das leuchtete hell und leuchtete von einem Berg hernieder und leuchtete in Regenbogenfarben und trug eine Rose im Stirnband ... « » Eine Rose im Stirnband ? ! « brummte Herr Spazzo kopfschüttelnd . » ... Und es war einmal ein dunkler Nachtfalter « , fuhr Ekkehard in gleichem Ton fort , » der flog zum Berg hinauf und flog um das Licht und wußte , daß er verbrennen müsse , wenn er hineinfliege , und flog doch hinein , und das Licht verbrannte den Nachtfalter , da ward er zur Asche und vergaß des Fliegens . Amen ! « Frau Hadwig sprang unwillig auf . » Ist das Eure ganze Geschichte ? « fragte sie . » Meine ganze Geschichte ! « sprach er mit unveränderter Stimme . » Es ist Zeit , daß wir hinaufgehen « , sagte Frau Hadwig stolz . » Die Nachtluft schafft Fieber . « Sie schritt mit verächtlichem Blick an Ekkehard vorüber . Burkard trug ihr die Schleppe . Ekkehard stand unbeweglich . Der Kämmerer Spazzo klopfte ihm auf die Schulter : » Der Nachtfalter war ein dummer Teufel , Herr Kaplan ! « sprach er mitleidig . Ein Windstoß kam und blies die Lichter aus . » Es war ein Mönch ! « sprach Ekkehard gleichgültig , » schlafet wohl ! « - Fußnoten A1 D.i. Hyazinthen ( Zirkon ) . A2 Mittelhochdeutsch zyklat , sigelat ( aus grisch.-lat. cyclas , » das Rundkleid « ) bedeutet einen golddurchwirkten Seidenstoff . Einundzwanzigstes Kapitel . Verstoßung und Flucht . Ekkehard war noch lang ' in der Gartenlaube gesessen , dann war er hinausgerannt in die Nacht . Er wußte nicht , wohin der Gang gehen sollte . Des Morgens fand er sich auf dem Fels Hohenkrähen , der ragte in stiller Einsamkeit seit der Waldfrau Abzug . Die Trümmer des ausgebrannten Hauses lagen verwirrt übereinander ; wo einst die Wohnstube , stand noch der Römerstein mit dem Mithras , Farrenkraut und Riedgras war darübergerankt , eine Blindschleiche lief züngelnd an dem wettergedunkelten Götterbild hinauf . Ekkehard fuhr in hellem Hohn zusammen : » Die Kapelle der heiligen Hadwig ! « rief er und schlug sich mit der Faust an die Brust , » so muß sie sein ! « Er stieß den Römerstein um und stieg auf die Felskuppe ; dort warf er sich nieder und preßte die Stirn ins kühle Erdreich , das einst Frau Hadwigs Fuß berührt . Lange blieb er dort ; als die Sonne in der Mittagshöhe herunterbrannte , lag er noch oben und - schlief . Vor Abend kam er auf den Hohentwiel zurück , heiß , verstört , unsicheren Ganges . Grashalme hafteten wirr in dem härenen Geweb ' seiner Kutte . Die Leute der Burg wichen scheu vor ihm zurück , wie vor einem , dem des Unglücks Finger ein Zeichen auf die Stirn geschrieben . Sonst pflegten sie ihm entgegenzugehen und baten um seinen Segen . Die Herzogin hatte sein Fortsein wahrgenommen , aber nicht nach ihm gefragt . Er ging in seine Turmstube hinauf ; er griff ein Pergament , als ob er lesen wolle . Es war Gunzos Schrift wider ihn . » Gern würde ich Euch ermahnen , ihm die Hilfe heilender Arzneien angedeihen zu lassen , aber ich fürchte , seine Krankheit ist zu tief eingewurzelt « , las er drin . Er lachte . Die gewölbte Decke gab einen Widerhall , da sprang er auf , als wollt ' er erspähen , wer gelacht . Dann trat er ans Fenster und schaute in die Tiefe ; es ging weit , weit hinab . Ein Schwindel wollte ihn fassen , da wich er zurück . Des alten Thieto Fläschlein stand bei den Büchern , das machte ihn wehmütig . Er gedachte des Blinden . Frauendienst ist ein schlimm Ding für den , der gerecht bleiben will , hatte der einst zu ihm gesprochen , wie er Abschied nahm . Er riß das Siegel von dem Fläschlein und goß sich das Jordanwasser übers Haupt und netzte die Augen . Es war zu spät . Auch die Flut heiliger Ströme löscht die Glut des Herzens nicht ; nur dem , der sich hinunterstürzt , um nimmer aufzutauchen ... Doch kam ein Anflug von Ruhe über ihn . » Ich will beten ! « sprach er , » es ist eine Versuchung . « Er warf sich auf die Knie , aber bald war ' s ihm , als schwirrten die Tauben um sein Haupt , wie damals , als er zuerst die Turmstube betrat , aber sie hatten itzt grinsende Gesichter und einen höhnischen Zug um die Schnäbel . Er stand auf und ging langsam die Wendeltreppe hinunter zur Burgkapelle . Der Altar drunten war Zeuge frommer Andacht an manchem guten Tag . In der Kapelle war ' s wie ehedem , dunkel und still . Sechs schwere Säulen mit würfelförmigem laubwerkverziertem Knauf trugen die niedere Wölbung ; ein feiner Streif Tageslicht fiel durchs schmale Fenster herein . Die Tiefe der Nische , wo der Altar stund , war schwach erleuchtet ; nur der Goldgrund um das Mosaikbild des Erlösers glänzte in mattem Flimmern . Griechische Künstler hatten die Formen ihrer Kirchenausschmückung einst auf den deutschen Fels getragen : in weißem wallendem Gewand , goldroten Schein ums Haupt , hob sich des Heilands hagere Gestalt , die Finger der Rechten segnend ausgestreckt . Ekkehard neigte sich vor den Stufen des Altars ; seine Stirn ruhte auf den Steinplatten - so blieb er , in sich versunken . » Der du die Leiden der Welt auf dich genommen , laß ausgehn einen Strahl der Gnade auf mich Unwürdigen ! « Er hob den Blick und schaute starr hinauf , als müsse das ernste Gebild ' aus der Wand niedersteigen und ihm die Hand reichen . » Ich liege vor dir , wie Petrus vom Seesturm umbraust , die Wellen tragen mich nicht , Herr , rette mich ! Rette mich wie jenen , da