sich in den letzten Jahren des großen Königs schon am Hofe und im Lande gebildet hatten . Mit Drohungen wurde der armen Königin so zugesetzt , daß sie die Geburt des rechtmäßigen Prinzen verschwieg . Der vorige König beherrschte nun als nächster Thronerbe bis etwa vor vier Jahren das Land , und ich gönne auch dem jetzigen Herrn seine Würde und sein Glück , denn er ist wacker und tugendhaft ; und überhaupt - wenn ich auch mit meinen Ansprüchen hervortreten wollte , so hat jene Kabale es leider so fein angezettelt , daß ich wohl schweigen muß . « » Aber wie haben Sie , da man Sie in Windeln raubte , erfahren können , daß Sie der Geburt nach der rechtmäßige König sind ? « Der Fremde schwieg eine Weile , als dächte er dieser Frage nach . » Wenn Sie die Kupferstiche vom großen Friedrich ansehen « , sagte er dann , » und betrachten morgen beim Sonnenlicht meine Physiognomie , so wird Ihnen gar kein Zweifel übrigbleiben . Und nachher habe ich darüber sehr authentische und wichtige Papiere , die mir von Männern , die aber unbekannt bleiben wollen , zugefertigt sind . Die Sache leidet wirklich keinen Zweifel ; auch bin ich ganz fest davon überzeugt . Im Jahre 1792 , als die Koalition geschlossen war , und die deutschen Heere gegen Frankreich marschierten ; - o mein Herr - da war in meinem Leben ein großer , ein einziger Moment . Die Republikaner nämlich und Dumouriez und die Begeisterung in Deutschland und La Fayette und der National-Convent , ja durch heimliche Emissäre der König von Frankreich selbst , alle forderten mich dazumal auf , mich zu erklären , öffentlich aufzutreten , um durch mein Wort alle jene Rüstungen zu entwaffnen ; als großer deutscher Fürst dann die gute , verkannte Sache zu vertreten und so mit Lorbeeren und unsterblichem Ruhme mein jugendliches Haupt zu schmücken . « » Ei « , sagte Leonhard , » diese einzige Gelegenheit und große Aufforderung hätten Sie doch benutzen sollen . « » Glauben Sie denn « , sprach der Fremde mit bewegter Stimme , » daß mein Ehrgeiz damals nicht rege genug gewesen wäre , um durch diesen Gedanken mein jugendliches Blut zu erhitzen ? Aber die jesuitische Klugheit jener Kabale hatte ja alles für alle Zeiten unmöglich gemacht . Hätte man mich entführt und irgendeinem Handwerker übergeben , in fremde Länder oder nach Amerika gesendet , ja hätte man mich an die Zigeuner verkauft , so war es möglich , mit Ehren hervorzutreten , ja der letzte Umstand hätte der Sache wohl gar eine romantische Farbe gegeben ; aber so hatten die Bösewichter mich unter die Juden gesteckt . Ja , sehen Sie , Sie lachen , Sie können nicht anders , und das ist die Ohnmacht , die mich lähmt , die mir jede Unternehmung unmöglich macht ; denn das Lächerliche ist so allgewaltig , so unüberwindlich , daß alles , was es nur erreicht , sich vor ihm beugen muß . Hätte ich nun damals den Anforderungen genügen und auftreten wollen , und man hätte in Europa plötzlich vernommen , der echte König von Preußen ist erschienen , die ganze Gestalt der Dinge muß sich verändern , in ihm wirkt der Geist des großen unsterblichen Friedrich - und nun fragte Europa . Wer ist dieser junge Held ? - und vernähme die Antwort : Ein Judenjunge ! - so würde ja ganz Europa nur in ein lautes Lachen ausgebrochen sein , so wie Sie jetzt selber lauter und lauter lachen , was mich eigentlich beleidigen sollte , wenn die Sache nicht wirklich so überaus komisch wäre . - Lachen Sie also nur zur Genüge mein Herr , ich finde Ihre Lustigkeit ganz natürlich . « Leonhard zwang sich , wieder ernsthaft zu werden , um den Unglücklichen nicht zu kränken , weil die Erlaubnis zum Auslachen doch vielleicht nicht ganz aus seinem Herzen gekommen war . - » Seitdem « , fuhr dieser dann fort , » sind nun wieder zehn Jahre vorübergegangen , und ich habe mich immer ruhig verhalten , welches die hohen Potentaten würdigen und mir zugute schreiben sollten . Das ist aber nicht der Fall , denn man läßt mich immer in meiner Armut bleiben , ohne sich um mich zu kümmern . Eins aber könnte man tun , da ich ja keine weiten Länderstrecken , oder großen politischen Einfluß verlange , mir nämlich das liebe gute Nürnberg schenken , welches ich so außerordentlich hochschätze . Das Städtchen hat wirklich was Allerliebstes , und wer Sinn hat für das Heimische , Altdeutsche , so Altfränkische , der wird auch ebenso in das niedliche Nürnberg vernarrt sein , wie ich . Wäre das aber den Regierenden immer noch zuviel , so sollten sie mir doch wenigstens die Sebald-Kirche als mein Eigentum überlassen . « » Da Sie aber zu der israelitischen Gemeine gehören « , sagte Leonhard , » was wollten Sie mit dieser christlichen Kirche anfangen ? « » Erstens « , antwortete jener , » wünsche ich sie mir , weil ich sie so unaussprechlich liebhabe . Das ist ein Kirche , sehen Sie , wie man wohl sagen möchte : Gerade so muß eine Kirche sein ! Lorenz ist auch nicht übel , kommt aber nicht gegen meinen Sebald . Und , verstehen Sie denn nicht ? Ich hätte ja immer noch den größten Vorteil davon . Die Nürnberger gehen sehr gern in ihre Kirche ; sie ist immer gedrängt voll . So vermietete ich denn meine Kirche an die andächtige Gemeine , daß die Leute doch auch ihre Freude am Gottesdienste bezahlen müßten . - Ich habe auch wirklich Lust , mich nächstens dem Könige von Preußen persönlich vorstellen zu lassen , und ihm das Geheimnis zu eröffnen . Dann werden wir ja sehen , wozu er sich herbeilassen wird . Denn ganz umsonst darf er es doch auch nicht haben , daß ich ihm so ungestört