sinnverwirrt und hirnverrückt schelten magst . Das ist sündlich Zungenspiel , das nimmer aus gutem Herzen kommt . Denn , wie Gott dem Knaben gerade Glieder schenkte , so gab er ihm auch völligen Verstand , und nur ein Hexenweib kann solchen gotteslästerlichen Ausdrucks sich bedienen ! « - Wallrade zuckte mitleidig lächelnd die Achseln . Margarethe erwiederte jedoch auf Diethers Rede : » Das Kind vertheidigt Ihr ; den Leumund der Gattin gebt Ihr aber unbedacht der bösen Zunge einer neidischen Erbschleicherin Preis . « » Meines Körpers Schwäche verhinderte mich , Eure ungerechten Beschuldigungen , wie sie ' s verdienen , zu beantworten . Jetzt habe ich aber meine Stärke , und mein Bewußtseyn wiedergefunden , und sage Euch : Unwahr ist , was Euer Argwohn und die Einflüsterungen dieser bösartigen Maid Euch vorgespiegelt . Dies Kleinod mögt Ihr darum dem Schultheiß wieder zustellen , und von ihm selbst zu Eurer Beschämung erfahren , wie es sich damit verhält . « - Sie wollte hinauseilen , Diether hielt sie jedoch zurück , und sprach mit weicher Stimme : » Gott weiß , Margarethe , wie schmerzlich mir ' s wäre , Euch Unrecht zuzufügen . Ich will ja gerne glauben , daß Ihr rein seyd , wie der Schnee des Gebirgs ; ich will ja zugeben , daß ein neidisch Auge durch einen bösen Blick den Unfrieden in unsre Wirthschaft bannte ; laßt uns darum , dem Teufel zum Trotz , Frieden halten . Die Hände laßt uns verschränken , daß an diesem Feiertage unsers Hauses der unselige Zauber seine Kraft verliere . « - Schmeichelnd bemächtigte er sich der rechten Hand Margarethens , die wie ein zagender aber versöhnlicher Engel nach ihm herüberblickte . - » Möchtet Ihr doch diese Hand auch Wallraden reichen ; « fuhr er , zum Vermittler werdend , fort : » zum Abschiede ; « setzte er schnell hinzu , da Margarethe finster das Haupt schüttelte : » zum Abschiede ; denn sie besteht darauf , Morgen mit dem Frühesten Frankfurt zu vertauschen mit ihrem eignen Besitzthum . - Das Fräulein thue , wie ihr ' s gefällt ; « versetzte Margarethe , kein Auge nach Wallraden kehrend , die den Rücken gegen das Zimmer und die Sprechenden gewendet , durchs Fenster sah : » Es hat verschmäht , meine Freundin zu werden , und fahre wohl . Ich verschmähe , einen Handschlag zu geben , der nicht von Herzen kömmt , und höchstens nur das Behagen ausdrücken könnte , Wallraden Abschied nehmen zu sehen . « - » Starrsinnige Weiber ! « sagte Diether verlegen , wie er sich zu benehmen habe , um nicht der Tochter , nicht der Gattin allzuwehe zu thun : » Nur Eure Eitelkeit sträubt sich gegen eine Nachgiebigkeit , die in Euern Herzen einheimisch ist . « - » Ich gebe das Beispiel der Nachgiebigkeit ; « antwortete Margarethe kalt : » denn ich gehe , und räume Eurer Tochter das Feld . Ich würde ein störender Zeuge Euers Abschieds seyn , und entferne mich daher . Auch beim Imbiß , für den ich Sorge tragen werde , soll meine Gegenwart nicht beschwerlich fallen . « - » Löblich von Euch ; « versetzte Wallrade in gleichem Tone , und ohne ihre Stellung zu verändern : » ich überhebe euch jedoch dieses Zwangs ; denn ich finde heute noch an dem Tische der frommen Waldburga im Stift der Reuerinnen meinen Platz . « - » Desto besser ; « schloß Margarethe das wunderliche Gespräch : » die Reue gönne ich Euch von Herzen . « Hierauf verschwand sie schnell und führte den Kleinen mit sich hinweg . Diether , sah ihr lange beklommen nach , stand eine Weile sinnend da , und verbarg alsdann grollend mit sich selbst die goldne Rose , welche noch auf dem Tische lag , in eine Lade des Schreins . Während er noch , wie ein Träumender , die Hand am Schlüssel hielt , drehte sich Wallrade rasch um , näherte sich ihm , legte ihre Rechte auf seine Schulter , und sprach mit Schärfe und greller Betonung : » Gott stärke Euch , mein Vater . Ich werde ferne seyn , und die Zeit Eurer Prüfung erst beginnen . « - » Ei , welche Gedanken ! « entgegnete Diether , mit Mühe die Unruhe verbergend , die von der bösen Prophezeihung in seiner Seele wieder erzeugt wurde . - » Friede im Haus ist ein gut Kissen ; « sprach Wallrade weiter : » Unfriede zwischen Eheleuten hingegen ein Stachel , dem jeder Tag an Schärfe zulegt . Ihr werdet wähnen , der Unfriede ziehe mit mir von dannen , - aber weit gefehlt . Die Warnerin geht von Euch ; das Unheil bleibt . « - » Du bist ungerecht und grausam zugleich ; « äußerte Diether : » Du verunglimpfst mein Weib , und überlässest mich doch dem bösen Geschick , das Du voraussagst . « - » Mein Maierhof fordert seine Gebieterin , « erwiederte Wallrade hingeworfen : » die Felder sollen bestellt werden , ..... in Euerm Hause ist das Feld schon vom bösen Sämann bestellt . Ich thue Euch und mir eine Liebe , wenn ich gehe . « - » O Du hartherzige Tochter ! « versetzte Diether schmerzlich : » Also belohnst Du meine Zärtlichkeit . Ich dachte Alles wieder in ' s alte Gleis der Sitte zu bringen , Dir das Erbtheil zuzuwenden , dem Du freiwillig entsagst ...... « - » Gebt mir ' s vor Euerm Tode , « spottete Wallrade , » damit ich Euch ernähren könne , wenn Euer Weib und Eure Söhne Euch verlassen . Im Ernste aber ; laßt uns Abschied nehmen . In dem Hause wo man mich einen höllischen Geist , eine Erbschleicherin nennt , weile ich nicht mit Freuden . Laßt uns Lebewohl sagen . Mein Platz im Hause wird bald durch einen willkommnern Gast besetzt seyn . « - »