Dich zu besitzen , ist allmächtig in mir ; ich habe ihn so lange genährt , daß mein ganzes Wesen ihm zugeströmt ist , sich in ihm concentrirt hat . Ohne Dich bin ich nichts : mit Dir wage ich es gegen eine Welt in Waffen . Ich weiß es wohl , daß man das Gute um des Guten willen thun muß , und daß , wer einen Lohn begehrt , seinen Lohn dahin hat ; aber ich bin kein Heiliger , ich bin ein Mensch mit menschlichen Schwächen und Leidenschaften , die ihm , wie ein wildes Meer , über dem Kopf zusammenschlagen , wenn nicht die liebe , geliebte Hand rettend seine ausgestreckte Hand ergreift . Melitta , sag ' , daß Du die Meine sein willst , und meine Thaten sollen nicht geringer sein , als meine Worte . Oldenburg war auf demselben Platze , in derselben Stellung stehen geblieben . Wie in seiner Haltung , so lag in dem Ton seiner Stimme mehr Trotz als Bitte . Melitta fühlte das wohl ; aber sein Stolz beleidigte sie diesmal nicht , wie es doch schon so oft der Fall gewesen war . Sie antwortete in einem beinahe demüthigen Tone : Laß uns nicht übereilt handeln , Adalbert ! Wie lieb Du mir bist , das weißt Du und das muß Dir vorläufig genug sein . Sieh ' , Adalbert , dieser Brief kommt gerade recht , uns an unsere Pflichten zu erinnern . Du mußt Dein Kind wieder haben ; ich würde keine Stunde meines Lebens wieder froh werden , müßte ich wirklich fürchten : die Liebe zu mir hätte in Deinem edlen Herzen das heiligste Gefühl erstickt . Und Adalbert , bedenke auch dies ! Ich glaube es gern : Du liebst das arme Weib nicht mehr , das einst die Leidenschaft des Jünglings entflammt hat ; aber sie ist die Mutter Deines Kindes ! Was willst Du zu Deiner Czika sagen , wenn sie Dich dereinst fragt , warum denn eine Andere , als das arme Weib , welches sie Mutter nennt , die Gattin ihres Vaters ist ? Wo hast Du Oswald Stein , seitdem Du ihn in Fichtenau gesprochen , zum letzten Mal getroffen ? Oldenburg sprach diese wenigen Worte langsam und mit schneidender Schärfe . Melitta wurde dunkelroth . Wer sagt Dir , daß ich ihn überhaupt in Fichtenau gesehen habe ? Ich dachte es mir nur . Vielleicht , daß Du mir diese Begegnung verschwiegen hast , wie jene andere . Und wenn ich ihn nun in Fichtenau gesehen hätte ? So wäre das gerade , was ich erwartet habe . Und wenn ich ihn nun seitdem wieder gesehen hätte ? So beweise mir das , daß mein Hierherkommen für mich ebenso unschicklich , wie für Dich unbequem ist . Oldenburg ging quer durch das Zimmer und nahm von dem Tischchen vor dem Spiegel Reitpeitsche und Handschuhe . Als er wieder vor Melitta vorüberkam , blieb er stehen und sagte : Gute Nacht , Melitta . - Gute Nacht , erwiderte die junge Frau , ohne die Augen aufzuschlagen . Er wartete einen Augenblick und noch einen , ob sie ihn ansehen , ob sie nicht noch ein Wort sagen werde , aber er wartete vergeblich . Kein Wort , kein Seufzer entrang sich seiner gepreßten Brust ; er ging nach der Thür , öffnete sie leise und schloß sie eben so geräuschlos wieder . Melitta fuhr in die Höhe . Sie eilte nach der Thür ; aber , anstatt dieselbe zu öffnen , lehnte sie sich nur mit hocherhobenen Armen daran und brach in leidenschaftliches Weinen aus . Ich wußte es ja , daß es so kommen würde , murmelte sie . Armer , armer Adalbert ! Plötzlich ertönte Hufschlag dicht vor dem Fenster . Sie eilte von der Thür nach dem Fenster und riß es auf , lehnte sich weit hinaus und rief : Adalbert , Adalbert ! aber der Sturm , der ihr die eisigen Schneeflocken in ' s Gesicht schlug , verwehte ihre Stimme und der schwarze Schatten von Roß und Reiter , der noch eben über die weiße Fläche durch die graue Nacht lautlos dahinglitt , war im nächsten Augenblick schon verschwunden . Dreißigstes Capitel Der Winter war während der Nacht über die Insel gebraust , und noch immer wirbelte der Schneestaub , den er bei seiner eiligen Fahrt vom Nordland her aufstöberte , dicht herab auf Dächer und Bäume , auf Wiesen und Felder . Oldenburg schien sich heute an diesem melancholischen Schauspiel nicht satt sehen zu können . Er stand am Fenster seiner Arbeitsstube auf der Solitüde und schaute unverwandt in die schneeerfüllte Luft . Er hatte den Tag über viele Stunden so gestanden und kaum einmal seinen Hermann beachtet , der mit sorgenvoller Miene ab- und zuging , und mehrere große Koffer , die in dem Zimmer offen standen , voll Kleider , Wäsche und Bücher packte . Auch des treuen Dieners treue Gattin Thusnelde , die behäbige dicke Haushälterin , hatte sich wiederholt in dem Zimmer zu schaffen gemacht und einmal sogar gewagt , dem Herrn zu sagen , daß das Essen fertig sei , darauf aber keine Antwort erhalten , als : es ist gut , Alte ! Seitdem waren schon wieder mehrere Stunden verflossen . Der Baron hatte gleich nach Tische wegfahren wollen ; aber er hatte noch immer nicht Befehl zum Anspannen gegeben . Daß sich das Wetter aufklären würde , hoffte er wohl schwerlich , denn die Vorratshäuser des Schnee ' s schienen unerschöpflich und überdies wäre es das erste Mal gewesen , daß er sich von der Ausführung eines Entschlusses durch schlechtes Wetter hätte abhalten lassen ; auch war , wenn er noch vor Abend die Fähre erreichen wollte , Mittag die späteste Zeit der Abreise gewesen . Er hatte im Laufe des Tages wiederholt gefragt : Ist Niemand dagewesen ? und dann jedesmal , wenn der alte Hermann , wie er wohl nicht anders konnte :