jungen Biber , dessen Schwanz in Wasser hing . Es wäre mir interessant gewesen , mit so Vögeln , Amphibien und amphibienartigen Geschöpfen auch einmal meine Ideen auszutauschen , aber dazu wollte sich hier keine Gelegenheit finden . Diese Partikuliers waren von dem geistigen Drucke , der über Welgelegen lastete , so gebeugt , daß alle meine Versuche , ihnen näherzutreten , mein herzliches Meckern und so mancher treugemeinte Bockssprung keinen Anklang fanden . Die Fasanen lagen meistens , den Kopf unter die Flügel gesteckt , dumpf hinbrütend da , die Schildkröten zogen sich , sobald sie sich an ihrem Kohle satt geknabbert hatten , unter ihr Schild zurück , der Biber hatte für nichts Sinn als für das kalte Wasser um seinen Schweif . Meine Pein zu schärfen diente die berufene holländische Reinlichkeit . Es wurde nämlich auf uns Tiere eine besondere Kehrmagd gehalten , welche bei ihrem Mitgesinde Dreck-Griete hieß , weil ihr anbefohlen war , die äußerste Sauberkeit unserer Wohnstätten in Obacht zu nehmen . Sie brachte den Tag über in einer Art von Portierhäuschen am Eingange des Haupthauses zu und lugte beständig auf die Menagerie hinaus . Ließ nun ein Fasan eine Feder fallen , oder fiel sonst etwas vor , was nicht zu vermeiden stand - lieber Gott , man bleibt denn doch Tier ! - alsobald schoß diese ihrem Berufe fanatisch ergebene Reinigungsperson , bewaffnet mit einem langen Borstbesen hervor , riß den betreffenden Verschlag auf und säuberte vermöge des Besens die Stelle . Meine Kollegen waren zu sehr Vieh , um sich hieraus etwas zu machen , aber in mir hatte der Mensch teil an dergleichen Verkommenheiten , in mir schämte sich der Mensch vor einer solchen Überwachung seiner eigensten und innersten Angelegenheiten . Ich war oft in der größten Verlegenheit zwischen Müssen und nicht Mögen , zwischen natürlichen Wünschen und der Furcht vor der auflauernden und schon zum konventionellen Borstbesen greifenden Dreck-Griete ! Die Langeweile - die Isolierung - die ewig drohende Kehrmagd - meine Lage wurde von Tage zu Tage fürchterlicher ! Münchhausen war damals unglücklich , ganz unglücklich ! Das Schicksal hatte mich zu hart angefaßt , ich war ein Opfer kalter Schwärmerei geworden ; das ist das Schrecklichste , was es zwischen Himmel und Erde gibt . Eine tragische Verzweiflung bemächtigte sich meiner . Ich sann auf Selbstmord . Ich wollte die Natur zwingen ; wie andere sich der Speise enthalten , wollte ich dem Borstbesen der Reinigungsperson sein Opfer unterschlagen - lange - für immer ! - - Denn ich fühlte , daß , mit Heldenmut den Entschluß durchgeführt , der Organismus untergehen müsse . Diese Weise , zu enden , dünkte mich die erhabenste , reinste , sie kam mir neu und unnachahmlich vor . Ich hielt mich still für mich . Zwei Tage lang rastete das Türschloß meines Verschlages . Die Reinigungsperson umschlich mich unheimlich spähend . Ich dachte : » Schleich du ; ich sterbe ! « Am dritten Tage ließ Mynheer van Streef die Späherin rufen und fragte sie , was mir fehle ? ich stehe ja so verdrossen und ohrhängerig da ? Griete berichtete dem Herrn , was sie wußte . - » So muß man abwarten , ob es sich bis morgen mit ihm bessert « , sprach mein fühlloser Gebieter , » und wenn das nicht geschieht , so gebt ihm -- « Er verordnete das schnelle und unwiderstehliche Mittel , gegen welches in solchen Fällen selbst der Heldenmut eines Cato sich fruchtlos stemmen würde . » Nein , es ist zu viel ! « meckerte ich ingrimmig und traurig zugleich ; indem ich am Felsen Klein-Helikon niedersank und meine heiße Stirn wider diese Klinker stieß . » Nicht leben können , und nicht sterben dürfen ! « - Ich sah schon im Geiste den Augenblick , der meinen Entschluß gewaltsam brechen würde , und das furchtbare Instrument in Grietens Hand , ich sah mich schon wieder schamrot , entwürdigt , in die alten Konflikte zurückgeworfen , denen meine freie Seele sich entronnen wähnte . Ach , der nämliche Tag sollte mich noch etwas ganz anderes sehen lassen ! Wie schwach steht es um die sogenannten großen Vorsätze ! Bittere und demütigende Erfahrung , die ich an mir selber machte ! Mynheer van Streef empfing an diesem Tage einen Besuch von seinen Nachbarn de Jonghe und van Toll . Die Besitzer der drei Landhäuser Welgelegen , Schoone Zicht und Vrouw Elizabeth pflegten einander nur einmal im Jahre gegenseitig zu besuchen . Die Tage waren ein für allemal festgestellt , und sonst sahen einander die drei Holländer nicht , obgleich die Landhäuser kaum fünfhundert Schritte voneinander entfernt waren . Wenn sie zusammenkamen , so zeigte der Wirt seinen Gästen den Zuwachs vom letzten Jahre in dem , woran seine Seele hing . Mynheer van Toll hielt auf ein reiches Porzellankabinett , Mynheer de Jonghe auf eine Sammlung von Naturalien und Mynheer van Streef auf seine Menagerie am meisten . Nachdem die drei Freunde im Lusthäuschen Tee getrunken hatten , führte mein Gebieter seinen Besuch zu unsern Verschlägen und fragte de Jonghen , der , wie wir wissen , in Ostindien gewesen war , ob er eine Tiersorte , wie die meinige , auf Java kennengelernt habe . Schon bei dem ersten flüchtigen Überblicke , den mir der Naturaliensammler widmete , fingen seine Augen an zu glänzen , und seine farblosen Wangen wurden von einer leichten Röte überflogen . Ich mußte mich erheben , Mynheer de Jonghe betrachtete mich von allen Seiten , hob meine Pfoten , die noch nicht ganz vergessen hatten , Menschenarme zu bedeuten , auf , untersuchte mein Vlies , guckte mir in den Rachen , befühlte meinen Schädel . Mynheer van Streef sah dieser Analyse mit dem ruhigen Stolze eines glücklichen Besitzers zu . Nach vielfältigem Anschauen und Tasten war Mynheer de Jonghe zu dem Bekenntnisse gedrungen : » Nein , diese Tiersorte kommt nicht auf Java vor . Ich glaubte anfangs , es sei der kleine gefleckte