Böses Kind , « antwortete Diether : » Warst Du nicht der Willkommenste ? « - » Vielleicht für Euch ; « lachte Wallrade giftig : » Für Euer Weib ist wahrlich und gewißlich Dagobert der Willkommnere . « - » Was sprichst Du da , Argwöhnische ! « rief Diether : » Und wie käme denn Dagobert , der Pflichtvergessene , hieher zu uns , die er meidet ? « - » Er ist schon hier , seit mehreren Tagen hier ; « erläuterte Wallrade : » so seltsam es Euern Ohren klingen mag , so wahr ist ' s doch . Ein wackerer Sohn , der Tage lang in derselben Stadt athmet , in der sein Vater wohnt , und des Vaters Angesicht scheutet ! Vielleicht fürchtet er auch nur meine Gegenwart ; vielleicht bewegt ihn auch ein wichtigerer Grund , Euer Auge zu meiden . « - » Ich weiß kaum , was Du sprichst , « betheuerte Diether : » Mir wirbelts vor den Sinnen . Dagobert kömmt , da Du gehst ? - Er thut sehr wohl daran ; « lächelte das Fräulein : » Ich will auch als ein freundlich Schwesterlein des Bruders Vergnügen nicht hemmen . Lebt wohl , Vater , und wird es euch zu eng in Frankfurt , so kommt auf Baldengrün . Willkommen seyd Ihr da , erscheint Ihr allein , ohne Euer zweites Weib . « - » Unversöhnliche ! « sprach Diether mit überströmenden Augen , indem er Wallraden wehmüthig an sich drückte : » Den Kindern sind doch sonst der Frauen Herzen hold ; laß nicht das Brüderlein den Widerwillen theilen , den Du , - ich schwör es , ohne Grund , - gegen die Mutter hegst . Willst du das zarte Büblein nicht küssen zum Lebewohl , so sprich doch nur gegen mich ein Wort der ausgesöhnten Schwesterliebe . « - » Schwesterliebe ? « fragte Wallrade wie verwundert , während sie sich mit argem Lächeln aus des Vaters Armen wand : » Ihr sprecht doch von dem kleinen Johann ? Ich wäre dessen Schwester ? Ei , das wolle Gott nicht . Nennt mich lieber seine Muhme , guter Vater . « - » Wie soll ich verstehen , was du sprichst ? « fragte Diether erbleichend entgegen . - Wallrade zog jedoch mitleidig die Schultern in die Höhe und verneigte sich ausweichend . » Erlaßt doch mir die Erklärung ; « sprach sie höhnisch : » fragt die Stadt , und wenn Ihr auch dieser nicht glaubt , so wendet Euch an den heiligen Georg selbst , der über dem Putztische Eures Weibes hängt . Ein feiner Rittersmann , dessen Ebenbild zu seyn , Euerm Sohne - dem Johann nämlich - - keine Schande bringen wird , so lange Euch selbst die Sache Freude macht . Lebt indessen wohl , und dreimal wohl , mein Vater . Gott mit Euch ! « Einen Kuß der Pflicht fühlte Diether auf seiner Wange ; einen Augenblick hielt ihn die Tochter umschlungen , und schon war die Thüre hinter ihr in ' s Schloß gefallen . Lange starrte aber noch der graue gebeugte Vater vor sich hin , wie ein , von jähem Tod Erblaßter , und als dann nun wieder Regsamkeit in seine Glieder trat , wandte er den Blick ; gezwungen fast , zu dem Bilde des Heiligen , das auf ihn herniedersah wie eines Todfeinds verhaßtes Antlitz , trug es gleich die Züge des einstens zärtlich geliebten Dagoberts . Aber also ist das unglückselige Wesen des Argwohns und der Eifersucht , daß durch ein Wort , durch einen aufgerüttelten Gedanken das Theuerste ein Gegenstand bittrer Verfolgung werden , Liebe sich in Wuth verkehren kann . Und dieser leise Grimm , ein fressend Ungethüm in der Brust des Leichtgläubigen , baut sich fester und fester ein , je angelegentlicher man ihn vertilgen möchte . In gefährlicher Stille wächst der Funke an zur verderblichen Glut , und so kann es geschehen , daß selbst unter dem Eise des Alters ein gährendes Flammenmeer wogt , denn im Mittelpunkt des Lebens stürmt und braust es heiß und kräftig , wenn auch seine Gränzen allgemach in Frost erstarren . Mit der festesten Willensgewalt vermochte nur Diether den bösen Geist zu bändigen ; nicht jedoch um die Augen mit Vertrauen zu öffnen , und ihn dadurch völlig zu überwinden , sondern um ihn zu pflegen , und größer zu ziehen in Schweigen und Heimlichkeit . Darum überließ er sich selbst dem Fehler , dem er auf die Spur zu kommen trachtete , der Heuchelei . Mit freier Stirn überließ er sich der Umarmung Margarethens , die ihm ihre Dankbarkeit bezeugte , daß er Wallraden nicht länger in ihrer Nähe aufgehalten ; ohne mit einer Miene seinen tiefen Verdacht , seinen heimlichen Groll zu offenbaren , tändelte er mit dem Knaben , den ihm die Ehefrau schmeichelnd in die Arme legte . Stundenlang scherzte er mit dem Buben , verwendete er kein Auge von ihm ; aber nicht väterliches Wohlgefallen , wie wohl ehedem , bewog ihn dazu , sondern die Begierde , Johanns Züge sich fest einzuprägen ; und so oft sein Blick vergleichend von des Knaben Antlitz zu dem Bilde des heiligen Rittersmannes schweifte , bohrte sich ein neuer Dolch in des Argwöhnischen Gemüth , und je gewisser ihm die Aehnlichkeit wurde , je wüster tobte es in seinem Innern , so freundlich er auch seine Runzeln glättete , so peinlich er auch den Mund zum Lächeln zwang . Die Nacht , die auf diesen Tag quälender Unruhe folgte , war für den von Jahren , Gebreste und Verdacht geschwächten Mann keine Erfreuliche , und , dem Geizhalse zu vergleichen , der auf seiner Geldtruhe nur von Raub und Mord zu träumen pflegt , sah Diether Dagoberts und des Schultheißen hämisch lächelnde Häupter um sein Lager kreisen . Liebesgirren , und Minnegekose folterte sein Ohr , so tief er den Kopf in die Kissen wühlte , und hundertmal