lautes Schluchzen aus . Auch Friedrich blieb nicht trockenen Auges , indem er die Trauernde an sein Herz drückte . Gesprochen wurde in dieser ersten Minute gar nichts . Was man sich in solchen Augenblicken - beim ersten Wiedersehen nach einem schweren Unglücksfall - zu sagen hat , das drücken Thränen vollständig aus ... Sie führte uns an ihren Sitzplatz zurück und wies uns nebenstehende Sessel an . Dann , nachdem sie die Augen getrocknet : » Mein Neffe , Oberst Baron Tilling , - Herr Militäroberpfarrer und Konsistorialrat Mölser , « stellte sie vor . Stumme Verneigungen wurden gewechselt . » Mein Freund und geistlicher Berater , « ergänzte sie , » der es sich angelegen sein läßt , mich in meinem Schmerze aufzurichten - « » Dem es aber leider noch nicht gelungen ist , Ihnen die richtige Ergebung , die richtige Freudigkeit des Kreuztragens beizubringen , geschätzte Freundin , « sagte Jener . » Warum mußte ich eben einen neuerlichen , so mattherzigen Thränenerguß sehen ? « » Ach , verzeihen Sie mir ! Als ich meinen Neffen und seine liebe junge Frau zum letzten Male sah , da war mein Gottfried - « Sie konnte nicht weiter reden . » Da war Ihr Sohn noch auf dieser sündigen Welt , allen Versuchungen und Gefahren ausgesetzt , während er jetzt in den Schoß des Vaters eingegangen ist , nachdem er den rühmlichsten , seligsten Tod für König und Vaterland gefunden hat . Sie , Herr Oberst , wandte er sich nun an meinen Mann , der Sie mir eben auch als Soldat vorgestellt wurden , können mir helfen , dieser gebeugten Mutter den Trost zu geben , daß das Schicksal ihres Sohnes ein neidenswertes ist . Sie müssen es wissen , welche Todesfreudigkeit den tapfern Krieger beseelt - der Entschluß , sein Leben auf dem Altar des Vaterlandes zum Opfer zu bringen , verklärt ihm alles Scheideweh , und wenn er im Sturm der Schlacht , beim Donner der Geschütze sinkt , so erwartet er , zu der großen Armee versetzt zu werden und dabei zu sein , wenn der Herr der Heerschaaren droben Heerschau hält . Sie , Herr Oberst , sind unter Jenen zurückgekehrt , welchen die göttliche Vorsehung den gerechten Sieg verliehen - « » Verzeihen Sie , Herr Konsistorialrat - ich habe in österreichischen Diensten gestanden - « » O ich dachte ... Ah so ... « entgegnete der Andere ganz verwirrt ... » Auch eine prächtige , tapfere Armee , die österreichische . « - Er stand auf . » Doch ich will nicht länger stören ... die Herrschaften wollen gewiß von Familienangelegenheiten sprechen ... Leben Sie wohl , gnädige Frau - in einigen Tagen will ich wieder kommen ... Bis dahin erheben Sie Ihre Gedanken zu dem Allerbarmer , ohne dessen Wille kein Haar von unserm Haupte fällt und welcher Jenen , die ihn lieben , alle Dinge zum Besten dienen läßt , auch Trübsal und Leid , auch Not und Tod . Ich empfehle mich ergebenst . « Meine Tante schüttelte ihm die Hand : » Hoffentlich sehe ich Sie bald ? Recht bald , ich bitte - « Er verneigte sich gegen uns Alle und wollte der Thüre zuschreiten . Friedrich aber hielt ihn auf : » Herr Konsistorialrat - dürfte ich eine Bitte an Sie richten ? « » Sprechen Sie , Herr Oberst . « » Ich entnehme Ihren Reden , daß Sie ebensosehr von religiösem , wie von militärischem Geist durchdrungen sind . Da könnten Sie mir einen großen Gefallen erweisen - « Ich horchte gespannt auf . Wo wollte Friedrich nur hinaus ? » Meine kleine Frau hier , « fuhr er fort , » ist nämlich mit allerlei Skrupel und Zweifel erfüllt ... sie meint , daß vom christlichen Standpunkte aus der Krieg nicht recht zulässig sei . Ich weiß zwar das Gegenteil - denn nichts hält mehr zusammen als der Priester- und der Soldatenstand - aber mir fehlt die Beredsamkeit , dies meiner Frau klar zu machen . Würden Sie sich nun herbeilassen , Herr Konsistorialrat , uns morgen oder übermorgen eine Stunde der Unterredung zu schenken , um - « » O sehr gern , « unterbrach der Geistliche . » Wollen Sie mir Ihre Adresse ? ... « Friedrich gab ihm seine Karte und es wurde sogleich Tag und Stunde des erbetenen Besuches festgesetzt . Hierauf blieben wir mit der Tante allein . » Gewährt Dir der Zuspruch dieses Freundes wirklich Trost ? « fragte sie Friedrich . » Trost ? Den gibt es für mich hienieden nicht mehr . Aber er spricht so viel und so schön von den Dingen , von welchen ich jetzt am liebsten höre - von Tod und Trauer , von Kreuz und Opfer und Entsagung ... er schildert die Welt , die mein armer Gottfried verlassen mußte , und von welcher auch ich mich wegsehne , als ein solches Thal des Jammers , der Verderbnis , der Sünde , des zunehmenden Verfalles ... Und da erscheint es mir denn weniger traurig , daß mein Kind abberufen worden . - Er ist ja im Himmel und hier auf dieser Erde - « » Walten oft Höllengewalten , das ist wahr - das habe ich jetzt wieder in der Nähe gesehen , « erwiderte Friedrich nachdenklich . Hierauf wurde er von der armen Frau über die beiden Feldzüge ausgefragt , wovon er den einen mit - den andern gegen - Gottfried mitgemacht . Er mußte hundert Einzelheiten anführen und konnte dabei der beraubten Mutter denselben Trost geben , den er einst mir aus dem italienischen Kriege gebracht : nämlich , daß der Betrauerte eines raschen und schmerzlosen Todes gestorben sei . Es war ein langer , trauriger Besuch . Auch die ganzen Einzelheiten der schaurigen Cholerawoche habe ich da wiedererzählt und meine Erlebnisse auf den böhmischen Schlachtfeldern . Eh ' wir sie verließen , führte uns Tante Kornelie noch in Gottfrieds Zimmer , wo ich beim Durchlesen