, ein glückliches , aufgewecktes Kind - und doch verschwinden vor seinem Auge alle diese großen Reichthümer , weil er , sei ' s mit Grund , sei ' s aus Ueberspannung , für die Zukunft besorgt ist . Es faßt ' s Keiner der es nicht selbst gesehen hat - aber ich begreife jetzt die Auswanderer ! Es gehört Muth und Tugend dazu , als ein Europäer mit menschlicher Ausdauer , mit liebendem Herzen zu sterben ! « Den Rest des Vormittags brachte ich bei dem Amerikaner zu . Während meines Dortseins empfing er Briefe aus Rotterdam , in deren einem sein Kapitänspatent zur Brigg » die Hoffnung « sich vorfand . Die Zeit des Absegelns war seinem Willen überlassen . » Jetzt können Sie über mich verfügen , « sagte er , mir das Patent zeigend . » Wir können eilen oder zaudern , je nach Ihrem Gutdünken , doch scheint mir , Beschleunigung wird in keinem Falle schädlich sein . Je eher Sie Amerika ' s Boden betreten , desto mehr gewinnen Sie an Lebensfrische . « Da Burton schnelle Antwort geben sollte , benutzte ich die Zeit , um einige Zeilen an Auguste zu schreiben . Flüchtig meldete ich ihr , wie nahe der Zeitpunkt gekommen sei , wo wir für immer vereinigt sein würden . Die mißlicher werdende Lage verschwieg ich ihr ebenfalls nicht , indem ich zugleich bat , Alles für die Reise vorzubereiten . Denn es war mir immer , als müsse noch irgend etwas geschehen , das einen plötzlichen Aufbruch wünschenswerth machen könnte . Du kennst ja meine Ahnungsgelüste , die mir schon oft gramvolle Tage bereitet haben . Unterdeß nahte sich die Mittagszeit . Auf Burtons Einladung speiste ich mit ihm , ächt amerikanisch , indem ich mir nur von Amerika erzählen ließ . Es gewährt mir dies einen unbeschreiblichen Genuß . Burton ist begeistert , wenn Amerika ' s Glück in schönen Bildern vor dem hellen Spiegel seines Gedächtnisses vorüberwandelt . Der entschlossene , praktische Mann wird Dichter , ohne es zu wissen . Sein Geist baut Welten auf , die er wol schwerlich selbst ahnt , und grade in dieser Unwillkürlichkeit liegt ein hoher Reiz , ein Genuß , der namentlich einen Europäer bezaubern muß . - Zum nahen Carneval finden sich bereits viele Fremde aus der Umgegend ein . Mancher kommt wol auch , um dem kirchlichen Feste beizuwohnen . Schon seit einigen Tagen war die Anzahl der Fremden bedeutend gestiegen , heut wollte es gar nicht mehr aufhören . Die dem Rheine nahe gelegenen Hotels sind überfüllt . Dennoch sperrt man zusammen , so Viele sich irgend unterbringen lassen und jeder gibt gern nach , wenn es möglich ist . Noch saß ich mit Burton zu Tisch , als der Kellner den Amerikaner fragte : ob er wol eine kleine Kammer auf einige Tage entbehren könne ? Ein sehr ehrwürdiger Greis , der alljährlich um diese Zeit hier einspreche , sei eben angekommen und nirgends wolle sich ein Plätzchen für ihn finden . Burton war es zufrieden , dankend entfernte sich der Kellner und bald darauf hörten wir den neuen Ankömmling im Nebenzimmer sprechen . Die Stimme schien mir sehr bekannt , doch wußte ich nicht , wo ich ihm früher begegnet sein mochte und vergaß über den Erzählungen des Amerikaners auch schnell wieder den momentanen Eindruck . Abends . Frühzeitig schon drängte sich eine zahlreiche Menschenmenge in die Nähe des Domes . Individuen von allen Religionsbekenntnissen wollten dem feierlichen Kirchenact beiwohnen und vergaßen leicht im Taumel einer neugierigen Lüsternheit , was zahllose Menschenalter ihnen nicht entreißen konnten . So ist der Mensch immer und ewig . Fest hängt er an Vorurtheilen , ob sie auch noch so thöricht sein mögen , nur der Reiz einer augenblicklichen Aufregung kann , wie ein spottender Harlekin , ihn herausjagen aus seiner seltsamen Ernsthaftigkeit . - Grade noch zu guter Stunde fand ich mich in Gesellschaft Bardeloh ' s nebst seiner Gattin und Felix mit dem Amerikaner ein , um in der Nähe des Eingangs eine behagliche Stelle zu erobern . Aus dem Innern des Doms wehte schon ein betäubender Weihrauchduft , die Hallen selbst waren geschmückt mit Blumen , zwischen denen geweihte brennende Kerzen in blassem Zitterlichte hervorleuchteten . Unter der andrängenden Menge wanderten mit einiger Mühe arme Knaben herum , um deren Schultern geflochtene Strohkörbchen hingen , angefüllt mit Heiligenbildern , Rosenkränzen , kleinen Kruzifixen und andern Dingen , die einem katholischen Gemüthe zu Krücken der Andacht dienen . Laut riefen diese Knaben ihre Kleinigkeiten aus unter dem gaffenden Volke . » Kauft schöne , blanke Kruzifixe ! Neue , geweihte Rosenkränze ! Kauft , kauft , schöne Herren ! - Alles billig - Stück für Stück nur drittehalb Silbergroschen ! « So schrieen wol dreißig Kehlen bunt durcheinander , die glänzenden Waaren den Umstehenden vor den Augen hin und her schwenkend . Die betriebsame Jugend machte ein leidliches Geschäft , denn Viele kauften , um die Störenfriede nur los zu werden , der bigottere oder meinethalb auch andächtigere Theil der Anwesenden wol auch aus einem tiefern Bedürfniß . Mir fiel diese Betriebsamkeit , die kirchliche Feste in eine Art Jahrmarkt verwandelt , nicht auf . Aehnliche Scenen hatte ich oft erlebt , da ich von Jugend auf in katholischen Ländern viel verkehrte und mit den Sitten und Gewohnheiten seiner Bewohner vertraut war . Grade da , wo sich die Anhänglichkeit an dem katholischen Ritus am unumwundesten ausspricht , wie in Böhmen , findet man auch am häufigsten diese an eine frivole Parodie grenzende Leichtfertigkeit , mit dem Heiligsten des Herzens einen gewinnsüchtigen Handel zu treiben . Anders betrachtete der Amerikaner die ihm völlig neue Erscheinung . Auf sein Gesicht trat ein zürnender Ernst , mehrmals stieß er die zudringlichen Buben zurück und nur , als Niemand seinen Widerwillen gegen diese Art , Geschäfte zu machen , mit ihm zu theilen schien , kaufte er endlich einem schwarzlockigen Jungen ein Kruzifix und auch einen Rosenkranz ab . »