hören , was darin gesprochen wurde , da die Fenster , wenn das Wetter nicht gar zu schlecht war , nach der Menagerieseite zu , offen zu stehen pflegten . Nach der Kanalseite aber waren sie stets geschlossen und auch verhängt bis auf eine kleine , zur Beobachtung der Treckschuiten notwendige Öffnung . Des Morgens um acht Uhr kam Mynheer van Streef regelmäßig in sein Lusthaus gegangen . Er trug dann seinen Frühanzug von zeisiggrünem Kamelott und eine rote Mappe unter dem Arme . Mit der Pfeife und dem Teegeräte folgte ihm die erste Magd , denn zu Hause ließ er sich nur von den Frauenzimmern bedienen , Sebulon war nur auf der Reise zum Diener erhöht worden , in dem Landhause Welgelegen hatte er seine Stellung als Haus- oder Gartenknecht wieder eingenommen . Mynheer van Streef trank nun seinen Tee , nicht rasch , wie auf dem Helikon , sondern wirklich , wie Sebulon gesagt hatte , die Tasse in einer Viertelstunde , wozu er langsam den Rauch aus der angezündeten Pfeife blies und in geregelten Zeitabschnitten wechselweise mit starrem Blicke nach dem Kanal und nach uns , seiner Menagerie , aussah . Sonst nahm er während dieser Zeit nichts vor , denn er war der Meinung , daß jedes Geschäft für sich betrieben werden müsse . Nach dem Frühstücksgeschäfte schickte er sich zu dem zweiten an , nämlich den Text seiner Kansbilletts , die er in der roten Mappe verwahrte , Stück vor Stück , obgleich derartige Schriftwerke bekanntlich gleich lauten , nachzulesen . An den Zinstagen gesellte sich dazu die Arbeit , die Coupons abzuschneiden . Diese Mühen pflegten die zwölfte Tagesstunde heranzubringen . Dann erschien ein Diener aus dem Landhause Schoone Zicht und einer aus der Vrouw Elizabeth , brachte einen höflichen Gruß von Mynheer de Jonghe und Mynheer van Toll und die Anfrage ihrer Herrn : Wie Mynheer van Streef geschlafen habe und sich befinde ? Mynheer van Streef antwortete nach langer Überlegung jeden Tag dasselbe ; daß die Nacht ziemlich ruhig gewesen sei , und das Befinden , Gott sei Dank , sich leidlich verhalte . Wenn diese Boten abgefertigt waren , wurde Sebulon geklingelt und nach der Schoonen Zieht und der Vrouw Elizabeth entsendet mit höflichem Gruße von Mynheer van Streef an Mynheer de Jonghe und Mynheer van Toll und seinerseitiger Anfrage , wie diese beiden Herren geschlafen hätten und sich befänden ? Nach vorgedachten Anstrengungen wurde zur Herstellung der erschöpften Lebenskraft wieder Tee getrunken , geraucht und die Meldung des zurückkehrenden Sebulon entgegengenommen . Darauf ging Mynheer van Streef in das Haupthaus , kam angekleidet zurück in den Hof , stellte sich vor die Voliere und demnächst vor jeden Abschlag der Menagerie , sah die Einwohnerschaft der Voliere und dann jedes von uns eine geraume Zeit lang bedächtig an , schüttelte auf jeder dieser Stationen das Haupt und sagte , sooft er schüttelte : » Unvernünftige Tiere ! « - Dieses tat er jeden Tag , auch wenn es regnete , Sebulon hielt ihm dann nur während dieser geringschätzigen Betrachtungen den Regenschirm über . Waren die Allokutionen an die Voliere und Menagerie geendiget , so ging er wieder in das Haupthaus und speiste , es mochte dann etwa vier Uhr nachmittags sein , zu Mittag ; hielt darauf seine Mittagsruhe und kehrte , abermals eine Mappe unter dem Arme , jetzt aber eine grüne , sechs Uhr abends in das Lusthaus zurück . Er trank nunmehr seinen dritten Tee , rauchte , wie sich von selbst versteht , abermals dazu und las dann Amsterdamer Stadtobligationen , die er in der grünen Mappe verwahrte . Darüber pflegte es dunkel zu werden ; Mynheer van Streef klappte gähnend die Mappe zu , sah noch einmal nach dem Kanal , verließ hierauf das Lusthaus und zog sich in das Haupthaus zurück . Sobald es völlig dunkel war , schloß Sebulon die Pforte ; die Lichter , welche in den Fenstern des Hauses eine kurze Zeit lang leuchteten , erloschen allgemach - ein Zeichen , daß Herr und Dienerschaft in ihren Betten von den Anstrengungen des Tages ausruhten . Das tiefste Schweigen und die lautloseste Stille senkten sich auf Welgelegen herab . Ich habe unter den Beschäftigungen des Tages anzumerken vergessen , daß Mynheer van Streef auch den Ankunftsaugenblick jeder der sechs Schuiten , welche täglich von Haarlem nach Amsterdam vorüberfuhren , auf einer schwarzen Tafel , welche im Lusthäuschen hing , zu notieren pflegte , und aus den Unterschieden wöchentlich eine mittlere Zeit herausrechnete . Ich hörte ihn zuweilen sagen , es sei sein größter Kummer , daß diese Mittelzeiten nie stimmen wollten , auch wenn er sie auf Monate , ja selbst Jahre schlüge , und daß daher die rechte mittlere Ankunftszeit einer Treckschuite noch immer ein unlösbares Rätsel wäre . So ging ein Tag wie der andere hin . » O Herr ! « seufzte ich bei diesem niederländischen Leben in Freude und Rast oft ( denn ich bediente mich bei meinen Ausrufungen nun nicht mehr der Mythologie ) » was für eine Langeweile ! Steht denn mein Herr nur eine Stufe über dem Faultier und nicht tief unter dem Elefanten , dem stolz-empfindlichen Rosse , dem rührigen Hunde , obschon er Kansbilletts und Amsterdamer Stadtobligationen liest ? Und doch dünkt er sich was Rechtes , glaubt eine unsterbliche Seele zu besitzen , und doch behandelt der schwärmerische Barbar uns Tiere mit Verachtung ! « - Es war natürlich , daß sich auf solchem Wege kein Verhältnis der Zuneigung zwischen mir und ihm entfalten konnte ; dieser Holländer war nicht geeignet , Liebe zu erwecken . Ich drehte ihm daher auch immer den Rücken zu , wenn er vor meinen Verschlag trat . Um der Last der schrecklichen Langeweile von Welgelegen mich zu entziehen , suchte ich mit meinen Nachbarn in der Menagerie Umgang anzuknüpfen . Ich hatte recht leidliche Leute zu Nachbarn , links einen Goldfasan und rechts einen Silberfasan , hinter mir ein paar Schildkröten in einem großen Sandkasten und einen