ich Sie jetzt wie einst mich selbst in meiner Jugend zwischen diesen Beiden Männern sah , die an meinem Elend Schuld sind - nahm mir die Fassung . « Große und unschuldige Frauenseelen haben , besonders wenn die erste Allmacht der Liebe sie plötzlich mit ungeahnten Offenbarungen geweiht hat , oft einen Seherblick , der das verwandte Edle , das sich ihm naht , auch ohne äußeres Zeichen erkennt und das Niedrige , Unreine , das sich in seinen Kreis drängt , eben so schnell , auch wenn es eine andere Maske borgen will , herausfindet und zurückweist - so zog auch jetzt Elisabeth mehr ahnend als verstehend Jaromirs Hand an ihr Herz und sagte im allmächtigen Vertrauen der Liebe : » Ich will Alles gut machen , was verbrochen ward . « Amalie konnte es nicht ertragen , länger dieser hohen Jungfrau gegenüber zu stehen - um so mehr als sie fühlte , daß sie es schon durchschaute , wie ja sie , Amalie , selbst es war , welche an Jaromir ein Unrecht begangen , nicht er an ihr - auch kam sie jetzt erst eigentlich zur Besinnung , wie sehr sie Ort und Personen vergessen und wo und zu wem sie sprach . Als nun Thalheim ihr den Arm bot , um sie hinweg zu führen , so folgte sie erst willig - dann aber machte sie sich plötzlich los und sagte : » Jetzt ist eine Erklärung zwischen uns nicht möglich , es bedarf auch weiter keiner - wir wollten uns nicht wiedersehen - denke , es sei so gewesen . Willst Du mir einen Dienst erweisen , so entschuldige mich bei Fräulein Aurelie . « Und damit eilte sie schnell fort . Er konnte ihr nicht folgen , wenn er nicht das Auge der Spaziergänger auf sich und sie lenken wollte , welche auf der Straße vorüber gingen , die sie bereits erreicht hatten . VII. Zwei Gesellschaften » Und still versammeln sich die Streitgenossen . « Fr . Steinmann . In der Schenke der Fabrikarbeiter ging es ziemlich lärmend her . Der Wirth hatte die zweite Stube zugemacht , weil sich nun Niemand mehr absondern durfte . Im Grunde war ' s dem Wirth so Recht . Die jungen Arbeiter hatten sonst nur Bier getrunken und keiner mehr als ein Glas . Dabei konnten sie wenig betrogen werden und der Verdienst dabei war ein geringer . Nun drängte sich Alles in der großen Stube zusammen . Nach dem Kruge Vier trank nun wohl fast Jeder noch einen Schnaps - die Hitze der und Dunst in der Stube vermehrten den Durst und da folgte dem ersten Schnaps wohl noch ein zweiter und dritter . Das war beßrer Verdienst für den Wirth . Auch löste er wieder mehr an Kartengeld - denn wer einmal dem Spiel zusah , bekam bald Lust , auch einmal die Karte zur Hand zu nehmen und sein Heil zu versuchen . Und hatte nun einmal die Hand nach den Karten gegriffen , so gab sie die neue Bekanntschaft sobald nicht wieder auf . Wer verlor , spielte fort , um endlich das Verlorene zurückzugewinnen , und wer gewann , spielte fort , weil es doch eine schöne Sache war , so sein Geld zu mehren . Dabei trank man sich noch Muth und desto mehr , je länger man blieb . So mehrten sich wieder die Zänkereien und Schlägereien unter den Fabrikarbeitern - dies schien den Herrn Fabrikbesitzern und Factoren gleichgültig zu sein - vielleicht hatten sie auch noch den beliebten jesuitischen Grundsatz : divide et impera . Wilhelm lehnte mit August und ein paar Andern in einer Ecke . August warnte wieder : » Ich bitte Euch nur vor allen Dingen , seid gegen Anton auf Eurer Huth ! - Was hat er denn ewig , wenn ' s Dunkel wird , nach Hohenheim zu schleichen , wenn dahinter nicht eine Schufterei steckt ? » Ach was , er wird dort einen Schatz haben - « versetzte einer der Arbeiter . » Das braucht er nicht vor uns geheim zu halten - einen Schatz hat Jeder - « sagte ein Anderer . Wilhelm meinte ruhig : » Er denkt aber gerade wie wir , daß er den Franz nicht mehr leiden kann , und sagt , wir sollten uns vor dem in Acht nehmen - nun wer weiß , ob er darin Unrecht hat . « » Denkt wie wir , « eiferte August , » ei ja doch , spricht wie wir ! Woher weißt Du denn seine Gedanken ? Ein gutes Maul hat er immer gehabt . Und wenn er nun vollends den Franz verlästern will , da soll er mir nur kommen ! Als ob es einen bravern Burschen gebe ! « » Nun ja , ein guter Junge war er , « rief Wilhelm , » das hab ' ich wohl am Besten gewußt - den letzten Heller hat er oft hergegeben , wenn er damit helfen konnte - aber jetzt ist er eigensinnig verstockt geworden und will mit offnen Augen nicht sehen - mir hat er neulich geradezu erklärt : nun sei er mein Gegner . « » Das ist ehrlich und daran erkennt man den Franz - Anton würde das im Leben nicht sagen . Am Ende bleibt doch Franz besser als wir Alle , wenn er gleich jetzt mit uns nicht fort will - seine Tugend lehrt ihn die Noth ertragen - wir haben keine Tugend , darum müssen wir es freilich umkehren und aus der Noth eine Tugend machen . Franz mag uns widersprechen , verrathen wird er uns nie ! Anton wiederspricht nicht und wird uns verrathen ! Seht , ich weiß gewiß , daß er in Hohenheim ein Mal bei demselben Schuft gewesen ist , der den Fabrikherrn wider uns aufgehetzt hat , denn nach dem Tage , wo so ein alter Schwarzfrack in der Fabrik gewesen , kam das Verbot unsers Vereins , wißt Ihr ? « erzählte August