einander zugeführt hatte . Nicht jeder Tag konnte so erfreulich enden wie dieser ; aber der Zustand beider ward doch erträglich . Wunderbar schien es inzwischen der Gräfin , als sie in der heiligen Zeit von neun Monden , die nach den Berechnungen der Mütter die glückliche Lebensverborgenheit des Menschen begrenzen , als sie über diese neun Monate hinaus , seit jenem unseligen Abende , die Last ihrer Sünde tragen mußte . Zweites Kapitel Niederkunft der Gräfin . Tod des Herzogs von A ... Noch drei Monate vergingen , als sie in der Nacht von einem schönen blonden Knaben entbunden wurde , der zu ihrer Verwunderung des Grafen Züge und ein dunkeles Mal auf seinem Herzen trug , das der Familie des Grafen eigen , von allen als das sichere Zeichen einer reinen Geburt angesehen wurde . Kaum wollte sie es sich , ungeachtet aller dieser Zeichen , eingestehen , daß ihre Schuld wenigstens ohne einen lebendigen wachsenden Vorwurf geblieben ; freudig bewies es ihr der Graf mit zärtlicher Beredsamkeit , daß sie endlich nachgeben mußte , aber sich noch immer wie aus einem schweren Traum erwacht fühlte , und immer noch nicht glauben konnte , daß es ein bloßer Traum gewesen . Jetzt war ihr verziehen vom Grafen , innig und vollkommen , seit dies sein Kind , das entweihte Heiligtum keuscher Liebe wieder geweiht hatte . - Kaum waren die bedenklichen Zeiten des Wochenbettes vorüber , so gestand ihr der Graf , daß seine Liebe durch dieses Kind ihr von neuem auf ewig zugeeignet , nur dieses Schloß und sein Landgut , wo er mit ihr die ersten Zeiten reiner Zärtlichkeit gefeiert , und ihre Schuld betrauert , würde ihrer beider Gefühlen ein ewiger Vorwurf bleiben ; mit Christus wolle er freilich zu jedem sagen , der sie verdammen wolle : wer sich unschuldig fühlt , der werfe den ersten Stein auf sie ; aber diese Steine , die sie in seligen Augenblicken mit mancher sinnvollen Inschrift bezeichnet , sie waren schon drohend gegen das neue Glück gerichtet , das sich endlich nach treu überstandner Prüfung in wiedergewonnener Reinheit entwickeln müsse . Sie fühlte ganz wie er , und hätte auch in jedes andre gewilligt , was seine Ruhe gefördert hätte ; sie sah ein , wie viel mehr er aufgebe in dieser Trennung , wovon er nichts erwähne : lange Arbeiten und alle schönen Lebensplane , in der Jugend empfangen , vom Manne ausgeboren in schönen , wohltätigen Einrichtungen , eigentlich alles , was außer ihr ihm je wert gewesen - und hätte sie nicht schon so lange Reue ertragen gelernt , der Augenblick hätte sie vernichtet . » Aber wohin gedenkst du ? « fragte sie in Verwirrung . - » Zu deiner Schwester « , antwortete der Graf ; » lies diesen trostlosen , schwarz gesiegelten Brief , worin sie den schnellen Tod des Herzogs uns anzeigt , der wahrscheinlich von der Verwandlung seiner ganzen Lebensweise dahin gerafft worden ; sie schreibt es seiner Heiligung zu . Er läßt sie im Besitze eines unermeßlichen Vermögens kinderlos zurück . - Ernstlich fleht sie uns an zu ihr hinzureisen ; gern möchte sie unsere Kinder zu Erben einsetzen und erziehen ; sie müssen unter ihren Händen , mit ihrem Segen gedeihen . « - Der Stolz der Gräfin erwachte hier zum letztenmal . » Lieber Karl « , sagte sie , » aber wie soll ich Schuldige vor der Frommen erscheinen ? « - » Wie vor Gott « , antwortete der Graf , » gestehe ihr deine Schuld , und ihre Liebe versöhnt dich mit dir selbst ! « - Drittes Kapitel Abreise des Grafen und der Gräfin mit ihren Kindern nach Sizilien Nach dieser Unterredung wurde rüstig zur Ausführung des Unternehmens geschritten . Es ist der Vorzug eigener sinnvoller Tätigkeit , die rechtschaffenen Männer leicht zu unterscheiden und sich anzueignen , auch der Graf hatte zweie der Art zur Verwaltung seiner Güter bald auserwählt , die seinen Kindern sie einst überliefern sollten ; er nahm für immer von ihnen Abschied . Das Schloß in der Stadt sollte unverändert , aber unbewohnt bleiben , nur die Zeit , sonst niemand sollte daran ein Recht ausüben . Von seiner Dienerschaft sollte ihn allein der alte Bediente begleiten ; doch sorgte er für alle . - O des ewigen Abschieds von einer stark durchlebten Gegend in Glück und Unglück , Unschuld und Schuld ; tausendmal sterben wir in uns , außer uns : das sei uns Zuversicht , wenn wir wirklich die Augen zudrücken oder zum letztenmal in das Licht starren , das hier unten das höchste , droben das tiefste ist . So scheiden unsre beiden geliebten Pflegekinder auch hier von einem alten Leben ; nur wissen sie nicht , ob die neue Welt , zu der sie eilen , ihnen die kleinste Freude gewährt , die sie hier genossen . Ihrem Sinne war das Neue schon darum lieb , weil es das Alte verlöschte , und wohl ist Italien noch eine neue Welt für jeden Reisenden , der schon das übrige Europa durchschritten , wieviel mehr für sie , die nur einen so kleinen Teil erst gesehen , doppelt für sie bei so gereiztem Gemüte . Sie sah nun das Land , zu dem sie einst von mächtiger Eitelkeit hingetrieben , mit dem reinen Blicke einer größeren Erfahrung , die alle Eitelkeit in ihr vernichtet ; er zog nun in das Land , wohin er als Student mit pochendem Herzen schon getrachtet , aber das er von Liebe zurückgehalten in Freude und Leid ganz vergessen hatte , als ein Student höherer Art , denn das sind alle wahren Reisenden . Von vielem hatte er Kenntnis gewonnen , für alles Sinn ; wie mannigfaltig war da ihre Mitteilung . Nach einem Monate glaubten sie schon , durch Jahre von den verhaßten Begebenheiten geschieden zu sein . Viertes Kapitel Ankunft bei der Herzogin von A ... Neue Lebensweise . Dolores , die gute Mutter Ungeduldig wandle ich mit