kenne dich wohl , du bist ein Tischler und machst Särge ! Geh ! Geh ! Hier ist Niemand zu begraben ! Das schreckte mich doch . Ich mußte ihre Art für wahnsinnig halten . Noch lange rief sie mir nach : Ich kenne dich ! Ich fing an mich zu fürchten und lief fast . Es war mir als hetzte mich ein böser Geist , so rannte ich durch den Wald vor dieser gräulichen Alten , auf die ich mich ... ja ! ja ! ... ich besinne mich , es war die schon damals alte Frau des jüngern , lüderlichen Marzahn , schon damals verrufen als ein schlimmes , unfreundliches Weib ! Wo blieben Sie aber diese Nacht ? fragte Dankmar theilnehmend . Da die Alte von den Todten gesprochen hatte , so führte es mich unwillkürlich auf den hiesigen Kirchhof . Da sucht ' ich erst das Grab meiner Mutter und fand es in einem einfachen von einem goldenen Kreuz gezierten Mausoleum . Es war Nacht geworden . Auf dem Schlosse oben sah ich erhellte Fenster . Ich hörte die Klänge eines Flügels durch den stillen Frieden herüber . Es war fremde Gesellschaft in Räumen , die doch noch mir gehören ! Unter dem Scheine einer Besprechung der Gläubiger genoß man die Vorfreuden des künftigen Alleinbesitzes . Wenn ich in dem Augenblicke , wo Alles der Freude und dem Scherz hingegeben , das Schloß zu betreten wagte , die mir wohlbekannten Zimmer aufsuchte und jetzt gleich mit eigener Hand das Bild rettete , das mir eine sterbende Mutter auf die Seele gebunden hatte ? Ich entschloß mich rasch und stieg hinauf . Die angefesselten Hunde bellten nicht , sie schienen den lebhaften Verkehr im Schloßhofe gewohnt . Die Thüren des Gitterwerks standen weit offen , obgleich es längst die zehnte Stunde geschlagen hatte . Den großen Eingang fand ich aber verschlossen . Nur mein Klingeln hätt ' ihn geöffnet . Dazu fehlte mir der Muth , die Fassung . Ich setzte mich , umspielt von einem leisen balsamischen Abendwind , auf die Schwelle eines der innern Fenstervorsprünge . Der Mondschein fiel auf die entgegengesetzte Seite . Ich saß im Schatten und blickte zu den Sternen aufwärts . Hinunter sah ich dann in die dunkeln Gebüsche des Gartens , von wo der mir so wohlbekannte kleine Wasserfall herübermurmelte . Ich hörte einzelne Worte des oben geführten Gesprächs . Es schien mir fast , als spräche man von mir selbst . Ich hörte oft den Namen meiner Mutter und fand diese Umkehr der Dinge , diesen Wechsel des Geschicks so traurig , so jammervoll , so entwürdigend für mich , daß ich den Muth zur That verlor und meine Gedanken hinausspann bis nach dem Genfersee und der Rhone , wo ich solcher Abende ach ! soviele erlebt habe , soviele , die mir im Angesicht der majestätischen Gebirge und im Rauschen der Wogen hingingen wie jene Gebete , die meine Mutter von mir in einsamer Kammer oder vor dem Altar einer Kirche verlangte .... Endlich ging die Gesellschaft oben auseinander . Noch lachte und neckte sich Alles beim Abschied und dem Herunterkommen von der großen steinernen Haupttreppe . Man entfernte sich nach vorn , nicht durch den innern Hof . Hier und dort wurde ein Fenster hell und verlosch wieder .... Wie in einem Gasthofe ! Man sah , daß überall die Menschen sich wie häuslich niedergelassen hatten . Endlich wurde Alles still , alle Lichter erloschen , nur in den Zimmern meiner Mutter schien noch der matte Schein des Lämpchens zu glimmen . Ich mußte annehmen , daß sie bewacht wurden . Dennoch nahm ich meinen Entschluß wieder auf . Ich umging den rechten Flügel des Gebäudes . Ach ! hier lag noch der kleine Kieselsand auf dem Boden und knirschte unter meinen Schritten , hier waren noch die Stellen auf ihm eingedrückt , wo sonst einige Orangenbäume in großen hölzernen Gefäßen prangten . Einer kleinen Seitenthür näherte ich mich , ich drückte darauf , auch sie war verschlossen . Dann sah ich empor , ob ich nicht wagen könnte , hinaufzuklettern ; aber die Stuccaturvorsprünge der Mauer waren zu schwach . Sie würden mich nicht getragen haben , selbst wenn ich mich mit den Nägeln in den Kalk hätte einkratzen wollen . So konnte denn nur eine Leiter helfen und diese zu suchen entfernt ' ich mich . Wie ich so vorsichtig , geschützt von den langen Schatten des Schlosses , in der nächsten Umgebung hin und her spähe , hör ' ich ein Knistern auf dem Kieselboden . Aus dem Garten schleicht sich ein Mensch behutsam näher . Es war hell genug , in ihm denselben kecken Burschen zu erkennen , mit dem ich Sie zuerst erblickte , und der uns im Walde so plötzlich verließ . Hackert ? fragte Dankmar . Derselbe Mensch mit dem röthlichen Haare , sagte der Fürst , derselbe mit dem hämisch lauernden Ausdruck der Augen , derselbe , der mich für einen politischen Spion hielt . Er wandelte im Traume ? sagte Dankmar . Wie ? antwortete der Fürst , der diese Frage nicht ganz verstand . Im Traume ? Er war in einem völlig bewußten Zustand . Eine Weile stand er lauschend still . Ich drückte mich hinter eine Karyatide , die eine der Fensternischen ziert und folgte dann behutsam und spürte seinem Treiben nach . Er blieb , ringsum spähend , in dem innern Schloßhof . Wie er an einem der Fenster das Merkmal gefunden zu haben schien , das er suchte , blieb er an der entgegengesetzten Wand im vollen Mondscheine stehen und blickte unverwandt wie ein zweiter Ritter Toggenburg auf jenes Fenster . Endlich regte sich etwas an dem von ihm beobachteten Punkte . Vorhänge wurden zurückgeworfen und eine , wie es schien , jugendlich schöne weibliche Gestalt im Nachtkleide öffnete das Fenster . Kaum hatte sie einen Blick in den Mondschein geworfen , als sie laut und mit Entsetzen jenen Namen rief , den Sie