jenen hohen , weiten Räumen verwöhnt habe , und er pries in Gedanken die Reichen und Großen , daß es ihnen vergönnt sei , sich immerdar in geräumigen Zimmern und Sälen zu bewegen , wo kein niederes Dach , keine eng aneinanderrückenden Wände ihre Gedanken bedrängen und ihre Gefühle ängstigen . Als er den Gasthof verlassen hatte , war ihm aber so wohl und heiter , er fühlte sich wieder so ahndungsreich und frisch , wie in jener Jugendzeit , die er schon auf immer entschwunden glaubte . Jetzt waren es ungefähr zehn Jahre , daß er in diesen Gegenden gewandelt . Zwischen der Gegenwart und jener vergangenen Zeit lag es wie eine unermeßliche Kluft , und doch trat ihm ein Gefühl ganz nahe , als wenn er jene wundervollen Tage noch mit der Hand abreichen könne . Jetzt mußte er über seine Empfindlichkeit von gestern lächeln . Sein Freund , so reich er war , und wie sich sein Vermögen auch seit kurzem vermehrt hatte , war so freigebig und gutmütig , hatte zu seinen abenteuerlichen Festen so viele Gäste in sein Haus geladen , daß er es sehr natürlich fand , wenn dieser durch Geschenke an einen wohlhabenden Freund seine Ausgaben nicht noch vermehrte . Auch das Bild der Schönen , und jener dämmernden Stube in der Hütte am Saume des Buchenwaldes war schon in eine Ferne hinabgesunken , die zwar noch in Farben schimmerte , aber doch schon der Schattenwelt angehörte . Ein anderer Vorwurf , den er sich selber machte , überschlich ihn jetzt in der schönen Einsamkeit . Konntest du nicht , sagte er zu sich selber , schon vor Wochen hier in dieser schönen Natur leben und wandeln ? Ja wohl hättest du jenen Zauber früher zerreißen sollen , der dich dort an goldenen Banden festhielt . Hier durchwandre ich das schöne Buch , in welchem ich meine Jugend noch einmal lese . Als er am folgenden Tage weiterfuhr , erschien es ihm wie ein Traum , daß er schon an diesem Abend in Nürnberg eintreffen solle . Die Sonne fing schon an zu sinken , als er neben seinem Wagen einen jungen Mann wandeln sah , der ihm sehr ermüdet schien . Die Straße war beschwerlich , und da es Leonhard schien , als ob der Reisende auch zur Stadt wolle , so lud er ihn ein , sich zu ihm zu setzen , weil er auf diese Weise sicherer und schneller sein Ziel erreichen könne , welches Anerbieten mit Dank angenommen wurde . Es begann schon zu dämmern , und da die Straße eben durch einen Wald führte , so konnten beide ihre Gesichtszüge nicht mehr genug unterscheiden , um in nähere Bekanntschaft zu treten . Die Schatten der Bäume streiften wechselnd über sie hin ; indem jetzt der Wagen wieder auf einige Zeit langsamer und ruhiger ging , begann der Fremde : » Sie wissen es wohl schwerlich , mein Herr , wen Sie jetzt eben so freundlich in Ihr Fuhrwerk aufgenommen haben ? « » Nein « , sagte Leonhard , » denn ich habe Sie ja zuvor nie gesehen . « » Wenn ich nun ein Räuber und Mörder wäre ? « » Ich bin vom Gegenteil überzeugt , denn Ihr ganzes Wesen scheint friedlich und wacker . Sie wollen mich vielleicht bei zunehmender Dunkelheit erschrecken , aber ich bin nicht eben furchtsam . « » Sie können auch ganz ruhig sein « , fuhr der Fremde lächelnd fort , » ein Räuber geht nicht leicht mit solchem kleinen bescheidenen Bündel , wie ich hier neben mir liegen habe . Aber bei alledem sitzt ein sehr merkwürdiges Individuum an Ihrer Seite . « » So ? « » Ja , mein Herr , und Ihre Miene ( die ich zwar nicht mehr genau unerscheiden kann , da Sie vielleicht eben eine ziemlich höhnische machen ) , aber zugleich Ihr Wesen , Ihre Sprache , alles flößt Vertrauen ein , und so gestehe ich Ihnen denn unter dem Siegel der Verschwiegenheit , daß ich der einzige und zwar rechtmäßige Sohn von Friedrich dem Großen bin . « Leonhard war überrascht . Er machte den Versuch , sich etwas von der Seite des Fremden zu entfernen ; aber der enge Sitz des Wagens zwang ihn , in seiner vertraulichen Stellung zu verharren . » Sie wundern sich gewiß « , sagte der Unbekannte , » ich merke es an Ihrem Fortrücken ; ja , es ist sonderbar genug , und Sie können sich nun Ihr ganzes Lebelang rühmen , daß Sie mit mir so unverhofft zusammengetroffen sind . - Aber Sie sind so stumm ? « » Ich begreife die Möglichkeit nicht . Der preußische Friedrich starb , wenn ich nicht irre , im Jahre 1786 , und Sie selbst scheinen mir , soviel ich sehen kann , ungefähr von meinem Alter ; mithin hätte der große König Sie noch in hohen Jahren und nach dem siebenjährigen Krieg in die Welt gesetzt . « » Richtig ! « rief jener , » ich bin jetzt dreißig Jahr und 1772 geboren , und zwar von der rechtmäßigen Gemahlin des großen Regenten . Und unmöglich finden Sie dergleichen ? Lieber unbekannter Herr , was ist denn wohl einem solchen Geiste , einem so ungeheuer großen Monarchen unmöglich , einem Könige , der in seinem Reiche völlig unumschränkt herrscht , und keinem Menschen auf Erden von seinem Tun und Lassen Rechenschaft abzulegen hat ? Ja , Herr , es kommen sonderbare Schicksale in der Welt zum Vorschein . Wer viel reiset , erfährt auch viel , und so geht es Ihnen jetzt . Und darum ist es eben recht verdrüßlich , wenn die Ofensitzer alles besser wissen wollen . Nicht wahr ? « » Allerdings « , sagte Leonhard , der nun schon nicht mehr zweifelte , mit wem er es zu tun habe . » Sie wissen es gewiß « , erzählte der Fremde mit der größten Ruhe weiter , » welche Faktionen