und sah dabei zu Herrn Claudius auf ... Was kümmerte es mich , daß sich Herr von Wismar verlegen räusperte und scheu nach der Prinzessin hinschielte , während Fräulein von Wildenspring eine triumphierende Geste machte , als wolle sie sagen : » Habe ich nicht recht gehabt , als meine hochadelige Nase das bürgerliche Element in diesem Geschöpfe witterte ? « - Was lag mir daran , daß der schöne Tankred grimmig seinen feinen Lippenbart drehte und mit einer verächtlichen Wendung seines Kopfes Charlotten einige Worte zuflüsterte ? - Sah ich doch das jubelnde Aufschrecken in Herrn Claudius ' Gesicht - meinte ich doch , er wolle seine Hände zu mir herüberstrecken und mich aus der erbärmlichen Gesellschaft an sein starkes , stolzes Herz ziehen , weil ich die falsche Scham überwunden , weil ich mutig die Verachtung der aristokratischen Kaste auf mich nahm , um seine Achtung wieder zu gewinnen ! » Ach , sieh da , das ist ja eine sehr pikante Entdeckung ! « rief die Prinzessin heiter und völlig unbefangen . » Nun weiß ich doch auch , wie mein Liebling zu diesem echt orientalischen Profil kommt ! ... Ja , ja , solch ein schwarzlockiges Mädchen mit quecksilbernen Füßen mag es wohl auch gewesen sein , das dem Herodes den Kopf des Johannes abgeschmeichelt hat ! ... Wenn Sie wieder zu mir kommen , dann will ich mehr über die interessante Großmutter wissen - hören Sie , mein Kind ? « Sie zog mir die Perlenschnur tiefer in die Stirn und ließ dann die Finger sanft durch mein loses Haar gleiten . » Ich habe sie herzlich lieb , diese kleine Rebekka mit dem reinen Kindessinn und dem harmlos plaudernden Mund ! « setzte sie mit herzlicher Innigkeit hinzu und küßte mich . Ach , diesmal war meine Plauderei durchaus keine harmlose gewesen , das wußte er , dessen Blick nicht mehr von mir wich , am besten ! ... Die Prinzessin zog mich auf ein Bänkchen zu ihren Füßen , und da blieb ich schweigend und zuhörend sitzen , bis Fräulein Fliedner kam und meldete , daß im Vorderhause alles bereit sei . Die fürstliche Frau hatte sich eine Tasse Thee » im alten interessanten Hause « ausgebeten - eines rheumatischen Leidens wegen mochte sie sich nicht allzulange in der feuchten , dunstigen Atmosphäre des Warmhauses aufhalten ! Sie hüllte sich in ihren Pelz , ergriff Herrn Claudius ' Arm und schritt der vermummten , lebhaft plaudernden Gesellschaft voraus durch den beschneiten Garten . Es bedurfte der begleitenden Laternenträger nicht - die Wolken am Himmel waren zerstoben , durch das dürre Geäst der Pappelwand floß es hell herein und warf groteske silberne Lichter auf die Schneefläche - der Mond ging auf . Ich lief noch einmal über die Brücke zurück und sah hinauf nach den Fenstern der Bibliothek . Die Vorhänge waren nicht zugezogen ; auf dem Schreibtisch meines Vaters brannte das ruhige Licht der Lampe und drüben in der entgegengesetzten dunklen Ecke des weiten Saales in der Nähe des Ofens , wo der Tisch mit dem Abendbrot stand , spielte ein leichter , bläulicher Schein auf und ab - es war die Spiritusflamme unter der Theemaschine . Das sah gemütlich aus . Zum Ueberfluß schlüpfte ich noch in das Haus , die Treppe hinauf und horchte an der Thüre . Es war still drinnen ; mein Vater schrieb jedenfalls . Völlig beruhigt ging ich nach dem Vorderhause . Heute mochten sich wohl die alten Hausgeister der Firma Claudius scheu und grimmig in den dunkelsten Ecken verkriechen - das war ja ein Lichterglanz , wie ihn einst die wohledlen Kaufherren sicher nicht einmal bei der Taufe eines künftigen Chefs sich erlaubt hatten ! » Was ist mir denn das , Fräulein Fliedner ? Der Herr kann ja heute gar nicht genug Licht kriegen ! « brummte der alte Erdmann verwundert und lehnte eben eine Leiter an die Wand des oberen Korridors , als ich die Treppe herauf kam . » Muß ich doch gar auch noch die großen Lampen aus den Geschäftslokalen hier herauf hängen ! « » Lassen Sie das doch , Erdmann , « meinte die alte Dame , die aus dem ersten Salon trat - eine wahre Lichtflut quoll mit ihr heraus . » Ich bin glücklich , daß es endlich einmal hell wird im alten Claudiushause . « Mit einem feinen , schelmischen Lächeln fuhr sie mir über das Haar und eilte in die Hausflur hinab . Dieses Lächeln trieb mir das Blut in die Wangen . Scheu ließ ich die Hand von dem Drücker der Salonthüre niedersinken - ich meinte , in diesem Augenblick könne ich mich unmöglich von den zahllosen Kerzen des Kronleuchters da drin anstrahlen lassen . Ich trat in Charlottens Zimmer . Es war leer ; auf dem aufgeschlagenen Flügel brannten zwei Lampen , und aus dem Salon , wo das Bild des schönen Lothar hing , scholl das Klirren der Theetassen und lautes Sprechen herüber . Noch stand ich und überlegte , wie ich meinen Eintritt am wenigsten auffallend bewerkstelligen könne , da rauschte es durch das Nebenzimmer , und Charlotte trat in Begleitung ihres Bruders herein . » Die Prinzessin will mich singen hören , « sagte sie zu mir und wühlte in den Noten . » Wie kommen Sie denn hierher , und wo haben Sie bis jetzt gesteckt , Kleine ? - Man vermißt Sie drüben . « » Ich war besorgt um meinen Vater und habe nach ihm gesehen - er war unwohl - « » Unwohl ! « lachte Dagobert leise auf - er saß bereits am Flügel und präludierte . » Ja , ja , ein schlimmes , ein sehr bedenkliches Unwohlsein ! Ich habe vorhin im Klub diese interessante Neuigkeit erfahren - man sprach von nichts anderem , und durch die Stadt geht es im Jubel wie ein Lauffeuer , daß der Archäologieschwindel in den letzten Zügen liege ... Binnen kurzem werden wir eine andere Mode haben ,