vereinigt und auf all ' diesen Gesichtern malte sich eine angenehme Befriedigung der Stunde , eine harmonische Stimmung zu einander und zu der schönen friedlichen Umgebung , zu der ganzen schönen Natur . Welch ' eine fürchterliche Unterbrechung war auf einmal der gellende Schrei , welcher sich aus nächster Nähe hören ließ . Alle schraken zusammen - am Meisten Thalheim - ihm war diese Stimme bekannt - und dennoch schien es ihm unmöglich , daß er sie jetzt hier hören könne . Nur einige Schritte hatte man zu gehen - eine weibliche Gestalt , deren auf den Boden gedrücktes Gesicht man vor einem seidnen Hut nicht sehen konnte , lag auf dem Wege und warf sich wie in Krämpfen hin und her . Aurelie hatte sie zuerst erkannt und war hingeeilt und um sie beschäftigt , ohne ihren Namen zu nennen Thalheim rief unwillkürlich : » Amalie ! « und nahm sie in seine Arme . Jaromir trat betroffen in einige Entfernung hinter die Bäume zurück . Elisabeth stand bei ihm . » Dies unerwartete Wiedersehen getrennter Gatten muß fürchterlich sein ! « sagte sie . » Fürchterlich ! « wiederholte er dumpf und sah vor sich nieder , dann faßte er plötzlich Elisabeths Hand , sah sie mit unaussprechlichem , flehendem Ausdruck der Liebe an und sagte feierlich : » Elisabeth - das ist ein Stück aus meinem Leben - ich habe Dir bis jetzt nur von meiner Gegenwart , von unsrer Zukunft gesprochen - aber nun will ich Dir all mein Leben erzählen - wie mein Herz in seinen ersten heiligen Regungen betrogen und zertreten ward - wie es dann vergebens suchte und niemals das Rechte fand - bis mein Herz endlich bei all ' diesem vergeblichen Ringen sich selbst Hohn sprach , sich selbst verlachen und verspotten konnte - und als es aufgehört hatte zu suchen , fand es , woran es nie mehr geglaubt - solches mit Dir Elisabeth ! Aber Dein Herz ist ein heiliger Altar und Du bringst mir seine heilige Erstlingsflamme als Opfer dar - groß und heilig stehst Du in Deiner lichten Unschuld davor als geweihte Priesterin und weißt nicht , daß Du es bist - und vielleicht weißt Du nicht , daß es mit der Liebe auch anders kommen kann in einem Menschen . - Wirst Du mich verstoßen , wenn ich Dir sage , wie Viel mein Herz schon erfahren ? « Sie unschlang ihn innig , wie zum Zeichen , daß sie ihn nimmer lassen könne - aber sie antwortete nicht . » Elisabeth ! « seufzte er schmerzlich . » Nicht wahr - nun glaubst Du meiner Liebe nicht ? « Sie machte sich sanft von ihm los , um ihm desto inniger in die Augen zu sehen - da fielen ihre Augen auf zwei blühende Sträuche Monatsrosen - der eine war buschig und hatte einen starken Stamm , der andere war klein und schlank , aber sie blühten Beide . Elisabeth brach von jedem eine Rese und gab sie Jaromir . Er sah sie fragend an . » Sieh - der eine dieser Sträuche hat schon manchen Sommer geblüht , der andere hat jetzt seine Rosen gebracht - ich sehe keinen Unterschied an den Blumen ! « Im seligsten Entzücken drückte er sie in seine Arme , an sein Herz . An der ganzen Scene und an der welche in der nächsten Nähe des Paares spielte , war Nichts Schuld , als ein verlegter Schlüssel . Die Oberstin Treffurth litt , vielleicht auch weil ihre Nerven immer angegriffen waren , sehr an Zerstreutheit , in dieser verlegte sie oft die nöthigsten Dinge an die unpassendsten Plätze , ohne es selbst zu wissen , und konnte dann , wenn sie einen solchen Gegenstand vermißte , wieder Stunden lang in ungeduldiger Hast danach suchen , durch welche sie am Allerwenigsten zum Ziele kam . So hatte sie auch heute einen Schlüssel verlegt , den sie nothwendig haben mußte , und da er durchaus nicht zu finden war , kam sie auf die Vermuthung , daß er von Aurelien mitgenommen worden sei , wie denn die Oberstin überhaupt nie ihre Zerstreutheit eingestand , sondern deren Folgen immer auf Rechnung Anderer brachte . Der Kutscher war schon weggeschickt , das Dienstmädchen mußte im Garten und Hofe suchen , und so ward denn Amalie gebeten , auf das Schloß zu gehen und Aurelien nach dem Schlüssel zu fragen . Amalie wußte , daß Jaromir in Hohenheim war , und an demselben Morgen hatte sie ihn vom Fenster aus gesehen , sein Verhältniß zu Elisabeth kannte sie aber nicht . Auch die Ankunft ihres Gatten war ihr noch fremd . Als sie jetzt in das Schloß kam und nach Aurelien fragte , zeigte ihr ein Kammermädchen den Platz , wo sie Aurelien finden werde : » bei dem neuem Braupaar . « Amalie erreichte die Stelle , von wo aus sie plötzlich Elisabeth Hand in Hand mit Jaromir und neben Thalheim sah - neben ihrem Gatten , den sie niemals hatte wiedersehen wollen . Beides war zu Viel für die Reizbarkeit einer Frau wie Amalie - und so stieß sie den Schrei der Ueberraschung aus , welcher Jene erschreckte , und verfiel in Krämpfe , von denen sie bei allen heftigen Gemüthserschütterungen erfaßt ward . Thalheim , gleichfalls auf ' s Tiefste von diesem Wiedersehen erschüttert , kniete neben ihr nieder und hielt sie halb in seinen Armen . Aurelie und Pauline waren scheu und verlegen zur Seite getreten . So waren einige Minuten vergangen - da raffte sich Amalie plötzlich auf , riß sich von dem Gatten los und eilte zwischen die Bäume hinein auf die Stelle , wo Elisabeth und Jaromir standen . » Junge Gräfin ! « sagte sie hastig in seltsam schneidendem Tone , » ich wünsche Ihnen Glück dazu , daß sie jetzt meine Stelle einnehmen - Jaromir war vor Ihnen mein - er war der Grund , daß ich mich von meinem Gatten trennte - und daß