lang und struppig , der Leib aber zerschunden . Herr Dietrich stund traurig und wandte sich zur Seite , daß sie ihn nicht erkenneten , und hielt mit Gewalt die Tränen an , denn noch niemals war ihm das Leid so nah gestanden . Er hieß sie zur Herberge führen und pflegen und die Grafen sprachen : » Wer war der , der seitab stand ? der will uns sicher wohl . « Und sie lachten in Freud ' und Leid zugleich , aber kannten ihn nicht . Anderen Tages nun lud die Kaiserstochter die Vielgeprüften zu Hofe und schenkte ihnen gute funkelnde Gewänder und ließ sie in die warme Badstube setzen und einen Tisch richten , sie zu atzen . Wie nun die Herren saßen und ihres Leids ein Teil vergaßen , nahm Dietrich seine Harfe und schlich hinter den Umhang und ließ die Saiten erklingen : er griff die Singweise , die er einst gegriffen am Meeresstrand . Lupolt hatte den Becher erhoben , da entsank er seiner Hand , daß er den Wein niedergoß auf den Tisch , und einer , der das Brot schnitt , ließ sein Messer fallen und alle horchten staunend : voller und heller erklang ihres Königs Singweise . Da sprang Lupolt über den Tisch und alle Grafen und Ritter ihm nach , als wär ' ein Hauch alter Kraft plötzlich über sie gekommen , und sie rissen den Umhang nieder und küßten den Harfner und knieten vor ihm und des Jubels war kein Ende . Da wußte die Jungfrau , daß er treu und wahrhaft der König Rother von Wikingland war und tat einen lauten Freudenruf , daß Konstantinus , ihr Vater , herzugelaufen kam - er mochte wollen oder nicht , so mußte er sie zusammengeben , und die Gesandten stiegen nimmermehr in ihren Kerker , und Rother hieß nimmermehr Dietrich und küßte seine Braut und fuhr mit ihr heim übers Meer und war ein glückseliger Mann und hielt sie hoch in Ehren , und wenn sie in Minne beisammen saßen , sprachen sie : » Gelobt sei Gott und Mannesmut und kluger Kammerfrauen List « ! « » Das ist die Mär vom König Rother241 ! « ... Praxedis hatte lang ' erzählt . » Wir sind wohl zufrieden « , sprach die Herzogin , » und ob der Schmied Weland den Preis davontragen wird , scheint uns nach König Rothers Geschichte ein weniges zweifelhaft . « Herr Spazzo ward drob nicht böse . » Die Kammerfrauen in Konstantinopel scheinen die Feinheit mit Löffeln gegessen zu haben « , sprach er . » Aber sollt ' ich auch besiegt sein , der letzte hat noch nicht gesungen . « Er sah auf Ekkehard hinüber . Aber der saß wie ein Traumbild in sich versunken . Er hatte vom König Rother wenig vernommen , der Herzogin Stirnband mit der Rose war das Ziel seiner Augen gewesen , dieweil Praxedis erzählte . » ... Übrigens glaub ' ich die Geschichte kaum « , fuhr Herr Spazzo fort . » Vor Jahren bin ich im Bischofshof zu Konstanz drüben beim Wein gesessen , da kam ein griechischer Reliquienverkäufer , der hieß Daniel und hatte viel heilige Leiber und Kirchenschmuck und künstlich Geräte bei sich . Dabei war auch ein altertümlich Schwert mit edelsteinbesetzter Scheide , das wollt ' er mir aufschwatzen und sprach , es sei das Schwert des König Rother , und wären die güldenen Taler bei mir nicht ebenso dünn gesäet gewesen wie die Haare auf des Griechen Scheitel , ich hätt ' es gekauft . Der Mann erzählte , mit dem Schwert hab ' Herr Rother mit dem König Ymelot von Babylon gestritten um des Kaisers Tochter , aber von goldenen Schuhen und Kammerfrauen und Harfenspiel hat er nichts gewußt . « » Es wird noch vieles auf der Welt wahr sein , ohne daß Ihr Kenntnis davon habt « , sprach Praxedis leicht . Der Abend dunkelte . Mit gelbem Schein war der Mond aufgestiegen , würziger Duft durchströmte die Lüfte , im Gebüsch und am Felshang flimmerte es von Leuchtkäfern , die sich anschickten , auszufliegen . Ein Diener kam herab und brachte Windlichter ; von ölgetränktem Linnen wie von einer Laterne umfangen , brannten die Kerzen . Es war lind und lieblich im Garten . Der Klosterschüler saß vergnügt auf seinem Schemel und hielt die Hände gefaltet wie in Andacht . » Was meint unser junger Gast ? « fragte die Herzogin . » Ich wollte mein schönstes lateinisches Buch geben « , sprach er , » wenn ich es hätte mit ansehen können , wie der Riese Asprian den Löwen an die Wand warf . « » Du mußt ein Recke werden und selber auf Riesen und Drachen ausziehen « , scherzte die Herzogin . Aber das leuchtete ihm nicht ein : » Wir bekommen mit dem Teufel zu streiten « , sagte er , » das ist mehr . « Frau Hadwig war noch nicht gestimmt , aufzubrechen . Sie knickte ein Zweiglein vom Ahorn in zwei ungleiche Stücke und trat zu Ekkehard . Der fuhr verwirrt auf . » Nun « , sprach die Herzogin , » ziehet ! Ihr oder ich . « » Ihr oder ich ! « sprach Ekkehard stumpf . Er zog das kürzere Ende . Es gleitete ihm aus der Hand ; er ließ sich wieder auf seinen Sitz nieder und schwieg . » Ekkehard ! « sprach die Herzogin scharf . Er schaute auf . » Ihr sollet erzählen . « » Ich soll erzählen ! « murmelte er und fuhr mit der Rechten über die Stirn . Sie war heiß ; es stürmte drin . » Jawohl , - erzählen ! Wer spielt mir die Laute dazu ? « Er stand auf und sah in die Mondnacht hinaus . Verwundert schauten die anderen sein Gebaren . Er aber hub mit klangloser Stimme an : » Es ist eine kurze Geschichte . Es war einmal ein Licht ,