das Auge mit süßen Thränen füllt und das Herz rascher pulsiren macht . Sie gedachte ihrer ersten Jugend , ferne Gestalten gingen an ihr vorüber , und sie versank in immer lieberes Träumen , von ihrer Mutter , von Ernesto , von Ottokar . Dann gedachte sie auch des jungen Freundes , der so keck das Leben daran gesetzt hatte und alle Vorurtheile seiner Jugend , seines Standes , ja das eigne Gemüth mit eigensinniger Entsagung überwand , um einen ihm fast fremden Mann aus einem gefährlichen Traume zu erwecken . Diese That Hippolits war ihr immer im romantischen Licht eines Heldenmuths erschienen , den sie sehr geneigt war übertrieben zu nennen und dessen Aeußerung gerade auf diese Weise in dem feurigen , sonst alle Schranken so gern durchbrechenden Jüngling , ihr unerklärlich blieb , so oft sie auch schon darüber nachgedacht haben mochte . Seit seiner Verwundung hatte sie ihn nicht wieder gesehen , doch ließ sie täglich mehreremale Nachricht von ihm einziehen , denn Moritz sehnte sich stündlich nach seiner erheiternden Gegenwart , und auch sie vermißte oft ihren Edelknaben . Ein leichtes Geräusch weckte endlich die Träumerin aus ihrem fast wortlosen Sinnen ; sie blickte auf und an einer großen Zipresse gelehnt , stand dicht vor der Laube Hippolit selbst , die dunkeln blitzenden Augen auf sie geheftet . Das selige Lächeln eines Verklärten umspielte die bleichen Lippen und der Ausdruck langer körperlicher Leiden gaben der sonst so lebenskräftigen jugendlichen Gestalt etwas unbeschreiblich Rührendes . Ihn erblicken und mit einem hellen freudigen Ausruf ihm entgegen treten , war das Werk des ersten Moments , während er , wie überwältigt von der Seligkeit desselben , vor ihr auf das Knie sank und die Hand , welche sie ihm bewillkommend gereicht hatte , mit Feuerküssen bedeckte . » So ! so ! begrüße ich das neue Leben ! Hier begrüße ich die Sonne , die ich so lange entbehrte ! « rief Hippolit , wie außer sich vor Entzücken . » Unvorsichtiger ! « schalt freundlich und bewegt Gabriele , » Sie sind noch krank , Ihre Lippen brennen heiß ; wie konnten Sie in diesem Zustande sich auswagen ? Wahrlich Sie sind im Fieber , Ihr ganzes Wesen ist so unnatürlich gereizt , ruhen Sie , ich bitte , ruhen Sie aus , « sprach sie beinahe ängstlich werdend , und bemühte sich ihm aufzuhelfen . » Mir ist wohl , mir ist unnennbar wohl , freilich meinem Arzt entsprungen , und - mir ist unaussprechlich wohl , « stammelte Hippolit , ward immer bleicher und sank endlich mit geschloßnen Augen in den Sessel , aus welchem Gabriele bei seinem Eintritt aufgesprungen war . Sie wollte fort , sie wollte Hülfe herbeirufen , doch er hielt mit übernatürlicher Kraft ihre Hand fest umschlossen ; auch öffnete er nach wenigen Sekunden die Augen wieder , und athmete hoch auf , sichtbar sich erholend . » Zürnen Sie nicht , schelten Sie nicht , « bat er , » daß ich die schöne warme Sonne , den blauen Himmel , nicht länger nur aus dem Fenster ansehen mochte . Ihre Pappeln dort am Bassin sind Schuld . Ganz in der Ferne sehe ich von meinem Zimmer aus ihre Wipfel , das einzige Grün weit umher . Stundenlang habe ich während meiner Krankheit sie betrachtet , sie allein verkündeten mir den Sommer , und wenn der Wind in den schlanken Zweigen spielte war mir , als ob sie von Ihnen mir erzählen wollten . Heute , heute regten sie sich und nickten und winkten so sehr und die Nachtigall vor meinem Fenster sang so schmerzliche Sehnsucht , es war nicht länger zu ertragen ; ich öffnete ihr den Käfig und sie und ich , wir flogen beide auf und davon . Hier werde ich genesen , glauben Sie mir es nur , hier athme ich Lebensluft . « Gabriele waltete ämsig und arglos geschäftig um ihn her , während er so sich zu entschuldigen suchte , recht wie ein sorgliches Mütterchen um ihr liebes krankes Kind . Sie breitete ihren Shawl an den Zweigen der Laube aus , um ihn gegen das Sommerlüftchen zu schützen , das draussen sanft und linde die Blumen und Blüthen umspielte ; aus einem Körbchen mit Orangen , welches zufällig neben ihr stand , wählte und bereitete sie zu seiner Erquickung die süßeste Frucht , dann brachte sie ihm die schönsten Rosen herbei , es war als wolle sie ihn in diesem Moment für alle Entbehrungen der schönen Tage entschädigen , die der Arme , im dumpfen Zimmer eingekerkert , hatte verleben müssen . Nach Frauen Art vergaß sie in ihrer Geschäftigkeit beinahe , wer der Gegenstand ihrer sorgsamen Pflege eigentlich sey und Hippolit saß still und selig da , ließ sich alles gefallen und hütete sich wohl , diese schönen Augenblicke durch ein unbedachtes Wort sich zu verkümmern . Inzwischen war unter ihnen beiden doch eine Art von zusammenhängendem Gespräch aufgekommen . Gabriele erzählte von Augustens jetzigem Leben , und wie alle Hoffnung da sey , daß Adelbert in Liebe und Thätigkeit wieder genesen und zu sich selbst kommen werde . » Das alles danken wir Ihnen , Ihrem uns Allen unbegreiflichen Heldenmuthe . Sie sind ein Kronenwerther Sieger , « sprach sie und blickte mit unbeschreiblicher Freundlichkeit ihn an . » Den schwersten aller Siege , den über sich selbst , haben Sie errungen . Doch gestehen Sie mir , was konnte Sie bewegen , des Mannes , der mit so unerträglichem Trotz Sie zu beleidigen suchte , mit so fast eigensinnigem Unbedacht zu schonen und Ihr eignes Leben einem Rasenden wehrlos in die Hände zu geben ? Adelbert war Ihnen kaum ein Bekannter , und für einen solchen wagten und ertrugen Sie das Unglaubliche , das fast Unmögliche , um ihn sich und den Seinen , die Sie noch weniger kannten als ihn , am Rande des Unterganges zu retten ! Die Welt wird diese That eben so wenig zu würdigen wissen ,