nicht ? « » Weil dort zehn bewaffnete Soldaten stehen . Der größte Mut ist ohnmächtig , wenn er keine Waffen hat . « » So müssen wir nach dem Passe des Couriers hinüber . « » Der ist mit noch mehr Leuten besetzt . « » Wißt ihr das genau ? « » Ja . « » So bleibt uns nur der Versuch , nach rechts oder links durchzubrechen . Ich habe das schon versucht , doch meine Pferde hielten es nicht aus . « » Mit diesen hier wird es vielleicht gelingen , « meinte Kara . » Nein , « sagte Tifl . » Warum nicht ? « » Sieh hinter dich ! « Als Kara dieser Aufforderung folgte und sich umschaute , sah er , daß die Perser einen Entschluß gefaßt hatten . Sie unterließen es , den Flüchtlingen zu folgen . Sie hatten sich wieder in zwei Abteilungen getrennt , welche in Galopp die Richtung nach den beiden Pässen einschlugen . » Sie trachten darnach , uns die beiden einzigen Wege zu den Dschamikun zu verlegen , « sagte der Scheik . » Aber sie werden uns dabei nicht aus den Augen lassen , « fügte Kara hinzu . » Wollen wir nach rechts oder links , so sind sie gewiß schnell da . Ich möchte ihre Kugeln mehr wegen unserer Pferde als wegen uns selbst vermeiden . Soll ich daheim die Schande erleben , erzählen zu müssen , daß so edles , unersetzliches Blut durch das Blei solcher Leute zu Grunde gehen mußte ? « » So weiß ich keinen Rat ! « » Aber ich ! « erklärte Tifl . » Welchen ? « » Wir können zwischen den Pässen hinüberkommen . « » Hamdulillah ! « rief da der Scheik erfreut aus . » Giebt es denn noch einen Weg ? « » Einen Weg nicht , aber doch die Möglichkeit , die andere Seite zu erreichen , ohne daß man zu klettern braucht . Niemand ist so oft in diesen Bergen gewesen wie ich . Ich suchte da nach heilsamen Kräutern für den Pedehr . « » So suchen wir diese Richtung auf ! « » Aber wir können da nicht reiten , sondern wir müssen gehen . Niemand darf von einem Pferde mehr fordern , als es leisten kann . « » So steigen wir ab , sobald es nötig ist ! « » Also kommt ! « Tifl wollte bei diesen Worten seine Stute antreiben , doch forderte Kara ihn auf : » Halt , noch nicht so schnell ! Sag uns erst , wie lange es dauert , bis wir die Höhen hinter uns haben werden ! « » Das Kind « sah nach dem Stande der Sonne und antwortete sodann : » Wir werden noch vor der Dämmerung die jenseitige Ebene erreichen . « » Aber wahrscheinlich nicht wir allein . « » Wer noch ? « fragte der Scheik . » Das Militär . « » Du denkst , daß man hinter uns hersteigen werde ? « » Auch das ist möglich , doch meinte ich etwas Anderes . Die Soldaten beobachten uns . Wenn sie sehen , daß wir versuchen , hier in gerader Richtung über die Höhen zu kommen , werden sie schnell zu beiden Seiten durch die Pässe reiten , um uns drüben zu empfangen . Dann bleibt uns weiter nichts übrig , als in die Felsen zurückzukehren . Dann aber ist es Nacht geworden ; wir müssen im Gebirge bleiben und uns früh am Morgen von neuem jagen lassen . « » Da aber käme uns Hilfe von Pedehr . « » Meinst du ? « » Ja . Denn da ich dich in Tifls Begleitung sehe , so vermute ich , daß du jetzt Gast der Dschamikun bist . « » Das ist allerdings der Fall . « » So kannst du dich auf die von mir vermutete Hilfe fest verlassen . Weiß man , wohin ihr geritten seid ? « » Nicht genau . Aber man hat gesehen , in welcher Richtung wir uns entfernten . « » Das ist genug . Wenn ihr nicht nach Hause kommt , wird man euch suchen . « » Man wird nicht suchen ! « fiel Tifl ein . » Doch ! « behauptete der Scheik . » Nein ! « lächelte das Kind . » Warum nicht ? « » Weil wir zur rechten Zeit nach Hause kommen werden . « » Bist du überzeugt davon ? « » Ja . « » So schwöre ! « Das klang im höchsten Grade ernst . Genau so , als ob es sich um Tod oder Leben handle . Darum schaute Kara den Scheik überrascht an . Dieser aber sah nichts weniger als ernst , sondern jetzt sogar ganz heiter aus . » Du wunderst dich über mich ? « fragte er . » Ich sehe , daß du unsern Tifl noch nicht kennst . Er hat gar manches Geheimnis unter seiner alten Mütze stecken . Also , Tifl , willst du das , was du sagtest , beschwören ? « » Nein , « antwortete der Gefragte . » Warum nicht ? « » Weil ich niemals schwöre : Mein guter Ustad sagt , daß es Sünde sei . Es ist also verboten ! « Er sagte das so treuherzig bestimmt , so rührend überzeugt , so kindlich gehorsam , daß der neben ihm reitende Kara ihm die Hand hinstreckte und beistimmend zu ihm sagte : » Ja , es ist verboten ! Auch bei uns , den Hadeddihn . Mein Vater weiß von Kara Ben Nemsi , daß jeder Schwur eine Sünde an Allahs Namen ist . « » Aber eine Beteuerung ist erlaubt ? « fragte der Scheik , indem er schalkhaft zu Tifl hinüberlächelte . » Ja , « nickte dieser . » Nun , so beteure es ! « Da nahm Tifl mitten im Reiten und zwar mit einer