der gute Geist der die Zeit still stehen hieß damit ich überhaupt das Bild vollenden könnte . « Endlich vereinigten sich Beide darüber , daß Benvenuta das Original behalten und für Wilderich eine Copie machen solle . Zufriedengestellt langten wir in Grindelwald an . Da erwartete mich ein Brief aus Ouchy mit der Nachricht , daß die Vorsteherin des Instituts plötzlich an einer Brustentzündung gestorben sei . Ihre Tochter schrieb tief traurig an Benvenuta , welche mich sogleich mit heißen Thränen bat zu ihrer betrübten Freundin zurückkehren zu dürfen . Ich sagte ihr ich würde am nächsten Tage mit ihr abreisen und Wilderich , welcher Zeuge dieser Scene gewesen war erklärte : dann würde er nach Baden gehen . Sein Entschluß war mir sehr lieb ! hatten er und Benvenuta Neigung zu einander , so mußte sich diese in der Ferne entwickeln und bestärken . Geschah das nicht , so war die Trennung doppelt nothwendig , indem ein Zusammenleben aufhörte , welches durch seine Intimität unerfahrne Herzen in einen Traum von Liebe hätte verwickeln können . Wilderich fragte mich nach meinen Plänen . Ich hatte keine vor der Hand . Er sah ganz verstört aus und bat mich um Erlaubniß mir aus Baden schreiben zu dürfen , was ich gern bewilligte . Ich zählte fast mit Gewißheit auf seine Werbung um Benvenuta . Die große Jugend und Unerfahrenheit Beider abgerechnet war es mir ein lieber Gedanke . Ich hatte Wilderich sehr lieb . Vielleicht sind uns immer die Menschen lieb denen wir wolgethan , so wie wir selten die leiden können gegen die wir ein Unrecht begangen haben . So paradox das klingen möge hängt es dennoch eng mit unserm Bedürfniß zusammen uns selbst achten zu können . Wirklich fuhr ich am andern Morgen mit Benvenuta fort , und Wilderich begleitete uns bis Bern , wo sich unsre Wege trennten . Es war keine heitre Fahrt ! Benvenuta schwamm in Thränen . Wilderich im Wagen ihr gegenüber sitzend , starrte sie stumm und beinah finster an . Ich , nur dann gesprächig wenn ich eine innere Auffoderung dazu empfand , war von Natur , durch Gewohnheit , Richtung und Schicksal schweigsam , konnte tagelang schweigen und fühlte mich gar nicht berufen jezt gesprächig zu sein . Dieser Tag war so recht ein schneidender Contrast zu dem vergangenen ! wir waren die nämlichen Menschen ; wir befanden uns in einer der schönsten Gegenden der Welt ; wir fuhren leicht und bequem durch die herrlichen Thäler von Grindelwald und Interlachen , am Ufer des Thuner Sees , und über die anmuthige Ebene von Thun nach Bern ; - aber Niemand beachtete es , und Jeder wickelte sich in seine traurigen Gedanken einsam ein - während wir uns gestern in glänzender Heiterkeit und inniger Theilnahme einander nah fühlten . Solch ein Wechsel - ist leben ! sprach ich heimlich . Aber es mußte halblaut gewesen sein , wie mir das in tiefen Gedanken zuweilen begegnete , denn Wilderich sagte : » Jedoch ein trauriges Leben . « » Der Wechsel ruht aus und erfrischt - heißt es . « » Auch Sie ? « » Nein , mich nicht ! im Gegentheil ! mich zehrt er auf , mich verbraucht er stückweise - denn ich will immer etwas das ohne Ende sei ! es brauchte nicht grade Glück .... es dürfte auch Schmerz sein .... und ohne Ende ! Daß Alles ein Ende hat , das frohe Gestern , das trübe Heute , so Alles ! Alles ! .... das konnte ich eben nicht ertragen , und deshalb habe ich wenig Ruhe genossen im Leben . Phantastische Sehnsucht schmachtete nach dem Unendlichen ; frühe Erfahrung ließ mich überall das Ende sehen oder ahnen ! Eine Hand streckte ich nach geliebten Chimären aus ; die andre streute erblaßte Bilder gleichgültig in den Wind . Und dies Alles rührte daher weil ich nicht stark genug war das Leben wie es ist und wie Gott es uns gegeben hat - nicht blos zu tragen , sondern zu ehren . « » Das Leben ehren mit seinem schaalen Wechsel , seiner dumpfen Verwirrung , seiner schreienden Ungerechtigkeit , seiner gekrönten Erbärmlichkeit - mit seinen Qualen der Leidenschaft und des Zweifels , der Sorge und der Schwäche - ist das möglich ? « » Das Leben ehren , Wilderich ! denn so lange Ihre Augen offen stehen , Ihr Herz klopft , Ihre Hand sich regt - können Sie das Gute thun und das Schöne lieben ! und dies nenne ich das Leben ehren wie Gott es uns gegeben hat . « » Das Schöne lieben und das Gute thun , « wiederholte Wilderich ernst und sank in sein Schweigen zurück . In Bern ging Benvenuta sogleich schlafen , und ich mit Wilderich auf die wunderschöne Promenade vor der Kathedrale , genannt die Plateforme , wo man die herrlichste Aussicht auf die Jungfrau und ihre majestätischen Genossen hat . Es war um Sonnenuntergang und im stralendsten Glanz lagen sie da wie goldene Riesenpfeiler welche den Himmel tragen . Wir setzten uns auf eine Bank unter den Kastanienbäumen . Mein Auge hing an dem Farbenspiel der Berge ; meine Seele flog unbestimmten Höhen und Fernen zu . Ich erschrack fast wie ein Nachtwandler den man bei seinem Namen ruft , als Wilderich mit bebender Stimme sagte : » Gnädige Gräfin .... morgen sehe ich Sie nicht mehr , und meine Seele hat sich an Sie gewöhnt . « Während er sprach sah er aber nicht mich , sondern die Berge an . Ich fühlte nun wol daß » sie « nicht die Berge waren ; aber voll meiner Voraussetzung , daß zwischen ihm und Benvenuta eine Liebe keime , glaubte ich ihr gelte dies » sie « . Und als er nach einer Pause noch leiser und beklommner sagte : » Werde ich Sie nie wiedersehen dürfen ? « - - entgegnete ich liebevoll : » Warum denn nicht , Wilderich ! Aber versuchen wir eine Trennung von einigen