Berlin zurück . Vielleicht sogar nach mir . « » Kein Zweifel « , sagte Dubslav . Die Gräfin selbst aber fuhr fort : » Ehe man nämlich ganz Abschied von dem alten Leben nimmt , sehnt man sich noch einmal gründlich danach zurück . Freilich , Schwester Armgard wird weniger davon empfinden als andere . Sie hat eben den liebenswürdigsten und besten Mann , und ich könnt ihn ihr beinah beneiden , trotzdem ich noch im Abschiedsmoment einen wahren Schreck kriegte , als ich ihn sagen hörte , daß er morgen vormittag mit ihr vor die Sixtinische Madonna treten wolle . Worte , bei denen er noch dazu wie verklärt aussah . Und das find ich einfach unerhört . Warum , werden Sie mich vielleicht fragen . Nun denn , weil es erstens eine Beleidigung ist , sich auf eine Madonna so extrem zu freuen , wenn man eine Braut oder gar eine junge Frau zur Seite hat , und zweitens , weil dieser geplante Galeriebesuch einen Mangel an Disposition und Ökonomie bedeutet , der mich für Woldemars ganze Zukunft besorgt machen kann . Diese Zukunft liegt doch am Ende nach der agrarischen Seite hin , und richtige Dispositionen bedeuten in der Landwirtschaft so gut wie alles . « Der alte Graf wollte widersprechen , aber Melusine ließ es nicht dazu kommen und fuhr ihrerseits fort : » Jedenfalls - das ist nicht wegzudisputieren - fährt unser Woldemar jetzt in das Land der Madonnen hinein und will da mutmaßlich mit leidlich frischen Kräften antreten ; wenn er sich aber schon in Deutschland etappenweise vertut , so wird er , wenn er in Rom ist , wohl sein Programm ändern und im Café Cavour eine Berliner Zeitung lesen müssen , statt nebenan im Palazzo Borghese Kunst zu schwelgen . Ich sage mit Vorbedacht : eine Berliner Zeitung , denn wir werden jetzt Weltstadt und wachsen mit unserer Presse schon über Charlottenburg hinaus ... Übrigens läßt , wie das junge Paar , so auch die Baronin bestens grüßen . Eine reizende Frau , Herr von Stechlin , die grad Ihnen ganz besonders gefallen würde . Glaubt eigentlich gar nichts und geriert sich dabei streng katholisch . Das klingt widersinnig und ist doch richtig und reizend zugleich . All die Süddeutschen sind überhaupt viel netter als wir , und die nettesten , weil die natürlichsten , sind die Bayern . « Sonnenuntergang Sechsunddreißigstes Kapitel Der alte Dubslav , als er bald nach elf auf seinem Granseer Bahnhof eintraf , fand da Martin und seinen Schlitten bereits vor . Engelke hatte zum Glück für warme Sachen gesorgt , denn es war inzwischen recht kalt geworden . Im ersten Augenblicke tat dem Alten , in dessen Coupé die herkömmliche Stickluft gebrütet hatte , der draußen wehende Ostwind überaus wohl , sehr bald aber stellte sich ein Frösteln ein . Schon tags zuvor , bei Beginn seiner Reise , war ihm nicht so recht zumute gewesen , Kopfweh , Druck auf die Schläfe ; jetzt war derselbe Zustand wieder da . Trotzdem nahm er ' s leicht damit und sah in das Sterngeflimmer über ihm . Die wie Riesenbesen aufragenden Pappeln warfen dunkle , groteske Schatten über den Weg , während er die nach links und rechts hin liegenden toten Schneefelder mit den wechselnden Bildern alles dessen , was ihm der zurückliegende Tag gebracht hatte , belebte . Da sah er wieder die mit rotem Teppich belegte Hotelmarmortreppe mit dem Oberkellner in Gesandtschaftsattachéhaltung und im nächsten Augenblicke den Garnisonkirchenküster , den er anfänglich für einen zur Feier eingeladenen Konsistorialrat gehalten hatte . Daneben aber stand die blasse , schöne Braut und die reizende , bieg- und schmiegsame Melusine . » Ja , der alte Barby , wenn er auf die sieht , der hat ' s gut , der kann es aushalten . Immer einen guten und klugen Menschen um sich haben , immer was hören und sehen , was einen anlacht und erquickt , das ist was . Aber ich ! Ich für meinen Teil , gleichviel , ob mit oder ohne Schuld , ich war immer nur auf ein Pflichtteil gesetzt - als Kind , weil ich faul war , und als Leutnant , weil ich nicht recht was hatte . Dann kam ein Lichtblick . Aber gleich darnach starb sie , die mir Stab und Stütze hätte sein können , und durch all die dreißig Jahre , die seitdem kamen und gingen , blieb mir nichts als Engelke ( der noch das Beste war ) und meine Schwester Adelheid . Gott verzeih mir ' s , aber ein Trost war die nicht ; immer bloß herbe wie ' n Holzapfel . « Unter solchen Betrachtungen fuhr er in das Dorf ein und hielt gleich darnach vor der Tür seines alten Hauses . Engelke war schon da , half ihm und tat sein Bestes , ihn aus der schweren Wolfsschur herauszuwickeln . Der immer noch Fröstelnde stapfte dabei mit den Füßen , warf seinen Staatshut - den er unterwegs , weil er ihn drückte , wohl hundertmal verwünscht hatte - mit ersichtlicher Befriedigung beiseite und sagte gleich danach beim Eintreten in sein Zimmer : » Ach , das is recht , Engelke . Du hast ein Feuer gemacht ; du weißt , was einem alten Menschen guttut . Aber es reicht noch nicht aus . Ob wohl unten noch heißes Wasser ist ? So ' n fester Grog , der sollte mir jetzt passen ; ich friere Stein und Bein . « » Heiß Wasser is nicht mehr , gnädiger Herr . Aber ich kann ja ' ne Kasseroll aufstellen . Oder noch besser , ich hole den Petroleumkocher . « » Nein , nein , Engelke , nicht soviel Umstände . Das mag ich nicht . Und den Petroleumkocher , den erst recht nich ; da kriegt man bloß Kopfweh , und ich habe schon genug davon . Aber bringe mir den Cognac und kaltes Wasser . Und wenn man dann so