Auge strahlte in erhöhtem Feuer ; etwas ungewohnt Hastiges in ihren Worten , in ihren Bewegungen , deutete auf heftige innere Aufregung . Stumm lag Richard zu ihren Füßen , umfaßte ihre Kniee , verbarg sein Gesicht in ihrem Kleide ; sie schien es nicht gewahr zu werden , machte keinen Versuch ihn zum Aufstehen zu bewegen , und fuhr ungewöhnlich schnell sprechend fort : Es ist Verläumdung , Unwahrheit , Mißverstand von Seiten meines Vaters , was weiß ich ! ich habe es ihm gesagt , aber er will es nicht glauben . Und doch ist es so ; wir können sterben , Richard , aber nicht ehrlos handeln . Du so wenig als ich . Du bist nicht zum Obrist erhoben , nicht mit Gold und Gütern für einen Verrath belohnt der - ich könnte darüber lachen , daß man Dir so etwas zutraut , wären die Folgen davon nur nicht so ernsthaft . Aber wie ist es nur möglich dergleichen zu ersinnen ? Wie böse ist die Welt geworden ! wie lügen die Menschen ! und weßhalb ? Du sprichst noch immer kein Wort zu mir ? fing sie nach kurzem Schweigen wieder an . Ich sehe es wohl , Du bist empört , daß selbst mein Vater - und Du bist ' s mit Recht . Ich aber , mein Richard , ich blieb immer Deiner gewiß , ich habe nie an Dir gezweifelt , nie , keinen Augenblick . Doch sage nur einmal : Helena , ich that es nicht ! nur einmal sprich es aus , das Einzige erbitte ich mir von Dir . Denke nur nicht , daß ich , um im Glauben an Dich festzuhalten , dieser Versicherung bedarf ; ich weiß es ja , wir beide sind nicht zu erkaufen , nicht um des Kaisers Thron , nicht um die Welt ! fuhr sie , nach und nach immer besorgter , immer ängstlicher fort : sage es nur , weil ich es wünsche , aus Liebe zu mir , sprich es aus , mein Richard , bat sie , und versuchte mit zitternden Händen , mit nach Athem ringender Brust , ihn aus seiner knieenden Stellung zu bringen , und in ' s Auge ihm zu sehn . Sage , nur einmal sage : ich that es nicht ! nur die drei Worte , sprich sie aus : Richard ! Geliebter ! flehte sie nochmals mit ängstlich ersterbender Stimme und umfaßte ihn , und blickte ihn an , als wolle ihr Leben in dieser Bitte sich auflösen . Tiefe Stille erfolgte . Helenas kleine zarten Hände vermochten nicht länger ihn aufrecht zu erhalten , er sank wieder zu ihren Füßen . Sie kniete neben ihm nieder , sie umschlang seinen Nacken , sie lehnte ihr Köpfchen an seine Brust , sie hauchte leise , leise : o sage , ich that es nicht ! Er fühlte den warmen Lebensathem an seiner Wange wehen . Er sank tiefer , seine Stirne berührte den Boden , ein Seufzer wie Todesröcheln und nun die mühsam ausgestoßnen Worte : ich kann nicht , was Du verlangst ! Helena wankte einen Augenblick , ihre Farbe wechselte , ihr Athem stockte , dann erhob sie sich von den Knieen . Bleich wie ein Marmorbild reichte sie ihm die Hand , um ihn aufstehen zu heißen , und er gehorchte ihrem Winke . Warum bleibst Du nicht wahr gegen mich ? warum verläumdest Du Dich selbst ? fragte sie feierlich ernst . Welche mißverstanden-edelmüthige Überspannung , denn ein andrer Grund Deines seltsamen Beginnens ist unmöglich , verleitet Dich dies sogar gegen mich zu versuchen ? Besinne Dich , Richard , komme wieder zu Dir selbst , erinnere Dich , daß der vollständigste Gegenbeweis Deiner Selbstanklage in meinen Händen ist ; sieh her ! Richard blickte zu ihr auf ; sie zeigte jene beiden Briefe , die er dem Kapellmeister zur Besorgung übergeben , erbrochen ihm vor . In Abwesenheit meines Vaters öffnete ich sie an dem dazu bestimmten Donnerstage , wie Du selbst es angeordnet hattest , sprach Helena sehr fest und bestimmt . Hier zuerst diese zwei Worte an Pestel : » Verrath durch Mayboroda und Rostowzoff . Eile , morgen wäre es zu spät ! « und nun diese Zeile an meinen Vater : » Das Unheil bricht los , Tod und Verderben rund um uns her . Schutz dem geheiligten Leben unsers Kaisers ! « Und warum , sprich , warum willst Du auf Dich nehmen , was jene beiden mir völlig Unbekannten verübten ? Hast Du meiner denn so ganz vergessen können ? fragte sie milder , beinahe lächelnd . Richard hatte indessen jene Stimmung wieder gefunden , die damals auf dem Gange zum Minister ihm Kraft gab , das Schwerste zu vollbringen . Mit dem vollsten Ausdrucke innigster Liebe faßte er Helenas Hände und drückte sie an seine Brust . Höre mich Geliebte , bat er , höre mich bis an ' s Ende . Versprich mir mich nicht zu unterbrechen , wenn mein Geständniß Dir räthselhaft erscheint . Vertraue mir , wer hat gerechtere Ansprüche an Dein Vertrauen als ich ? Bist Du nicht mein ? Bin ich nicht Dein ? darum glaube mir , glaube fest , das Räthsel wird zu Deiner Zufriedenheit sich lösen . Ich glaube Dir ! antwortete Helena eifrig und gespannt . Was Mayboroda und Rostowzoff , zum Untergange Aller und zur eignen Sicherheit , aus persönlicher Feigheit vollbringen wollten , Helena , Geliebteste , ich mußte es hindern - ich konnte dieses nur indem ich ihnen zuvor kam - nur einen Augenblick ertrage das Geständniß , daß ich es selbst gethan ! Alles soll sogleich Dir deutlich werden , und Dich damit versöhnen . Nein , nein , nein : rief Helena , muthe mir nicht Unmögliches zu ! dies zu glauben ist unmöglich : ich verstehe Dich wahrscheinlich nicht , drücke deutlicher Dich aus , gewiß liegt hier ein Mißverstand zum Grunde , gewiß versteh