wild durcheinander ; aber ich muß mich beruhigen ich will und muß da beginnen , wo ich kurz vor meinem Aufbruch im Frühling stehen blieb also mit der Zeit , in welcher ich als heimathloser Fremdling in New York landete . Und dennoch , was haben mir die drei ersten Jahre meines Aufenthaltes auf dem amerikanischen Continent geboten ? Im Grunde nichts , was der Erwähnung werth wäre . Nicht zum Kaufmann geboren , nicht dazu geschaffen , in der Erwerbung , und oft nicht ganz tadelfreien Erwerbung von Reichthümern meine irdische Glückseligkeit zu finden , machte das Treiben in der mächtigen Weltstadt nichts weniger , als einen freundlichen Eindruck auf mich . Verhältnisse und Menschen widerten mich an , und ohne erst Nachrichten aus der Heimath abzuwarten , begab ich mich gleich westlich , und zwar auf kürzestem Wege nach St. Louis , wo ich bei der Pelz-Compagnie eine Stelle zu erhalten hoffte . Von jeher ein Verehrer der Jagd und in der Handhabung der Büchse nicht ungeübt , glaubte ich alle Fähigleiten und Eigenschaften zu besitzen , welche , neben einem kräftigen und abgehärteten Körper , zum Dienst in den fernen westlichen Wildnissen erforderlich feien . Wie traurig wurde ich enttäuscht ! Zwar erhielt ich eine Stelle , doch war dieselbe nur mit einem geringen Einkommen verbunden , nicht zu gedenken , daß ich als gewöhnlicher Arbeiter betrachtet wurde und in der Expedition , bei welcher ich eintrat , die allerniedrigsten Dienste leisten mußte . Auf bessere Zeiten hoffend , fügte ich mich in das Unabänderliche . Ich tröstete mich damit , daß ich bei redlicher Pflichterfüllung , nach Verlauf einiger Jahre wohl im Stande sein würde , als freier unabhängiger Jäger den fernen Westen zu durchstreifen und nur da einen längeren Aufenthalt zu wählen , wo die Natur selbst mir eine Entschädigung für das biete , was ich die Einsamkeit aufsuchend , hinter mir zurückgelassen ich meine Kräfte nicht überschätzt hatte , denn nach Ablauf derselben war ich im Besitz solcher Erfahrungen , daß ich mich kühn zu den gediegensten und gewandtesten Jägern im Dienste der Compagnie zählen durfte . Beim Stellen der Fallen kam mir zu Statten , daß ich mich nicht nur auf das Erlernen der praktischen Handgriffe beschränkte , sondern auch aufmerksam die Natur und Eigenthümlichkeiten der Biber , Moschusratten , Otter und sonstiger werthwollen Thiere beobachtete und erforschte , wie ich es in der Führung der Büchse durch eine kaum mit meinen Jahren aber , mir meinen traurigen Lebenserfahrungen im Einklange stehende Ruhe zu einer gewissen Meisterschaft brachte . Diese Ruhe , oder vielmehr die Gleichgültigkeit gegen Alles , was meine eigene Person betraf , war ein Schatz , um welchen ich von Vielen meiner Kameraden und Gefährten beneidet wurde , ein Schatz , der mir oft aus schwierigen , ja bedenklichen Lagen half , in welchen alle übrigen guten Eigenschaften eines . Trappers sich als unzureichend ausgewiesen haben würden . Die Häupter der Pelz-Compagnie erkannten diese Vorzüge sehr wohl an , denn wenn es bei meinem Eintritt in ihre Dienste von meiner Seite vieler guten . Worte bedurfte , um überhaupt der ausgewählten Schaar ihrer Voyageurs eingereiht zu werden , so machten sie mir nach Ablauf der ersten zwei Jahre wiederum ihrerseits die glänzendsten Anerbietungen , wenn ich den Posten eines Secretairs auf einer ihrer abgelegenen befestigten Handelsstationen übernehme wolle . Geld konnte mich indessen nicht verlocken ; die Gesellschaft der wilden , räuberähnlichen Gestalten des Westens , auf welche ich vorzugsweise angewiesen war , befriedigte mich nicht , die tiefe Einsamkeit in einer wenig besuchten Wildniß sagte mir mehr , zu , und trotz aller Anerbietungen von Seiten der Chefs , trotz aller , gewiß schwer wiegenden Bitten von alten treuen Jagdgefährten , erklärte ich zu Anfang des dritten Jahres meinen festen Entschluß , es nunmehr , einmal als unabhängiger Freitrapper versuchen zu wollen . Ausgerüstet mit zwei kräftigen , abgehärteten und ausdauernden Pferden , dem entsprechenden Pulvervorrath , einigen Kalten , Decken , Salz und zwei Säcken Mehl , verließ ich beim ersten Beginn des Frühlings die westliche Colonie St. Joseph . Mein nächstes Ziel war der Zusammenfluß des Yellow-Stone-Flusses mit dem Missouri , von wo aus ich meine Jagdausflüge zu unternehmen gedachte . Wo ich den Winter zubringen würde , wußte ich noch nicht ; es sollte dies eben davon abhängen , wo sich mir in der Nähe von fließenden Gewässern nicht nur ein gutes Jagdrevier , sondern auch eine meinen Neigungen entsprechende Gelegenheit zur Gründung einer zeitweiligen , und vor allen Dingen ungestörten Häuslichkeit bieten würde . Mit solchen Absichten verließ ich also St. Joseph , und jagend und hin und wieder auch kleine Tauschgeschäfte mit den Indianern betreibend , zog ich auf dem rechten Ufer des Missouri stromaufwärts vollständige Abgeschiedenheit in der romantischen Wildniß gefiel mir besser , als ich eigentlich erwartet hatte ; ich brauchte nicht mehr auf die Wünsche und Forderungen anderer Menschen Rücksicht zu nehmen ; wo es mir behagte , blieb ich , und wo die Umgebung meinen Neigungen nicht entsprach , da ließ ich , mich sogar nicht einmal durch Wildreichthum zum längeren Verweilen bestimmen . Gerade auf dieser Reise war es auch , auf welcher ich den Entschluß faßte , meine Lebensgeschichte , niederzuschreiben . Die erste Anregung dazu hatte ich bereits im vorhergehenden Winter erhalten , als ich auf einer kleinen Nebenstation auf Monate eingeschneit war und , inmitten meine rauhen Gefährten keine andere Beschäftigung fand , als die , daß ich mich vor das mächtige Kaminfeuer hinstreckte und meine Vergangenheit immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge vorüberziehen ließ . Damals befand ich mich in der Gesellschaft von mir wohlgesinnten Menschen , und dennoch peinigte mich zeitweise die schrecklichste , geisttödtende Langeweile . Wie ganz anders wäre es gewesen , hätte ich mich schon damals mit ausreichenden Schreibmaterialien versehen gehabt . Doch es war ja noch nicht zu spät ; ich hatte vielleicht noch manchen Winter zu erwarten , und mit einer geheimen Freude vergegenwärtigte ich mir den