so gut folgen wie einst jenem , welcher ihn zum Sterbebett seiner Mutter rief . Um ein gutes Stück Liebe wurde sein Leben wiederum ärmer , und wieder wurde eine Stelle dunkel , wo bis jetzt Licht gewesen war . Daß er so bald als möglich reisen mußte , begriff er ; aber die Überzeugung , daß er jetzt aus dieser Dachstube in dieser Stadt nicht auf dieselbe Weise fortgehen könne wie einst aus seiner Studentenstube , kam ihm auch . Er ließ jetzt mehr hinter sich zurück als damals auf der Universität . Seine Seele war gefesselt an das Haus in der Parkstraße , und grade weil er durch so unübersteigliche Schranken von demselben ferngehalten wurde , erschien ihm der Gedanke , noch weiter fortzugehen , um so schrecklicher . Auf welche Weise sollte er das Fränzchen von diesem Schlage des Schicksals benachrichtigen ? Verlassen durfte er die Stadt nicht , ohne daß sie Kunde davon erhielt , aber wie - wie sollte das geschehen ? Er zerrieb sich die Stirn , und mit erneutem Kummer machte er sich die bittersten Vorwürfe , das Vertrauen , welches der Leutnant Rudolf in ihn gesetzt hatte , so wenig gerechtfertigt zu haben . Wir müssen leider gestehen , daß es einen Augenblick gab , während welchem Hans Unwirrsch fest entschlossen war , dem kläglichen Ruf des Oheims Grünebaum nicht zu folgen , die Base Schlotterbeck nicht auf ihrem Sterbebett zu trösten , sondern zu bleiben , wo er war , und fernerhin um das verzauberte Schloß und das ebenso verzauberte Manuskript im Kreis herumzulaufen . Aber dieser Augenblick ging gottlob blitzschnell vorüber , die bösen Geister entflohen , und Hans wußte , was er zu tun habe . Er ließ nicht in den Kirchen für einen Verreisenden bitten , wie der verliebte junge Bremenser in des alten Musäus prächtiger Geschichte von der Stummen Liebe . Er schrieb einfach , und nur vom Standpunkt der Frau Geheimen Rätin aus unmotiviert , an den Geheimen Rat Götz , wie man an einen Mann schreibt , von dem man glaubt , daß er noch Interesse an einem früheren Lebensgenossen haben könne . Diesen Brief ließ er noch an demselben Abend in den nächsten Briefkasten gleiten und rüstete sich sodann zur Reise . Er wußte , daß jetzt Fränzchen über sein Verbleiben Kenntnis erhalten würde , und seine Seele durfte sich nun ganz der alten Heimat zuwenden . Die leuchtende Kugel , die in seiner Eltern Stube gehangen hatte , hatte ihr ganzes Licht zurückgewonnen , und in alle Tiefen seines Herzens fiel ihr milder Schein . Die taube Wirtin wurde von der bevorstehenden Reise in Kenntnis gesetzt , und um fünf Uhr am andern Morgen befand sich Hans Unwirrsch auf dem Wege nach Neustadt , das heißt , er stand gerüstet , aber fröstelnd in der Dunkelheit vor dem eisernen Gartengitter in der Parkstraße und nahm stummen Urlaub von dem Hause des Geheimen Rates Götz . Der Bahnzug , den er benutzen mußte , ging erst um halb sechs ab . Fränzchen Götz schlief noch und träumte . Sie hörte ein Rauschen in ihrem Traum gleich dem des Meeres , und jemand , den sie nicht kannte in ihrem Traum , sagte , es sei auch das Meer . Siebenundzwanzigstes Kapitel Auf dem Bahnhofe läutete bereits die Glocke zum Einsteigen , als der Kandidat Unwirrsch atemlos im vollen Lauf anlangte , ein Billett löste und sich in einen Waggon und auf den Schoß einer dicken , gegen die Kälte wohlverwahrten Dame , die sich späterhin als Menageriebesitzerin auswies , stürzte . Mit mehr als sittlicher Entrüstung wurde er abgeschüttelt und zurückgestoßen und flog gegenüber auf einen Herrn von mürrischem Aussehen , der die Frage an ihn stellte , ob er etwa als Gummielastikum in Hinterindien aus einem Baum geflossen sei und ob er einen polizeilichen Erlaubnisschein für solches » Gehopse « aufweisen könne . Nachdem noch die trübe Laterne an der Decke des Wagens in bedrohliche Berührung mit seiner Stirn gekommen war , fand er endlich einen unbehaglichen Platz zwischen zwei robusten Fräuleins , die einen merkwürdig durchdringenden Wilden-Tier-Geruch an sich hatten und deren eine auf dem Schoß einen wohlverhüllten Kasten mit einem vor Frost schnatternden Titi oder Eichhornäffchen hielt . Anderes wunderliches Volk in Schnürenröcken , Troddelmützen und mit eigentümlich verwelschtem Jargon füllte die andern Abteilungen des Wagens und setzte die wenigen gowöhnlicheren Leute , die dazwischen eingeschachtelt waren , durch vagabundenhaft geniales Gebaren und Räsonieren in Verwunderung . In eine bessere Gesellschaft hätte der Kandidat Unwirrsch in seiner jetzigen Stimmung vom Schicksal nicht geworfen werden können . Es war unerträglich , und um so unerträglicher , als es sich baldigst zeigte , daß die Gesellschaft der Tierbändiger bis zum Abend nicht loszuwerden war . Sie fuhr desselbigen Weges wie Hans , um irgendwo einen großen Jahrmarkt oder eine Messe durch ihre Gegenwart zu vervollständigen ; es galt , sich in Geduld zu fassen . Rings um Hans her schwatzte und schnarrte das durcheinander : Flaschen mit erwärmenden Getränken gingen von Hand zu Hand , und Geschichten wurden erzählt , welche oft ebensogut ihre Verdienste hatten wie die der Neuntöter im Grünen Baum . Die dicke , bepelzte Dame , die Herrin der wandernden Bestien , empfing auf jedem Halteplatz von den die Tierkästen auf den Packwagen des Zuges bewachenden Leuten Bericht über ihre interessanten Ungeheuer und schimpfte mit gleicher Zungenfertigkeit auf deutsch und französisch . Die junge Dame mit dem Titi unterstützte die Mama darin aufs beste , und der mürrische Herr , höchstwahrscheinlich eine Kreuzung zwischen Eisbär und braunem Bär , geriet auf jeder Station mit den Bahnbeamten in Streit und erging sich mit Seitenblicken auf Hans in den schnödesten Bemerkungen über » zudringliche Bagage « , die nie einsehen könne , daß ein Käfig voll sei . Es war auch nicht sehr angenehm für den Kandidaten Unwirrsch , zu erfahren , daß der Kasten mit den Klapperschlangen glücklich unter seinen Sitz geschmuggelt sei . Er war bald so weit herunter