! Und kränke mich namenlos ! « Es zuckte bei dieser Beteuerung um den rosigen Mund , aber der Glanz der Augen harmonierte nicht mit dem klagenden Stoßseufzer . » Wohin sind die anderen Wagen gefahren ? « » Die anderen ? Zu Frau Herwegh . « » Kommen Sie ! Schnell ! Ich fahre mit Ihnen ! « Sie eilte auf den geschlossenen Wagen zu , der einsam vor dem Portal der Kirche zurückgeblieben war . Forbeck zögerte , aber Kitty drängte : » Schnell ! Nur schnell ! « Im Wagen zog sie die Falten ihres Kleides an sich und rückte in die Ecke , um Platz für ihn zu machen . Schaukelnd rollte die Kutsche über das Pflaster . » Erzählen Sie ! Wie war es in der Kirche ? « » Eine stille , kurze Feier , schön und ergreifend ! Wir zehn Menschen , ganz allein in dem gewaltigen , ernsten Bau ! Es war wie ein heiliges Geheimnis . Ich hatte ein Gefühl , als sähe ich vor meinen Augen ein Wunder werden . « » Ein Wunder ? « » Gibt es ein Wunder , das schöner wäre als das Glück zweier Menschen , die von der Natur füreinander geschaffen wurden wie das Licht für den Tag ? Sie hätten das sehen müssen : wie sie die Ringe tauschten und die Hände verschlangen , als wollten sie sich nimmer , nimmer lassen . Zwei Menschen , die eins geworden für das Leben ! « » Wie schön ! « Kittys Augen träumten ins Leere , und ein sehnsüchtiges Lächeln spielte um den halb geöffneten Mund . » Und das hab ' ich versäumen müssen ! Aber nun bin ich da ! Wie ich mich freue auf Tas und Anna ! Ich will mich satt sehen an ihrem Glück ! « » Sie hoffen Ihren Bruder noch hier zu finden ? « stammelte Forbeck erschrocken . » Sie wissen nicht - « » Was ? « » Das junge Paar ist von der Trauung zur Bahn gefahren . « In Entsetzen schlug Kitty die Hände zusammen . » Sie reisen an den Rhein und fahren heute bis Stuttgart , mit dem Zug um zwei Uhr zehn . « Als Forbeck die ratlose Bestürzung sah , die aus Kittys Augen redete , zerrte er die Uhr hervor . » Es wäre möglich - « Er riß das Fenster auf und schrie : » Zum Bahnhof ! Schnell ! Nur schnell ! « Während der jähen Schwenkung , die der Wagen machte , jammerte Kitty : » Wir müssen zurechtkommen ! Ich kann doch diese Reise nicht gemacht und Papas Unwetter über mich heraufbeschworen haben , ohne Tas und Anna zu sehen ! « » Bitte , Komtesse , beruhigen Sie sich ! « tröstete Forbeck , mit der Uhr in der Hand . » Wir haben noch zwanzig Minuten Zeit ! « Er öffnete die Kupeetür ; den einen Fuß im Wagen , den anderen auf dem Trittbrett , debattierte er mit dem Kutscher . Ein knallender Peitschenschlag , die Pferde fielen in Galopp . » Gott sei Dank ! « stammelte Kitty . » Und wer hat Tas und Anna zur Bahn begleitet ? Willy ? Oder sind sie allein gefahren ? « » Allein . « » Und Willy ? Wo ist Willy ? « Forbeck verstand die Frage nicht . » Willy ! Mein Bruder Willy ! Sie müssen ihn doch heute kennengelernt haben ! Bei der Trauung ! « » Nein , Komtesse ! Ihr Herr Bruder war bei der Trauung nicht zugegen . « Kitty erschrak , daß ihre Wangen sich verfärbten . » Das ist doch ganz unmöglich ! Er ist doch eigens hergefahren , damit Tas am heutigen Tag nicht allein wäre ! « In jagenden Worten erzählte sie von der Verabredung , die sie mit Willy getroffen hatte , von seinem vermeintlichen Wortbruch , von ihrer Vermutung , daß er in der Nacht gefahren wäre , allein , um ihr den Unwillen des Vaters zu ersparen . » Und nun ist er nicht hier ! Und nicht daheim ! Wie soll ich denn das begreifen ? « Forbeck suchte sie zu beruhigen ; dabei empfand er eine Sorge , die ihm die Worte durcheinanderwirrte . Das bemerkte Kitty , und nun begann sie selbst nach einer Möglichkeit zu suchen , die Willys Abwesenheit erklären konnte . Vielleicht hatte er in der Eile einen falschen Zug bestiegen und die Versäumnis nicht wieder einholen können ? » Da machen wir uns das Herz schwer , « sagte sie , » und mein Bruder Leichtfuß sitzt , der Himmel mag wissen , wo , und ist kreuzfidel ! Wenn ich wieder daheim bin , wird sich alles aufklären ! Wir beide wollen miteinander noch lachen über die Sorge , die wir uns gemacht haben . Wann kommen Sie wieder nach Hubertus ? Ihr Bild dürfen Sie nicht warten lassen . Nun haben Sie meinen Bruder Tas den Freundschaftsdienst geleistet , um den er Sie gebeten hat , nun sind Sie wieder Herr Ihrer Zeit . Wann kommen Sie ? « Erschrocken sah Forbeck zu ihr auf ; er schien sprechen zu wollen und brachte keinen Laut heraus . Jedes Wort war auch überflüssig ; die ratlose Pein , die ihm das Herz bedrückte , redete deutlich aus seinen Augen . Kitty wurde von einem ihr ganzes Wesen verstörenden Schreck befallen . » Herr Forbeck ? « stammelte sie . » Warum geben Sie mir keine Antwort ? Sie sind doch nur gegangen , weil Tas sie darum gebeten hat ? « Sie wurde heftig . » So sagen Sie doch ja ! Oder ich weiß wahrhaftig nicht mehr , was ich denken soll . « Er versuchte zu lächeln , wollte sich zu einer Ausflucht zwingen und konnte nicht lügen . Durch Kittys angstvollen Blick um den letzten Rest seiner Fassung gebracht , schlug er die Hände vor das Gesicht