Dichtung : » If thou wouldst view fair Melrose aright etc. « Meine von Jugend auf gehegte Vorliebe für diese stillen , gaisblattumrankten Pfarrhäuser , deren Giebel auf den Kirchhof sieht , – ich fühlte sie wieder lebendig werden und empfand deutlicher als je zuvor die geistige Bedeutung dieser Stätten . In der Tat , das Pfarrhaus ist nach dieser Seite hin dem Herrenhause weit überlegen , dessen Ansehen hinschwindet , seitdem der alten Familien immer weniger und der zu » Gutsbesitzern « emporsteigenden ländlichen und städtischen Parvenus immer mehr werden . Und noch ein anderes kommt hinzu . Der Adel , soweit er ums Dasein ringt , vermag kein Beispiel mehr zu geben oder wenigstens kein gutes , soweit er aber im Vollbesitz seines alten Könnens verblieben ist , entzieht er sich zu sehr erheblichem Teile der Dorfschaft und tritt aus dem engeren Zirkel in den weiter gezogenen des staatlichen Lebens ein . Das Pfarrhaus aber bleibt daheim , wartet seines Gartens und okuliert den Kulturzweig auf den immer noch wilden Stamm . Daß ich hier ein Ideal schildere , weiß ich . Aber es verwirklicht sich jezuweilen und an vielen hundert Stellen wird ihm wenigstens nachgestrebt . Protzen Die Familie Quast in Protzen ( 1652-1752 ) Die Familie Quast in Protzen ( 1652 – 1752 ) Um 1652 waren die Gadows , wahrscheinlich infolge des Kriegselendes , derart verschuldet , daß sie Protzen nicht mehr halten konnten . Sie verkauften es um die genannte Zeit an ihren Gutsnachbar Otto von Quast , der nach diesem Kaufe sein väterliches Gut Garz aufgab und nach Protzen hinüberzog . Der Grund zu diesem Gutsankaufe seitens der Quaste lag in einem starken Familiengefühl . Albrecht Christoph von Quast , von dem das folgende Kapitel ausführlicher handeln wird , hatte , wie so viele von denen , die » lieber Hammer als Ambos « sein wollten , im Laufe des Dreißigjährigen Krieges ein Vermögen erworben und gedachte dasselbe zu Güterkäufen in Mähren zu verwenden . Seine von alter Zeit her im Ruppinschen ansässige Familie wünschte jedoch den einflußreichen Mann , der um 1652 der berühmteste Träger ihres Namens war , im Lande zu behalten , und so wurde Garz , das älteste Quastsche Familiengut , seitens seines Vetters Otto an den Generalfeldwachtmeister und Eroberer der Insel Fünen Albrecht Christoph von Quast abgetreten . Otto von Quast aber kaufte nunmehr , wie schon hervorgehoben , an Stelle des alten Familiengutes das nahegelegene Protzen und freute sich der Sonne , die von Garz aus herüberschien . Die Quaste verblieben von jener Zeit an durch vier Generationen im Besitze von Protzen . 1682 mußte der alte Turm abgetragen und ein neuer errichtet werden . Der damalige Besitzer von Protzen war Alexander Ludolf , ältester Sohn des vorerwähnten Otto von Quast . Er unterzog sich der Renovierung und ließ gleichzeitig ein Schriftstück anfertigen , das in dem Turmknopf aufbewahrt wurde . Dieser Turmknopf saß hundertelf Jahre lang unter Wind und Wetter fest , und was die Welt bis zu jenem Zeitpunkt über Protzen und die hundertjährige Herrschaft der Protzener Quaste wußte , war gleich Null . Da kam 1793 ein Sturm , warf den Turmknopf in die Dorfstraße hinunter und brachte dadurch das urkundliche Schriftstück von 1682 ans Licht . Es umfaßte nur vier Seiten , gab aber über die früheren Besitzverhältnisse des Dorfes genügendes Material an die Hand . Auch anderweite Notizen waren mit eingeflochten . So hieß es beispielsweise über den Turmbau : » Weil die Mauer an einer Ecke bis auf die Turmtür von Grund aus zerfallen war , ließen wir Michael Dietzel aus Schleiz im Vogtlande kommen ; den Turmbau selbst aber übertrugen wir einem berühmten Zimmermann und Turmbauer , dem Meister Hans Kraatzen aus Seegefeld bei Spandau , einem Untertanen des Herrn von Ritbeck . « Dann an anderer Stelle : » Als die oberste Fahnschwelle aufgebracht werden sollte , wurde der sechzig Jahre alte Kirchenvorsteher Balzer Schleuß , ein frommer , ehrlicher Mann , aus einer › unglücklichen Unvorsichtigkeit ‹ erschlagen , welcher indes , » da er ein Unglück bei diesem Turmrichten befürchtet und sich den Tag zuvor mit Gott versöhnet und das hochwürdige Abendmahl andächtig genossen hatte , ohne Zweifel wohlselig gestorben ist . « Alexander Ludolf , der auch Güter an der Ostseite des Ruppinschen Sees in seinen Besitz brachte , ist der Gründer der noch blühenden Radenslebener Linie . Sein schönes Porträt , gute niederländische Schule , befindet sich im Herrenhause zu Radensleben . Er war zweimal verheiratet , erst mit einer von Katte , dann mit einer von Grävenitz , und hatte zehn Kinder aus diesen beiden Ehen . Er scheint damals durch Besitz , Charakter und Familienverbindungen eine der angesehensten Persönlichkeiten der Grafschaft und der Kurmark überhaupt gewesen zu sein . Das Ansehen , das der Generalfeldwachtmeister Albrecht Christoph von Quast unmittelbar vor ihm genoß , ging wenigstens partiell auf ihn über . Die Familie Kleist in Protzen ( 1752-1826 ) Die Familie Kleist in Protzen ( 1752 – 1826 ) Im Jahre 1752 ging Protzen ( das damals einem erst wenige Jahre zuvor in den Besitz des Guts gekommenen Albrecht Friedrich von Quast gehörig war ) in die Hände des Generalleutnants von Kleist über . Die Kleiste besaßen es dann vierundsiebzig Jahre , wovon ein erheblicher Teil , mindestens einundzwanzig , auf zwei Witwenherrschaften fällt . Lassen wir diese Übergangszeiten außer Betracht , oder richtiger legen wir das jedesmalige Witweninterregnum dem voraufgegangenen eigentlichen Herrscher zu , so folgen sich nachstehende drei Kleiste im Besitze von Protzen : Generalleutnant Franz Ulrich von Kleist , einschließlich Witwenherrschaft von 1752 – 1770 ; Fähnrich Gustav von Kleist , einschließlich Witwenherrschaft von 1770 – 1803 ; Louis von Kleist , später Generalleutnant , von 1803 – 1826 . Protzen von 1752 – 1770 Generalleutnant von Kleist , so scheint es , begann damit , Park und Herrenhaus standesgemäß herzurichten . Letzteres zeigt über der Eingangstür noch das Doppelwappen der Kleist und Lepel , welcher letztern Familie die Gemahlin