waren erhöhte Sitze für die Geistlichkeit angebracht der Tribüne gegenüber , auf welcher die Kapelle des Bischofs die Musik des Amts , welches er selbst hielt , ausführte . Leonardus rief mich an seine Seite , und ich bemerkte , daß er ängstlich auf mich wachte ; die kleinste Bewegung erregte seine Aufmerksamkeit ; er hielt mich an , fortwährend aus meinem Brevier zu beten . Die Klaren Nonnen versammelten sich in dem mit einem niedrigen Gitter eingeschlossenen Platz dicht vor dem Hochaltar , der entscheidende Augenblick kam ; aus dem Innern des Klosters , durch die Gittertüre hinter dem Altar führten die Zisterzienser Nonnen Aurelien herbei . - Ein Geflüster rauschte durch die Menge , als sie sichtbar worden , die Orgel schwieg , und der einfache Hymnus der Nonnen erklang in wunderbaren , tief ins Innerste dringenden Akkorden . Noch hatte ich keinen Blick aufgeschlagen ; von einer furchtbaren Angst ergriffen , zuckte ich krampfhaft zusammen , so daß mein Brevier zur Erde fiel . Ich bückte mich darnach , es aufzuheben , aber ein plötzlicher Schwindel hätte mich von dem hohen Sitz herabgestürzt , wenn Leonardus mich nicht faßte und festhielt . » Was ist dir , Medardus , « sprach der Prior leise , » du befindest dich in seltsamer Bewegung , widerstehe dem bösen Feinde , der dich treibt . « Ich faßte mich mit aller Gewalt zusammen , ich schaute auf und erblickte Aurelien , vor dem Hochaltar knieend . O Herr des Himmels , in hoher Schönheit und Anmut strahlte sie mehr als je ! Sie war bräutlich - ach ! ebenso wie an jenem verhängnisvollen Tage , da sie mein werden sollte , gekleidet . Blühende Myrten und Rosen im künstlich geflochtenen Haar . Die Andacht , das Feierliche des Moments hatte ihre Wangen höher gefärbt , und in dem zum Himmel gerichteten Blick lag der volle Ausdruck himmlischer Lust . Was waren jene Augenblicke , als ich Aurelien zum erstenmal , als ich sie am Hofe des Fürsten sah , gegen dieses Wiedersehen . Rasender als jemals flammte in mir die Glut der Liebe - der wilden Begier auf - » O Gott , - o , all ihr Heiligen ! laßt mich nicht wahnsinnig werden , nur nicht wahnsinnig - rettet mich , rettet mich von dieser Pein der Hölle - Nur nicht wahnsinnig laßt mich werden - denn das Entsetzliche muß ich sonst tun und meine Seele preisgeben der ewigen Verdammnis ! « - So betete ich im Innern , denn ich fühlte , wie immer mehr und mehr der böse Geist über mich Herr werden wollte . - Es war mir , als habe Aurelie teil an dem Frevel , den ich nur beging , als sei das Gelübde , das sie zu leisten gedachte , in ihren Gedanken nur der feierliche Schwur , vor dem Altar des Herrn mein zu sein . - Nicht die Christusbraut , des Mönchs , der sein Gelübde brach , verbrecherisches Weib sah ich in ihr . - Sie mit aller Inbrunst der wütenden Begier umarmen und dann ihr den Tod geben - der Gedanke erfaßte mich unwiderstehlich . Der böse Geist trieb mich wilder und wilder - schon wollte ich schreien : » Haltet ein , verblendete Toren ! Nicht die von irdischem Triebe reine Jungfrau , die Braut des Mönchs wollt ihr erheben zur Himmelsbraut ! « - mich hinabstürzen unter die Nonnen , sie herausreißen - ich faßte in die Kutte , ich suchte nach dem Messer , da war die Zeremonie so weit gediehen , daß Aurelie anfing , das Gelübde zu sprechen . - Als ich ihre Stimme hörte , war es , als bräche milder Mondesglanz durch die schwarzen , von wildem Sturm gejagten Wetterwolken . Licht wurde es in mir , und ich erkannte den bösen Geist , dem ich mit aller Gewalt widerstand . - Jedes Wort Aureliens gab mir neue Kraft , und im heißen Kampf wurde ich bald Sieger . Entflohen war jeder schwarze Gedanke des Frevels , jede Regung der irdischen Begier . - Aurelie war die fromme Himmelsbraut , deren Gebet mich retten konnte von ewiger Schmach und Verderbnis . - Ihr Gelübde war mein Trost , meine Hoffnung , und hell ging in mir die Heiterkeit des Himmels auf . Leonardus , den ich nun erst wieder bemerkte , schien die Änderung in meinem Innern wahrzunehmen , denn mit sanfter Stimme sprach er : » Du hast dem Feinde widerstanden , mein Sohn ! Das war wohl die letzte schwere Prüfung , die dir die ewige Macht auferlegt ! « - Das Gelübde war gesprochen ; während eines Wechselgesanges , den die Klaren Schwestern anstimmten , wollte man Aurelien das Nonnengewand anlegen . Schon hatte man die Myrten und Rosen aus dem Haar geflochten , schon stand man im Begriff , die herabwallenden Locken abzuschneiden , als ein Getümmel in der Kirche entstand - ich sah , wie die Menschen auseinander gedrängt und zu Boden geworfen wurden ; - näher und näher wirbelte der Tumult . - Mit rasender Gebärde , - mit wildem , entsetzlichen Blick drängte sich ein halbnackter Mensch ( die Lumpen eines Kapuzinerrocks hingen ihm um den Leib ) , alles um sich her mit geballten Fäusten niederstoßend , durch die Menge . - Ich erkannte meinen gräßlichen Doppeltgänger , aber in demselben Moment , als ich , Entsetzliches ahnend , hinabspringen und mich ihm entgegenwerfen wollte , hatte der wahnsinnige Unhold die Galerie , die den Platz des Hochaltars einschloß , übersprungen . Die Nonnen stäubten schreiend auseinander ; die Äbtissin hatte Aurelien fest in ihre Arme eingeschlossen . - » Ha ha ha ! - « kreischte der Rasende mit gellender Stimme , » wollt ihr mir die Prinzessin rauben ? - Ha ha ha ! - Die Prinzessin ist mein Bräutchen , mein Bräutchen « - und damit riß er Aurelien empor und stieß ihr das Messer , das er hochgeschwungen in