« sagte Scheurl , sich wichtig und geschäftig zeigend . » Zum Glück , « sagte Martin , » habe ich eine Abschrift des Verzeichnisses zur Vergleichung , die mögt Ihr einreichen . Ich klage wider Friedensbruch , auf Straßenraub und Ueberfall , auf Todtschlag des Geleites für friedliche Handelsleute . - Bis Augsburg war ich bei den Gütern geblieben , weil ich aber unterwegs in Eichstädt einen alten Freund aufsuchen wollte , trennte ich mich von ihnen , allein schneller reisend , und blieb dort zwei Tage , wonach ich berechnete , daß ich wohl ziemlich zugleich mit den Gütern ankommen werde , denn um Euch zu überraschen , wünschte ich nicht , daß sie mir zuvorkommen . « » Nun kommt und laßt uns gleich alle drei auf dem Rathhause die nöthigen Schritte thun , « sagte Georg . » Gehab ' Dich indessen wohl , Elisabeth , « sagte Martin ; ich bin Dein Gast , wenn ich zurückkehre . Du siehst , ich habe nicht die Schuld , wenn ich Dir nicht einige Affen und indianische Raben zur Gesellschaft lassen kann , damit sie Dir von ihrer mährchenhaften Heimath erzählten . « » Ich erwarte Euch wieder zum Nachtmahl , « antwortete sie ; und wen Du etwa von alten Freunden wiederfindest , den bringe mit , oder nenne mir ihn , damit ich nach ihm sende . « » Wir können ja auch unter uns bleiben , « versetzte Martin ; » Du hast mir ja selbst noch gar nichts erzählt ! « Damit gingen sie , und Elisabeth seufzte bei den letzten Worten ; was sie am meisten bewegte , mochte sie doch nicht erzählen ! - Als sie allein war , ließ sie sich von dem Boten die Ritter , die den Ueberfall gemacht und ihn erst gesprochen , genau beschreiben . Sie konnte nicht zweifeln , daß der eine Eberhard von Streitberg war . Er hatte auch die Bemerkung mit dem Affen gemacht . Zweites Capitel Warnende Stimmen Ulrich von Straßburg war in ' s Clara-Gäßchen gezogen , das sich in der Nähe des Clara-Klosters befand und auf der Lorenzer Seite auch nur durch eine Straße von der Lorenzkirche , der Propstei und der Bauhütte von St. Lorenz getrennt war . Die dort beschäftigten Baubrüder suchten meist auf der Lorenzer Seite zu wohnen , und insofern war für alle diese Wahl der Wohnung gerechtfertigt - nur der Propst Kreß hatte ein bedenkliches Gesicht gemacht und Ulrich abgerathen dahin zu ziehen , weil er den geheimen Beweggrund errathen konnte : Ulrich suchte die Nähe seiner Mutter , von der er nun wußte , daß sie im Kloster zur heiligen Clara lebe . » Ich will ja nichts , als nur eine Luft mit ihr athmen , dasselbe Geläut der Glocken hören , das mich zur Arbeit und sie zum Gebete ruft ! « antwortete Ulrich . » Laßt mich gewähren ! Wohnte ich nicht dort , so würde ich vielleicht jeden Tag in der Nähe des Klosters auf- und abgehen , und wenn Ihr fürchtet , ich möchte mich selbst verrathen , so würde dies viel eher dadurch geschehen , als jetzt , wo ich nur ein Unterkommen gesucht und ein solches zufällig für die bescheidenen Wünsche eines Baubruders passend im Claragäßlein fand , aus dem ich so nah ' zu unserer Bauhütte habe . Ich verspreche Euch , keinen Schritt zu thun , wenn Ihr meint , daß dadurch der fromme Frieden ihres Gemüthes gestört werden könnte ! « » Um Ihretwillen , wie um Deinetwillen , « sagte der Propst , » muß Alles bleiben , wie es jetzt war . Es ist auch darum , daß ich Dich nicht selbst bei mir wohnen lasse , wie ich am liebsten thäte . Ja weil Du Deiner Mutter ähnlich siehst , woran Dich Amadeus erkannte , oder wenigstens so von Deinem Anblick ergriffen ward , daß er Dir nachforschte , hast Du auch einen Zug von mir - und man hat es schon gewagt , Dich meinen Sohn zu nennen , weil ich Dich vor Andern begünstigt ; müßte ich nicht den Schein vermeiden , so würde ich Dich gar nicht von mir lassen . Ich beschwöre sonst wieder ein Gerücht herauf , das meiner geistlichen Würde schadete und Dir ebenso gefährlich wäre , als das an den Tag Kommen der Wahrheit . « Ulrich versicherte noch einmal , daß er keine Vorsicht und Rücksicht aus den Augen setzen werde , die ja selbst seine eigene Zukunft am allermeisten erfordere . » Wenn nur Amadeus nicht selbst zum Verräther wird ! « seufzte der Propst . Von dem Augenblicke an , wo Konrad ihn aus der Kapelle waldeinwärts gesendet , wußten sie nichts von ihm . Nachforschungen irgend welcher Art konnten sie nicht anstellen , um sich nicht selbst zu verrathen . Ob er lebend oder todt , sie wußten es nicht . Im Stillen wünschte der Propst das Letztere . Was sollte auch der verirrte Mönch im fremdgewordenen Leben ? und dem Sohne konnte sein Leben gefährlich werden ! - Der Oheim wünschte nur nicht , daß Ulrich eine Schuld fühle am Tode des Vaters , und darum war er froh , daß dieser jenem seine Befreiung verdankte . » Noch Eines muß ich Dir sagen , « begann der Propst ; » eine Warnung ganz anderer Art. Als Herr Stephan Tucher mit Jungfrau Ursula Muffel getraut ward , zwei Fürsten sie zur Kirche führten und ein stattlicher Brautzug folgte : da war auch die schöne Scheurlin mit darunter und ragte wie immer auffallend unter Allen hervor , als sei sie selbst eine Königin . Die Kirche war von Zuschauern dicht gedrängt , und auch auf dem erhöhten Platze , den ich mit andern Geistlichen und Patriziern einnahm , hatten sich Fremde eingefunden . Darunter auch ein Ritter , der sein Augenmerk besonders auf die Scheurlin geworfen , und der da meinte , er kenne sie gar wohl , seit ihren