen ! Dschanneh , Dschanneh , das unbewußte Wissen ! Wir gehn gleich jetzt nach dieser deiner Ecke und setzen uns dort nieder . Ich habe zu erzählen . Du wirst sie kommen sehen , am hellen Tageslicht , die Schatten alle und zuletzt die Männer , die du des Nachts damals gesehen hast . « Wir gingen hin . Es gab jetzt nicht Mondes- sondern Sonnenschatten dort . Ein großer , niedriger Stein lag da ; der diente uns als Bank . Ich begann meinen Bericht da , wo ich am Tigris die Sillan belauscht und zum ersten Male das Wort Mäjmä-i-Yähud gehört hatte , und berichtete ihr Alles , was dann geschehen war und bestimmt zu sein schien , grad mich , den Fremden , den eigentlich ganz Unbeteiligten , als den gefährlichsten Feind der Schatten heranzuziehen . Sie hörte still zu , ohne Unterbrechung , wie das so ihre liebe , verständige Weise war . Als ich geendet hatte , holte sie tief Atem und sagte : » Effendi , liegt nicht in dem Allen ein fester , zielbewußter und sicher vorwärtsschreitender Wille ? Kein Fatum , kein Kismet , sondern eine Führung , eine Oberleitung , welche zwar dich erkoren hat , ihre Absichten auszuführen , aber dir doch jeden möglichen Spielraum für deine eigenen Gefühle , Gedanken und Entschlüsse läßt ? Wer hat dies angeordnet , und wer sind all die Guten , Mächtigen , die dich in jeder Not beschützen und stetig dafür sorgen , daß deine Augen immer weiter