fürchterlicher . Die Tochter des himmlischen Reiches zog sich wieder zurück , wie es schien , von innen gerufen , und statt ihrer trat endlich , endlich Konrad von Faber auf die Schwelle und winkte . Vorüber war der Kampf , unter welchem Robert Wolf gelitten hatte , zerstoben war der Geistertanz ; mit einem Sprunge war der Sohn des Winzelwaldes an der Seite des Reisenden - er stand in dem verdunkelten , engen , heißen Raum der Blockhütte , und von einem niedrigen Lager richtete sich bleich , hager , mit fieberglühenden Augen Eva Wolf aus Poppenhagen auf und breitete mit einem klagenden Ruf der Arme aus . So kamen Robert und Eva seit dem Tage , an welchem der Polizeileutnant Kirre sie in dem Hause des Kunstfreundes und Regenschirmfabrikanten Schwebemeier in der Lilienstraße trennte und den Baron von Poppen aus der Gefahr der Erdrosselung errettete , zum erstenmal wieder zusammen . So kurze Zeit und so großer Wechsel - neben dem Krankenbett Evas kniete Robert , und die Frau des Bruders schlang ihre Arme um seinen Hals und vermischte ihr Schluchzen mit allerlei abgebrochenen Liebkosungen und Ausrufen . Ein stummer , tiefbewegter Mann stand der Reisende Konrad von Faber , der soviel gesehen hatte von der Welt und in der Welt , neben den beiden , und die chinesische Frau starrte verwundert an seiner Seite auf ihre Herrin und den fremden jungen Mann . Nicht mehr die schöne , wohl aber noch die stolze , tapfere Eva hielt Robert umfangen . Jetzt brauchte sie sich nicht mehr seiner Umarmung zu entziehen . Fest hielt sie ihn an ihr Herz gedrückt und küßte ihm Mund und Stirn . » Da bist du , da bist du ! « rief sie . » So - hier müssen wir uns wiederfinden . Du guter , lieber Bruder , wie danke ich dir , daß du gekommen bist ! Ich fühle mich jetzt viel wohler , viel besser als damals , in jenen bösen Stunden , da ich dich rief . O solch einen weiten Weg bist du meinetwegen gekommen ! Vielleicht hat dich mein Schrei um Hülfe aus dem Schoß des Glückes emporgerissen und fortgetrieben . Bruder , lieber Bruder , ich hätte dich nicht gerufen , wenn mein armer Kopf damals so klar gewesen wäre , wie er jetzt ist . Aber sieh - ich - werde dich nicht lange auf dem Wege aufhalten ; Segen über dich ; bald , bald sollst du wieder gehen dürfen ! « » Dein Ruf hat mich in keinem Glück gestört . Vielleicht hätte ich mich , auch ohne daß du nach mir verlangtest , zu dir geflüchtet . Vielleicht bedarf ich deiner mehr , als du mich nötig hast , du Liebe , Starke . Wir haben uns soviel mitzuteilen ; von deinem Lager weiche ich nicht , bis du ganz genesen bist , und dann - dann gehen wir über das Meer zurück und suchen die Heimat wieder auf , die rechte wahre Heimat , den Winzelwald und das stillste , vergessenste Tal darin . « Die Kranke schüttelte den Kopf : » Und Friedrich ? ... Nein , Bruder , meine Heimat , meine wahre Heimat ist hier auf dieser fremden Scholle , ist hier neben dem Grabe unter jener Fichte . « Sie blickte durch das schmale Fenster neben ihrem Lager nach der Baumgruppe , unter welcher vorhin Robert Wolf stand . » Ich sah dich stehen , Bruder « , fuhr Eva fort , » dort an Friedrichs Seite . Du warst ihm so ähnlich . Nun bist du hier , ich halte deine liebe Hand ; dort draußen steht noch der Tote und winkt . Sie haben seinen Leib begraben unter den hohen Bäumen ; aber seine Seele konnten sie nicht begraben . Seine Seele irrt um jenen Fleck und wartet auf mich , bis ich komme . Und ich komme bald , ich weiß es ; der Tote hat keine Ruhe , und ich auch nicht . Wir gehören nun einmal zueinander - dort , dort , neben den Fichten , Robert , lege meinen Leib hin , daß meine Seele mit der deines Bruders fortgehen kann aus diesem traurigen Tal , wo man so arg friert und doch von giftigen Flammen verzehrt wird . « » Schwester ! Schwester ! « Die Kranke schwieg einige Minuten ; dann fuhr sie mit der Hand über die Stirn , dann legte sie dieselbe Hand auf Roberts Schulter und lächelte trübe : » Erschrick nicht , armer Bruder , wenn ich manchmal etwas toll durcheinanderspreche ; ich bin nicht allein in meinem Gehirn , das Fieber sitzt mit darin , und das ist ein böser , eigenwilliger Gast . Sieh , Robert , ich sterbe doch als ein glückliches Weib ; denn ich habe Fritz zu einem glücklichen Mann gemacht , solange er lebte . Und in seinem brechenden Auge habe ich noch seine Liebe gelesen , und die war so stark , daß dieser letzte Blick mich ihm nachzieht - hinaus über jenen Hügel unter den Fichten . Laß meine Hand los , Robert Wolf , soll ich deines Bruders Leib hier in der Wildnis unter den fremden , wüsten Gesichtern allein lassen ? Laß meine Hand , Robert ! Sei ruhig , Fritz , ich komme schon - ich bin da ; Samana ist schon gesattelt . Zieh den Gurt fester an , Scipio , daß es nicht wieder geht wie vor Santa Fé , wo der Herr durch deine Schuld so sehr über mich lachte . Wie die Prärie im grünen Glanz wogt ! Ready , Fred - vorwärts , meine Herren ! Komm , Fritz , du mußt neben mir reiten - Galopp ! Ah wie schön , so wild in die untergehende Sonne hineinzujagen ! « Immer tiefer verlor sich die Kranke jetzt in ihre Phantasien . Sie glaubte , an der Seite des geliebten Mannes über die großen Wiesen gegen die Felsengebirge