Dichter als das Edelste , was mir jetzt begegnete , riefen wieder das Malen hervor . Ich richtete meine Zeichnungsgeräte und meine Vorrichtungen zur Malerei in den Stand , und begann wieder meine Übungen im Malen der Landschaft . Ich malte je nach der Laune bald ein Stück Himmel , bald eine Wolke , bald einen Baum oder Gruppen von Bäumen entfernte Berge , Getreidehügel und dergleichen . Auch schloß ich menschliche Gestalten nicht aus und versuchte Teile derselben . Ich versuchte das Antlitz des Gärtner Simon und das seiner Gattin auf die Leinwand zu bringen . Die beiden Leute hatten eine große Freude über das Ding , und ich gab ihnen die Bilder in ihre Stube , nachdem ich vorher nette Rahmen dazu bestellt und in der Zeit , bis sie eintrafen , mir Abbilder von den Köpfen für meine eigene Mappe gemacht hatte . Ich malte die Hände oder Büsten verschiedener Leute , die sich in dem Rosenhause oder in dem Meierhofe befanden . Meinen Gastfreund oder Eustach oder Gustav zu bitten , daß sie mir als Gegenstand meiner Kunstbestrebungen dienen sollten , hatte ich nicht den Mut , weil die Erfolge noch gar zu unbedeutend waren . Gustav nahm unter allen den größten Anteil an diesen Dingen . So wie er im vorigen Jahre Geräte mit mir gemalt hatte , versuchte er es heuer auch mit den Landschaften . Sein Ziehvater und sein Zeichnungslehrer hatten nichts dagegen , da nur freie Stunden zu diesen Beschäftigungen verwendet wurden , da seine Körperübungen nicht darunter zu leiden hatten , und da sich dadurch das Band zwischen mir und ihm noch mehr befestigte , was mein Gastfreund nicht ungern zu sehen schien , da doch zuletzt der Jüngling niemanden hatte , an wen er das Gefühl der Freundschaft leiten sollte , das in seinen Jahren so gerne erwacht , und das sich in sanftem Zuge an einen Gegenstand richtet . Da unter seiner Hand ein Baum , ein Stein , ein Berg , ein Wässerchen in lieblichen Farben hervorging , hatte er eine unaussprechliche Freude . Bei Eustach hatte er nur größtenteils Bau- und Gerätezeichnungen gesehen , und Roland hatte auch nur Ähnliches von seinen Reisen zurück gebracht . Was von Landschaften in der Gemäldesammlung seines Ziehvaters hing , auf denen er wohl grüne Bäume , weiße Wolken , blaue Berge beobachten konnte , hatte er nie um seine Entstehung angeschaut , sondern die Dinge waren da , wie auch andere Dinge da sind , das Haus , der Getreidehügel , der Berg , der ferne Kirchturm , und er hatte nicht daran gedacht , daß auch er solche Gegenstände hervorzubringen vermöchte . Er redete auf Spaziergängen davon , wie dieser Baum sich baue , wie jener Berg sich runde , und er erzählte mir , daß ihm oft von dem Zeichnen lebhaft träume . Man ließ den Jüngling auch auf größere Entfernungen von dem Rosenhause mit mir gehen . Seine Arbeiten wurden dabei so eingerichtet , daß , wenn sie auch unterbrochen werden mußten , ein wesentlicher Schaden sich nicht einstellen konnte . Dafür gewann er an Gesundheit und körperlicher Abhärtung bedeutend . Wir waren nicht selten mehrere Tage abwesend , und Gustav vergnügte es sehr , wenn wir abends nach unserem leichten Mahle in einem Gasthause in unser Zimmer gingen , wenn er durch die Fenster auf eine fremde Landschaft hinausschauen konnte , wenn er sein Ränzlein und seine Reisesachen auf dem Tische zurecht richten und dann die ermüdeten Glieder auf dem Gastbette ausstrecken durfte . Wir bestiegen hohe Berge , wir gingen an Felswänden hin , wir begleiteten den Lauf rauschender Bäche , und schifften über Seen . Er wurde stark , und das zeigte sich sichtbar , wenn wir von einer Gebirgswanderung - denn fast immer gingen wir in das Gebirge - zurückkehrten , wenn seine Wangen gebräunt waren , als wollten sie beinahe schwarz werden , wenn seine Locken die dunkle Stirne beschatteten und die großen Augen lebhaft aus dem Angesichte hervor leuchteten . Ich weiß nicht , welcher innre Zug von Neigung mich zu dem Jünglinge hinwendete , der in seinem Geiste zuletzt doch nur ein Knabe war , den ich über die einfachsten Dinge täglicher Erfahrung belehren mußte , namentlich , wenn es Wanderungsangelegenheiten waren , und der mir in seiner Seele nichts bieten konnte , wodurch ich erweitert und gehoben werden mußte , es müßte nur das Bild der vollkommensten Güte und Reinheit gewesen sein , das ich täglich mehr an ihm sehen , lieben und verehren lernte . Ich ging auch einige Male zu dem Lautersee . Ich hatte im vorigen Jahre angefangen , seine Tiefe an verschiedenen Stellen zu messen , um ein Bild darzustellen , in welchem sich die Berge , die den See umstanden , sichtbar auch unter der Wasserfläche fortsetzten und nur durch einen tieferen Ton gedämpft waren . Der Reiz , der diese Aufnahme herbei geführt hatte , stellte sich wieder ein , und ich setzte die Messungen nach einem Plane fort , um die Talsohle des Sees immer richtiger zu ergründen und das Bild einer größeren Sicherstellung entgegen zu führen . Gustav begleitete mich mehrere Male und arbeitete mit den Männern , die ich gedungen hatte , das Schiff zu lenken , die Schnüre auszuwerfen , die Kloben zu richten , an denen sich die Senkgewichte abwickelten , oder andere Dinge zu tun , die sich als notwendig erwiesen . Besondere Freude machte es mir , daß ich nach und nach die Feinheiten des menschlichen Angesichtes immer besser behandeln lernte , besonders , was mir früher so schwer war , wenn der leichte Duft der Farbe über die Wangen schöner Mädchen ging , die sich sanft rundeten , schier keine Abwechslung zeigten , und doch so mannigfaltig waren . Mir waren die Versuche am angenehmsten , das Liebliche , Sittige , Schelmische , das sich an manchen jungen Land- oder Gebirgsmädchen darstellte , auf der Leinwand nachzuahmen . Eines Abends , da Blitze fast um