, und sie standen ineinander verschlungen wie zwei Kämpfer , welche die Kräfte ihrer Liebe messen wollen . Hastig sprang er auf einmal zurück und riß die Uhr aus der Tasche . » Noch zehn Minuten , Konstantie , sind unser , und dann « - hier überwältigte ihn das Ursprüngliche seines Charakters , das Träumen der Zukunft , das Verzagen am Glück - » ach Konstantie , « sagte er mutlos , » wird unsere Freude wiederkehren ? « Konstantie , welche die Hände auf die Augen gedrückt hielt , gleich als wollte sie die schöne Welt des Augenblicks , welche in ihrem bewegten Herzen rollte , keinen Moment entfliehen lassen , sagte mit weicher Stimme : » Komm , komm zu mir , was kümmert uns die Zukunft , da der Augenblick so schön ist , komm , laß mich dein Auge küssen . « - » So , mein Herz , bist du nicht auch so glücklich , kannst du jetzt an etwas anderes denken ? « Das ist der Vorteil leidenschaftlicher Wesen : der Genuß der Gegenwart wird ihnen nicht durch den leisesten Gedanken an das , was kommen könnte , getrübt , keine Zukunft kümmert sie , auch wenn sie schon an die Tür klopft . Aber Valerius , den jetzt schon der Trennungsgedanke und das , was hinter dieser Nacht lag , quälte , entbehrte dieses Vorteils , und er hörte denn auch zuerst Stimmen und Geräusch im Garten . Konstantie wollte nicht daran glauben , aber er nötigte sie , aufzuhorchen . Das Geräusch war unter den Fenstern ihres Zimmers , die , an der Rückseite des Hauses , nach dem Garten führten . Konstantie löschte die Lampe aus und öffnete leise das Fenster . » Seht , nach dem Gartenhause « - es war die Stimme des alten Grafen - » ob er vielleicht dort entkommen kann , « eben schlug ' s vom nächsten Turme dreiviertel auf zwölf . » Ich muß fort , Konstantie ! « - » Um Gottes willen nicht in diesem Augenblicke . « Beide schwiegen eine Zeitlang und horchten . Man hörte nichts mehr in der Nähe , aber hinten am Gartenhause rief hie und da ein Bedienter dem andern zu . Konstantie glaubte wahrzunehmen , daß sie zurückkämen , und die Jalousien des bedeckten Ganges untersuchten . Valerius gürtete sich den Degen um , suchte seinen Mantel im Dunkeln , und stand nun reisefertig wie auf Kohlen . » Öffne mir das andere Zimmer , « flüsterte er endlich , » das Stockwerk ist niedrig , ich werde auf die Straße hinunterspringen . « Konstantie schwieg noch eine Weile ; dann ermannte sie sich plötzlich und ging mit raschen Schritten nach ihrem Umschlagetuche . » Laß das dumme Volk , « sagte sie dann und trat zu Valerius , » sie mögen sehen und erfahren , was sie wollen , es ist kein bloßes Liebesabenteuer zwischen uns ; einen Abschiedskuß , und noch einen , und den letzten ; nun komm , ich bring ' dich selbst hinunter , mag uns begegnen , wer da will . « » Nicht doch , Konstantie . « » Doch , widersprich mir nicht , es ist umsonst , mein Entschluß ist fest ; es schlägt den Augenblick zwölf . « Sie gingen . » Leise - leise , drück die Säbelscheide an dich , « flüsterte Konstantie , als sie im bedeckten Gange wirklich die Bedienten an den Jalousien rütteln und sprechen hörten . » Alles ist fest , « sagte der eine , » die Tür dort ist auch verschlossen , er muß in irgend einem Winkel stecken - übrigens , Johann , wenn ich meine Meinung sagen soll , ein Spitzbube war ' s gewiß nicht , ' s war nur ein Augenblick , daß ich ihn sehen konnte , aber so sieht ein Spitzbube nicht aus , ' s war ganz gewiß ein Edelmann . « » Aber was sollte denn der - « sprach der Angeredete . » Pst , Johann , « unterbrach ihn der erste . Die Stimmen entfernten sich . Valerius und Konstantie kamen unangefochten ins Gartenhaus , und fanden auch da nichts Verdächtiges . Er öffnete die Tür nach der Straße , sie umarmte ihn noch einmal mit aller Leidenschaft , welche die ängstliche Situation um nichts vermindert zu haben schien . » Leb wohl , wohl , mein Herz , mein alles , leb wohl . « Er flog durch die Straßen , und schrie schon von weitem » Magyac - Magyac ! « Dieser kam mit den Pferden herbei . » Herr , da schlägt es zwölf , wir werden zu spät kommen . « Beide waren mit einem Sprunge im Sattel , und in gestrecktem Galopp ging es nach der Weichselbrücke hinab durch die finstern , schweigsamen Gassen . 25. Ungeduldig erwartete ihn Stanislaus an der Brücke . Skrzynecki mit dem Generalstabe war schon fort , die beiden jungen Offiziere sprengten in größter Eile durch Praga , die beiden Gemeinen - Magyac war in das Regiment getreten - in gleicher Eile hinterher . So ging es über die Fläche hin , welche auf der Ostseite Warschaus bis an die Wälder läuft . Die Nacht war still und dunkel , aber die breite Chaussee erlaubte den Reitern die schnellste Bewegung . Diese Chaussee führt von Warschau durch die Wälder über Wavre , Dembe , Minsk , Siedlce nach den tieferen polnischen Provinzen , nach dem eigentlichen Rußland hinein , und sie ward bis in die Mitte des Sommers 1831 der Mittelpunkt aller Heerbewegungen . Kaum eine Stunde von Warschau beginnen die Wälder . Hier holten die vier Reiter den Generalstab ein . Stanislaus schloß sich an einen der vorderen Offiziere , und Valerius , der sich fortwährend zu ihm hielt , hörte einen Teil der Orders mit an , welche eine sanfte Stimme austeilte . Sie gehörte einem hohen Manne , der auf einem großen Pferde ritt