zerfallnen Festungsschloß oben auf dem Berg - über Löcher und Hecken , wo nur Kühnheit und Leichtsinn sich hin wagen und nicht eine menschliche Erscheinung in der Weite umher - so recht allein und laut hallend kann ich mit ihr sprechen , es hört ' s keiner , und jetzt , wo ich bekannt schon bin , nickt jeder Strauch mich freundlich an mit den paar braunen Blättern , die ihm der Winterwind noch nicht genommen hat , wenn ich wieder komm und setz mich neben ihn auf die Mauer und schwindelt mir nicht ; ach , welch Vergnügen zu klettern , wie entzückend die kecke Jugend ! - wenn ich auch manchmal mit geschundnem Knie , wie heut , oder aufgerissnem Arm heimkomm , das fühl ich gar nicht , ja , wenn mir recht ist , freut ' s mich gar ! - Werd hart , sagte der Schmied im Wald und schlug das glühende Eisen auf dem Amboß , das hörte der Thüringer Landgraf und ward hart wie Eisen . - Werd hart , rief ich heut auf der gefährlichen Mauer , von der ich hinabglitt , weil ich nicht anders hinunterkommen konnte , und da hat mir ' s auch gar nicht weh getan . Werd hart , sagt ich , wie ich zur Meline ins Zimmer eintrat , die gar erschrecken wollt , als sie die Blutspuren an meinen Kleidern sah , ich mußte leiden , daß sie mich ein bißchen heilte mit beaume de chiron ; du wirst noch Hals und Bein brechen , prophezeite sie , wo jetzt so viel glatte Stellen am Berg sind vom schmelzenden Schnee . Ich schrieb ' s hierher , wenn ' s geschieht , so hat sie richtig prophezeit . Aber gewiß , solche Übungen , die einem die Natur lehrt , sind Vorbereitungen für die Seele , alles wird Instinkt auch im Geist , der besinnt sich nicht , ob er soll oder nicht , es lehrt ihn das Gleichgewicht halten wie im Klettern und Springen , es entwickelt eine Kraft , die degagiert und detachiert ; das heißt : das Sehnen nach einem Pfeiler , sich in der Welt anzulehnen oder nach einem Stock , um weiter zu kommen , wird einem lächerlich ; bald merkt man , daß man auf ziemlichen Wegen recht gut allein gehen kann , und auf steilem Pfad läßt sich durch Übung große Freiheit erwerben . Ängstlichkeit und Unerfahrenheit verleiten doch nicht nach dem ersten Strauch am Weg zu greifen , der durch Biegen und Brechen zum Verräter wird und dem Vertrauen den Hals bricht ; und ich möcht wissen , ob der ganze innere Mensch nicht deutlich und kräftig hervorgehen könnt aus dem äußern , und ob » auf dem Seiltanzen « nicht eine höhere diplomatische Kunstanlage entwickeln könnt wie all der Wust von Intrigengeist und Korrespondenz voll Leerheit und Observanzen voll Kleinlichkeit - oder » mit Anmut auf dem Eis Schlittschuh laufen « , ob das nicht lehren könnt , ohne Selbstverletzung eigner Würde , zwischen allen Verkehrtheiten mit leichter Grazie sich durchwinden , und ob ein wildes Roß bändigen , mit Kälte und Ruhe , nicht auch die Kraft in der Seele weckt , den eignen Zorn zu bändigen und mit Gelassenheit das Gute aus dem Bösen entwickeln in andern und zur Selbstbeherrschung in der Gefahr , oder auch eine rasche Flamme der Selbstbesonnenheit , mit der wir einen Entschluß fassen und freudig begrüßen das Höhere , sei ' s auch aus unmündigem Geist ersproßt , und nicht fort und fort die alte Schlangenhaut anbeten , die der Götterjüngling , der Genius , der über den Zeiten schwebt , längst von sich schleuderte . Ja - ob überhaupt dies freie Bewegen in der Natur , dies Üben aller Kräfte in ihren Reizungen , so wie es die Glieder ausbildet und stärkt , nicht auch die inneren Seelenkräfte stärkt , daß sie zu hoch , zu edel für diese erbärmliche Weltschule , der Schere entwachsen , die nicht mehr hinanreicht , um sie zurecht zu stutzen ; daß sie das Kleinliche nicht mehr ertragen , sondern übern Haufen stürzen . Ebenso wie ich in der einsamen Natur keinen frage , soll oder soll ich nicht da hinüber springen , sondern mich auf den eignen Trieb verlasse ; sollte eine innere Kraft nicht auch für den Geist gutsagen ? - Und bedürfen oder suchen wir vielleicht nur deswegen Rat , weil wir furchtsam sind ? - Kommt ' s uns zu fabelhaft vor , daß der Geist , inmitten unserer , aufsteigen könnte , der uns die Weisheit des Himmels kundtue ? - Nun , was vermag uns denn , lieber der unserem Instinkt fremden Macht des alten Vorurteils uns zu unterwerfen , als jenes Instinktes jungem Keim nur so viel Luft und Licht zu lassen , daß er aufblühen könne ? - Der höhere Geist kann nur aus sich selbst sich erzeugen ; denn der mächtige Trieb der Entwicklung in uns ist grade nur , was uns der Entwicklung bedürftig macht , und also ist jedes freie Geistesregen schon ein Vorrücken des Keims , also : den innern Geist walten lassen und keinen fremden , ist , was ihn erzeugt . - Und wär ' s nicht tausendmal besser , wir fehlen aus eignem Irren als auf fremden Rat ? - Wenn einer in die Heimat will und läuft über die Grenze , um nach dem Eingang zum eignen Haus zu fragen ? - Wie ist das ? - Werden da nicht die heiligen Kräfte , deren Gesamtmacht wir Gewissen nennen , im Keim erstickt ; wird da nicht aller Ahnungstrieb stocken , des Geistes Spürkraft absterben ? - Und wenn ich die eigne Stimme schweigen heiß und einer fremden folge , dann bin ich nicht mehr in eigner Macht und muß mir ' s aufbürden lassen , daß ich aus Rücksichten mein besseres Selbst verwerfe . Hör ! Wenn ich eine schwierige Aufgabe im Leben hätte ,