des Hauswesens beginnen wollte . Er stand um drei Uhr nach kurzem Schlummer zu diesem Endzweck auf und wollte einen Diener selbst rufen , um nicht vielleicht durch das Herbeiströmen aller , wenn er die Klingel zöge , ein unnützes Getöse im Hause zu erregen ; doch diese Sorge war vergeblich . Es war kein Mensch im Hause und auch die Ställe waren leer , und als sich endlich ein schlaftrunkener Knabe fand , erfuhr der junge Graf auf seine Erkundigung , daß im nächsten Dorfe eine Hochzeit sei , wohin sich die ganze Dienerschaft begeben habe , indem sie sich der Pferde zu diesem Zweck bedient hätte . Ein Trinkgeld machte den Knaben munter , der nun abgesendet wurde , um die freche Dienerschaft von ihrer Belustigung abzurufen , und nach einer Stunde kamen sie zu Fuß und zu Pferde zurück , und verfügten sich mit einiger Verlegenheit auf das Zimmer des jungen Grafen , wie es ihnen befohlen war . Auf seine Vorwürfe über ihre Unverschämtheit erfolgte ihre gewöhnliche Antwort , daß man ihnen ihren Lohn auszahlen und sie entlassen möchte , wenn man mit ihren Diensten nicht zufrieden sei . Als aber dem ersten , der dieß Wort gesprochen hatte , der Wunsch erfüllt und ihm ernstlich angedeutet wurde , binnen einer Stunde das Schloß zu verlassen , traten die andern schüchtern bei Seite , baten um Verzeihung und gelobten ernstlich Besserung . Der junge Graf nahm nun die beabsichtigte Reinigung vor , die frechsten Trunkenbolde wurden entlassen , und die Verabschiedeten wie die Bleibenden bezahlt . Einem Jeden wurde sein Geschäft angewiesen und ihnen ernstlich versichert , daß ein Zeichen des Ungehorsams , eine unehrerbietige Miene ihre Verabschiedung sogleich veranlassen würde . Dem Jäger wurde befohlen , Wild herbei zu schaffen ; Andere mußten für Fische sorgen ; aus dem nächsten Städtchen wurde Wein und andere Bedürfnisse gebracht , und zugleich das bei einem dasigen Juden verpfändete Silbergeräth zurückgenommen , und so wurde es möglich , zur innigen Freude der Mutter , dem Arzte anständige Mahlzeiten anzubieten und ihn auch in dieser Hinsicht zu befriedigen . Im Vorzimmer wartete beständig ein Diener , und die leiseste Bewegung der Klingel rief ihn herbei , um die Befehle der Herrschaft ehrerbietig zu vernehmen . Der Kranke war erwacht und betrachtete lächelnd die Sorgfalt , mit welcher der Arzt sich für seine Herstellung bemühte , die ehrerbietig aufwartenden Bedienten , den veränderten Ton des ganzen Hauses . Nicht wahr , fragte er den Sohn etwas spöttisch , Du erkennst die Macht des Geldes ? Wie war ich verlassen , verhöhnt , von den Bedienten selbst vernachlässigt ; Du bringst dieß Zaubermittel , und siehe die Verwandlung . Aber sage mir doch , fuhr er fort , ich habe die Nacht daran gedacht , da Dein Oheim so bereit ist , seine Schätze mitzutheilen , so hat wohl der junge Franzose , von dem uns der alte Lorenz erzählte , schon beträchtliche Summen im Voraus genommen auf die ihm für die Zukunft bestimmte Erbschaft . Ach , mein Vater ! erwiederte der Sohn , indem die Erinnerung an beschämende Auftritte seine Wangen röthete , zu welchen erniedrigenden Schritten hat mich auch in dieser Hinsicht Ihre falsche Ansicht verleitet . Der junge Mann ist weit davon entfernt , meinen Oheim mißbrauchen zu wollen . Er ist ein edler , feuriger , liebenswürdiger Mensch , der die Liebe des Oheims verdient und sie auf ' s Zärtlichste erwiedert , aber dessen Geld nicht bedarf , davon habe ich Gelegenheit gehabt , mich zu überzeugen ; er erhielt große Summen von seiner Mutter und würde sie bei der Freundschaft , deren er mich würdigte , im Falle mein Oheim mir meine Bitte abgeschlagen hätte , mit mir getheilt haben , wenn ich mich hätte entschließen können , ihn darum zu ersuchen . So , so , sagte der Kranke , nun und der französische Haushofmeister , ist der auch so tief in Edelmuth versunken ? Ich weiß nicht , was ich Ihnen antworten soll , erwiederte der Sohn gereizt . Ich wollte nur , wir hätten hier jemanden , der so treu , so uneigennützig , mit wahrer Ergebenheit für seine Herrschaft die Wirthschaft verwaltete , wie dieser gute alte Mann , den der Oheim mit Recht nicht wie einen Diener , sondern wie einen Freund behandelt , und der sich doch nie in diesem Verhältniß überhebt , und so nahe er seiner Herrschaft auch durch die Liebe , mit der er ihr ergeben ist , stehen mag , sich doch äußerlich immer in ehrerbietiger Ferne hält . Das ist wahr , sagte der Kranke spöttisch , die Hofhaltung Deines Oheims liefert ja ein Abbild des himmlischen Paradieses ; er thront ja recht in glänzender Herrlichkeit auf seinem Schlosse , und sammelt alles Schöne und Edle um sich her . Nun und die Damen , fuhr er fort , sie sind wohl auch frei von allem verwundenden Stolz , von aller kleinlichen Eitelkeit und Ziererei ; sie verehren wahrhaft den großen Mann und täuschen ihn nicht durch scheinheilige Lüge , um ihn zu betrügen , indem sie innerlich über seine Anmaßung lachen ; nicht wahr , mein guter Sohn , fragte er mit scheinbarer Treuherzigkeit , sie sind eben so edel , eben so trefflich , wie alles Uebrige auf Schloß Hohenthal ? Der Sohn konnte den Zorn über die schnöde Undankbarkeit des Vaters nicht mehr bewältigen und war im Begriffe , etwas Heftiges zu erwiedern , als die Mutter ihre Hand sanft auf seinen Arm legte und sagte : Du siehst , daß Dein Vater sich heut um Vieles besser befindet als gestern , da er selbst heiter werden und scherzen kann . Der Kranke fühlte das Unziemliche seiner Reden und sagte in einer Anwandelung von Reue : Ich fühle es ja selbst , wie vielen Dank ich Deinem Oheim schuldig bin , durch seinen Beistand ist es mir wenigstens so gut geworden , ruhig und mit Anstand sterben zu können ,