, daß er sich kaum noch gewehrt haben würde , wenn ihm die andere junge Dame das Stinktier zur sorgsamen Verpflegung in die Arme gelegt hätte . Daß das Wetter nicht ganz so ungemütlich war wie die Reisegesellschaft , kam unter diesen Umständen kaum in Betracht . Mit den Händen auf den Knien saß Hans , ohne sich zu rühren , und der Zug klapperte durch den Tag mit solcher Hast , als ob ihm selber daran gelegen sei , die Fahrt zu Ende zu bringen und seiner jetzigen Last ledig zu werden . Der afrikanische Löwe brüllte in seinem Behälter , der asiatische Leopard heulte , und der deutsche Kandidat der Gottesgelahrtheit dankte seinem Schöpfer , als er endlich am Abend um sechs Uhr die Station erreichte , von der aus man auf der Post weiter nach Neustadt fuhr . Aber die Post ging erst am folgenden Morgen ab , und Hans Unwirrsch war gezwungen , einen unruhigen Schlaf in einem zu kurzen Wirtshausbett zu schlafen . Er erwachte früh und wußte kaum noch etwas von der gestrigen Fahrt und Reisegesellschaft ; das Gefühl der Nähe der Heimat hatte sich ganz und gar seines Wesens bemächtigt , und der Gedanke , daß er in einigen Stunden den heiligen Boden , auf welchem er jung und glücklich gewesen war , in welchem seine Eltern schliefen , nach so manchem unruhvollen Jahre wieder betreten solle , verscheuchte alles andere . Am Fenster seines Zimmers stand Hans , sah auf den Marktplatz des kleinen Städtchens hinaus und erwartete den Tag mit melancholischem Frohlocken . Gestern während der Fahrt hatte er wohl Zeit gehabt , der alten Freundin seiner Jugend , der alten , guten Base Schlotterbeck , in Angst und Schmerz zu gedenken , und darin wenigstens hatte ihn der Lärm umher nicht gestört ; - nun dachte er an diesem Morgen zwar immer noch an die Base , aber in anderer Weise als gestern . Er hatte keine Sorge und Angst mehr um sie ; die Gestalt der treuen Hüterin stand so klar und ruhig vor seinem Geiste , daß er fest Überzeugt war , die Base sei gar nicht so krank oder sei doch nicht mehr so krank , als wie der Oheim schrieb . Er fühlte sein Herz ganz frei und leicht , und dem Briefe des biedern Oheims Niklas traute er nicht recht mehr : die Base Schlotterbeck konnte nicht mehr so krank sein , wie es der Oheim kläglich ausmalte . Zu Fuß hätte der Kandidat auswandern mögen , der Heimat entgegen , aber er bezwang sich in Anbetracht der aufgeweichten Wege und setzte sich auf die Post . In jedem einsteigenden Mitpassagier glaubte er einen Bekannten aus alter Zeit zu entdecken , und es berührte ihn fast schmerzlich , daß es zuletzt doch nur fremde Gesichter waren , die ihn umgaben . Unter dem letzten Schlagbaum vor seiner Vaterstadt bezwang er sich nicht mehr , sondern stieg aus und überließ seinen Platz jedem beliebigen blinden Passagier , den der Schwager an seiner Stelle aufnehmen wollte . Zu Fuß schritt er weiter , und auf die aufgeweichte Landstraße schien die Sonne so schön , wie man es zu dieser Jahreszeit von ihr verlangen konnte . Wie das Bekannte am Wege sich nun bei jedem Schritt vorwärts mehrte , wie die Türme des guten Städtchens auftauchten , wie der Kandidat Hans Unwirrsch stillstand auf der letzten Höhe und seiner Erregung kaum Herr werden konnte , kann wohl jeder sich vorstellen und nachempfinden . Da war die Mauer des Kirchhofs , an welcher der Weg vorüberführte . Über die Mauer heraus sahen die schwarzen Kreuze , die Knöpfe der Trauerurnen und die kahlen Zweige der Bäume und Büsche . Über die Mauer hinein sah der heimkehrende Hans . Eine frisch gegrabene Grube erblickte er ziemlich dicht vor sich , die Gräber seiner Eltern waren jedoch durch eine Erhöhung des Bodens seinen Augen entzogen . Die Tür des Gottesackers war verschlossen , und der Wanderer zog fürder , nachdem er das Haupt gegen den Ort geneigt hatte , wo sein Vater und seine Mutter , die kleine Sophie , der Armenschullehrer Silberlöffel und so viele , viele andere schliefen . Er gedachte des Hungers seines Vaters und des Hungers des Armenlehrers , und dann kam ihm der Gedanke , für wen wohl dieses neue Grab bestimmt sein möge . Es machte ihm Sorge , dieses neue Grab ! Er hätte grade jetzt niemanden aus der Stadt Neustadt missen mögen . Es war so traurig , daß jemand begraben werden sollte , den er vielleicht gekannt hatte - begraben in dem Augenblick seiner Heimkehr . Er schritt schneller weiter in diesen Gedanken , und der alte Torbogen , unter dem einst der Oheim Grünebaum stand und ihm und dem Moses Freudenstein nachsah , als sie zur Universität zogen , warf seinen Schatten auf ihn . Er dachte an Moses Freudenstein , solange der Schatten über ihm lag , dann trat er in die sonnenhelle Gasse , und die Glocke auf dem Valentinsturm schlug drei Uhr ; der Klang duldete es nicht , daß er augenblicklich noch länger an jenen Mann dachte , der sich jetzt Theophile Stein nannte . Nun sah er mancherlei Leute , die er wohl kannte , aber niemand erkannte ihn . Es hatte sich wenig in Neustadt verändert . Nur ein Haus am Markt war abgebrannt , und an dessen Stelle war ein neues gebaut , sonst erschien alles , als ob es unter einer Glasglocke aufbewahrt worden sei . Daß die Menschen sich mehr verändert hatten als die Gebäude , erschien fast als ein Wunder . Jetzt zog es ihn so sehr nach seinem Hause in der Kröppelstraße , daß er nicht aufblickte , aus Furcht , nun von jemand erkannt und festgehalten zu werden . Schnell schritt er dicht an den Häusern hin , bis er um die letzte Straßenecke bog , die das niedere Dach , unter welchem er geboren war , seinen Blicken