selbst den Weg gezeigt , auf dem sie allein noch zu gewinnen ist . Ich werde ihn gehen . « Die Fürstin schreckte empor . Ihr Blick suchte mit banger , angstvoller Frage den seinigen – sie las die Antwort darin . » Du wolltest versuchen – ? « » Was ihr versucht habt . Ihr seid daran gescheitert – ich weiß es – vielleicht gelingt es mir . « In dem Antlitz der Fürstin schien es wie ein Hoffnungsstrahl aufzuflammen , aber er verlosch sofort wieder – sie schüttelte den Kopf . » Nein , nein , das unternimm nicht ! Es ist vergebens . Und wenn ich dir das sage , wirst du wohl überzeugt sein , daß versucht worden ist , was nur im Bereiche der Möglichkeit lag . Wir haben alles aufgeboten und alles umsonst . Pawlick hat seine Treue mit dem Leben bezahlt . « » Pawlick war ein Greis , « versetzte Waldemar , » und überdies eine vorsichtige , ängstliche Natur . Er besaß wohl Aufopferung genug , aber nicht die nötige Umsicht , nicht im entscheidenden Augenblicke die nötige Tollkühnheit . So etwas erfordert Jugend , Verwegenheit und vor allen Dingen ein volles persönliches Eintreten . « » Und die vollste persönliche Gefahr ! Wir haben es erfahren , wie sie dort drüben Grenzen und Gefangene bewachen . Waldemar , soll ich auch dich noch verlieren ? « Waldemar sah sie erstaunt und befremdet bei den letzten Worten an , die wie ein Aufschrei des Schmerzes klangen , aber trotzdem flammte eine helle Röte in seinem Gesichte auf . » Es gilt die Freiheit deines Bruders , « erinnerte er . » Bronislaw ist nicht mehr zu retten , « sagte die Fürstin hoffnungslos . » Setze dein Leben nicht auch noch an unsre verlorene Sache ! Sie hat genug Opfer gekostet . Denke an Pawlicks Schicksal , an den Fall deines Bruders ! « Sie ergriff seine Hand und schloß sie fest in die ihrige . » Ich lasse dich nicht fort . Es war Vermessenheit , wenn ich vorhin sagte , ich hätte nichts mehr zu verlieren ; in diesem Augenblicke fühle ich , daß mir doch noch eins geblieben ist . Ich will mein letztes , mein einziges Kind nicht auch noch hingeben – geh nicht , mein Sohn ! Deine Mutter bittet dich darum . « Das war endlich der Ton , die Sprache des Mutterherzens , die Waldemar noch nie von diesen Lippen gehört hatte . Auch für die stolze , willensstarke Frau war die Stunde gekommen , wo sie alles um sich zusammenbrechen sah und sich verzweiflungsvoll an das einzige klammerte , welches das Schicksal ihr noch gelassen hatte . Der verstoßene , zurückgesetzte Sohn trat endlich in seine Rechte ; freilich hatte sich erst das Grab für seinen Bruder öffnen müssen , um ihn in diese Rechte einzusetzen . Eine andre Mutter und ein andrer Sohn wären sich jetzt wohl in die Arme gesunken , um in aufwallender Zärtlichkeit die lange , tiefe Entfremdung zu vergessen . Diese beiden Naturen waren zu hart und in ihrer Härte einander zu ähnlich , als daß sie sich so schnell hätten wiederfinden sollen . Waldemar sprach kein Wort , aber er zog , zum erstenmal in seinem Leben – die Hand der Mutter an seine Lippen , die lange und fest darauf ruhten . » Du bleibst ? « bat die Fürstin . Er richtete sich empor . Die helle Röte lag noch auf seinem Gesichte , aber die wenigen Minuten hatten es völlig umgewandelt . Groll und Bitterkeit waren verschwunden ; es leuchtete wohl noch Trotz daraus hervor , aber ein freudiger , siegesgewisser Trotz , der bereit ist , das Schicksal in die Schranken zu fordern . » Nein , « entgegnete er , » ich gehe . Aber ich danke dir für diese Worte – sie machen mir das Wagnis leicht . Ihr habt mich von jeher als euren Feind betrachtet , weil ich zu euren Plänen nicht die Hand bot ; ich konnte und kann das auch jetzt nicht , aber den Grafen einem unmenschlichen Urteilsspruche zu entreißen , verbietet mir nichts . Ich will es wenigstens versuchen , und wenn irgend einer , so vollbringe ich es . Du kennst den Sporn , der mich treibt . « Die Fürstin gab ihren Widerstand auf – sie konnte dieser Zuversicht gegenüber nicht ganz hoffnungslos bleiben . » Und Wanda ? « fragte sie . » Sie hat mir heute gesagt : › Wenn mein Vater frei wäre , ich würde den Mut finden , allem zu trotzen , um deinetwillen . ‹ Sage ihr , ich würde sie vielleicht einst an diese Worte erinnern ! Und nun frage mich nicht weiter , Mutter ! Du weißt es ja , ich muß allein handeln , denn nur ich stehe außer Verdacht ; ihr seid beargwohnt und beobachtet . Jeder Schritt , den ihr thut , verrät das Unternehmen ; jede Nachricht , die ich euch sende , gefährdet es . Legt es in meine Hände – und nun lebe wohl ! Ich muß fort – wir haben keine Zeit zu verlieren . « Er berührte noch einmal flüchtig die Hand der Mutter mit seinen Lippen und eilte dann fort . Die Fürstin empfand den schnellen , kurzen Abschied fast schmerzlich ; sie trat an das Fenster , um dem Fortreitenden noch einen Gruß nachzuwinken , aber sie wartete vergebens darauf , daß er zu ihr emporblicken sollte . Wohl suchten seine Augen ein Fenster des Schlosses , als er langsam und zögernd aus dem Hofe ritt , aber es war nicht das ihrige . Sie hingen so fest und beharrlich an Wandas Erkerzimmer , als müsse dieser Blick die Kraft haben , die Geliebte zum Abschiedsgruße heranzuzwingen . Um ihretwillen ging er ja doch allein in das Wagnis , die Mutter , die eben geschlossene Versöhnung , das alles versank , sobald es sich um